Fermacell: Stellenabbau in Münchehof

Stellenabbau bei Fermacell. 21 Mitarbeiter könnten das Werk binnen Jahresfrist verlassen.

21 Jobs sollen binnen Jahresfrist abgebaut werden / Pressestelle der Xella-Gruppe gibt sich zugeknöpft

Neben den Stellenstreichungen bei der Fels-Werke GmbH an den Standorten Münchehof und Goslar (der „Beobachter“ berichtete) werden auch im Münchehöfer Werk des Systemherstellers für Trockenausbau Fermacell binnen Jahresfrist etwa 21 Arbeitsplätze abgebaut.

Die Pressestelle der Xella-Gruppe mit Sitz in Duisburg gibt sich zu diesen Vorgängen zwar bedeckt, doch hat unsere Zeitung aus gesicherter Quelle erfahren, dass im vergangenen Monat 21 Mitarbeitern ein Angebot zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses unterbreitet wurde.
Auf eine schriftliche Anfrage unserer Redaktion erklärte der Pressesprecher der Xella-Gruppe, Ernst Arelmann, dass er die Fragen unserer Zeitung nicht im Detail beantworten möchte, da der Konzern nicht beabsichtige, zu jedem einzelnen Standort Presseerklärungen abzugeben. Ferner sehe der Konzern keine Veranlassung für eine weitere mediale Berichterstattung, da der „Beobachter“ bereits ausführlich von Bernd Röwert, Unternehmenssprecher der Fels-Werke GmbH, über das „X-Celerate-Projekt“ in der Xella-Gruppe informiert wurde.
„Zudem“, so ist der Antwort auf die schriftliche Anfrage weiter zu entnehmen, „wurden die Medien rund um Duisburg (Anm. d. Red. Zentrale der Xella-Gruppe) in dieser Woche von den Plänen des Unternehmens in Kenntnis gesetzt.“
Die entsprechende Pressemitteilung, die den Zeitungen und Radiosendern im Ruhrgebiet zuging, liegt inzwischen auch dem „Beobachter“ vor. Daraus ist zu entnehmen, dass der Konzern nicht nur in Goslar und Münchehof den Abbau von Personal betreibt, sondern, dass auch in der Duisburger Zentrale 40 der aktuell 319 Arbeitsplätze betroffen sind.
Als Gründe führt die Xella-Gruppe das Effizienz- und Einsparprogramm „X-Celerate“ an, das bereits Fels-Werke-Sprecher Röwert im Gespräch mit dem „Beobachter“ thematisierte.
Diesem Programm folgend sollen in den Bereichen Verwaltung, Einkauf und Produktion Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungspotenziale freigesetzt werden. Bis 2016 sollen mit Hilfe dieser Maßnahmen rund 82 Millionen Euro eingespart werden.
„Den Einsparungen“, so heißt es in der offiziellen Presseerklärung, „stehen Investitionen im zweistelligen Millionenbereich gegenüber, die beispielsweise für verbesserte Produktionsverfahren und einen höheren Automatisierungsgrad in den Werken aufgewendet werden. Weitere 26 Millionen Euro Ergebnisverbesserung gegenüber dem Vergleichsjahr 2013 visiert Xella durch eine Optimierung des Vertriebs an. In diesem Bereich wird das Unternehmen von der Beratungsgesellschaft „The Boston Consulting Group“ unterstützt.“
Xella begründet die Maßnahmen mit der Notwendigkeit, die Leistungs- und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten und weiter auszubauen, die Profitabilität weiter zu steigern und angemessen auf die Verwerfungen der europäischen Wohnungsbauwirtschaft zu reagieren. Weiter heißt es, dass der Stellenabbau möglichst sozialvertrgälich, beispielsweise über Aufhebungsverträge, erfolgen soll.
Mit Blick auf den Fermacell-Standort Münchehof hat unsere Zeitung in Erfahrung bringen können, dass den 21 Mitarbeitern entsprechende Aufhebungsverträge angeboten wurden. Die Mitarbeiter, die im Jahr 1954 geboren wurden und somit kurz vor dem Eintritt ins Rentenalter stehen, werden demnach keine Abfindung erhalten, bei den Mitarbeitern ab Jahrgang 1955 sind Abfindungen im Gespräch, um die Folgen der Arbeitslosigkeit abzudämpfen. Bei letzteren Informationen handelt es sich jedoch nicht um Stellungnahmen von offizieller Seite. Der „Beobachter“ hat dies aus Gesprächen mit Betroffenen in Erfahrung gebracht.

Kommentar

Ein wenig mehr Anteilnahme

Es ist das gute Recht, wenn nicht sogar Pflicht, eines jeden Wirtschaftsunternehmens, sich den gegebenen Marktbedingungen anzupassen und die Unternehmensstruktur nach den herrschenden Erfordernissen auszurichten. Man muss auch kein Betriebswirt sein, um zu erkennen, dass am Ende eines eigentlich jeden Prozesses der unternehmerischen Kostenoptimierung der Abbau von Personal steht. Dies ist nun auch bei der Xella-Gruppe der Fall, die in unserer Region mit ihren Unternehmen Fels und Fermacell vertreten ist.
Die Gründe für die Umsetzung des Effizienz- und Einsparprogramms „X-Celerate“ kritisch zu hinterfragen, wäre an dieser Stelle zwar auch Aufgabe einer unabhängigen Presse, der aber aufgrund mangelnder Fach- und Sachkenntnis schwer nachzukommen ist.
Es ist aber auch nicht das Effizienzprogramm an sich, was nachdenklich stimmt, sondern vielmehr der Umgang der Xella-Gruppe mit der Öffentlichkeit. Freilich muss der Pressesprecher einer weltweit agierenden Firmenholding nicht zu jedem Produktions- und Verwaltungsstandort eine Stellungnahme abgeben, weil die Medien das wünschen; doch würde ein wenig mehr Anteilnahme mit den betroffenen Mitarbeitern und den Auswirkungen auf eine ohnehin gebeutelte Region einem Unternehmen dieser Größenordnung durchaus gut zu Gesicht stehen.
Denn die ewige Phrasendrescherei des sozialverträglichen Jobabbaus darf am Ende nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Verlust von rund 65 Stellen (Fels und Fermacell zusammengenommen) einen Landkreis trifft, der ohnehin schon ums Überleben kämpft.
Zwar würden auch gutgemeinte Worte den Betroffenen keinen neuen Job bescheren und der Bevölkerung im Landkreis ein gutes Gefühl geben, aber es wäre wenigstens ein sichtbares Zeichen, dass sich die Xella-Gruppe ihrer sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist.