Flüchtlingen helfen, aber wie?

Auf die Anzahl der Flüchtlinge, die im Seesener Stadtgebiet untergebracht werden, hat die hiesige Verwaltung keinen Einfluss. Bei der Integration der Asylsuchenden können die Stadt und ihre Bürger jedoch kräftig mitgestalten.
 
Ludmilla Heilmann ist die Integrationsbeauftragte der Stadt Seesen.

Was die Stadt Seesen bei der Integration von Flüchtlingen leistet und welche Möglichkeiten die Bevölkerung hat

Die Flüchtlingskrise, das dürfte als bekannt vorausgesetzt werden, ist keine Aufgabe mit dem sich ausschließlich die Politik auf Bundesebene auseinandersetzen muss. Vielmehr sind bei der Bewältigung der mannigfaltigen Herausforderungen vor allem die Kommunen im ganzen Land gefordert, denn bei ihnen werden die Asylsuchenden schließlich untergebracht.
Das gilt selbstverständlich auch für Seesen und seine Ortsteile. Laut Aussage von Bürgermeister Erik Homann leben aktuell rund 180 Flüchtlinge im Stadtgebiet. Der Großteil von ihnen stammt aus den Ländern des Balkans. In den vergangenen Wochen sind jedoch auch vermehrt Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan angekommen.
Wie Homannn im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte, herrschen in der Bevölkerung bezüglich der Unterbringung und anschließenden Integration der Flüchtlinge jedoch große Missverständnisse. So gingen einige Bürger davon aus, dies belegen Emails, die den Verwaltungschef regelmäßig erreichen, dass die Stadt Seesen direkten Einfluss auf die Anzahl der aufgenommenen Flüchtlinge hätte. Dies sei jedoch grundsätzlich falsch. „Die Stadt“, so Homann, „hat überhaupt keinen Einfluss auf die Zahl der Flüchtlinge.“ Wie viele Asylsuchende in Wohnungen im Stadtgebiet untergebracht werden, ist Sache des Landkreises, der die ihm zugewiesenen Flüchtlinge nach einem entsprechenden Schlüssel auf die Kommunen verteilt. Und auch der Landkreis hat wiederum keinen Einfluss auf die Anzahl von Asylsuchenden die ihn wöchentlich erreichen. Denn auch der Landkreis bekommt Kontingente zugewiesen, die nach dem sogenannten Königssteiner-Schlüssel berechnet werden.
Der enorme Ansturm von Flüchtlingen hat jedoch in den vergangenen Monaten dazu geführt, dass die Kontingente schlicht größer wurden und die Kommunen im Land mehr Asylsuchende als geplant aufnehmen mussten und weiterhin müssen.
Die Unterbringung und Registrierung der Menschen aus von Kriegen zerrütteten Ländern ist die eine Sache, eine ganz andere Sache ist jedoch die nachhaltige Integration. Und in diesem Punkt hat die Stadt Seesen tatsächlich Einfluss. Denn wie die Menschen hier in Seesen aufgenommen und betreut werden, das ist eben nicht mehr Sache von Berechnungsschlüsseln, sondern streng genommen Aufgabe der Bevölkerung.
Die Stadt Seesen hat auf diese Herausforderung damit reagiert, dass die Stelle von Ludmilla Heilmann ausschließlich der Koordinierung für die Integration von Flüchtlingen dient. Ludmilla Heilmann, und das ist Bürgermeister Homann besonders wichtig, ist die Integrationsbeauftragte der Stadt Seesen, eine Stelle, die im gesamten Kreisgebiet ihresgleichen sucht.
Heilmann fällt im Kern also die Aufgabe zu, die Angebote aus der Bevölkerung zu sichten und zu koordinieren. So ist sie beispielsweise Ansprechpartner für die Vermittlung von Dolmetschern oder auch behilflich, wenn Bürger Alltagshilfen für Flüchtlingsfamilien anbieten, damit sie sich in der neuen Umgebung schneller zurechtfinden.
Darüber hinaus hat die Stadt Seesen auf ihrer Internetseite (www.seesen.de) eine Rubrik eröffnet, wo Informationen für Flüchtlinge und Unterstützer aufgelistet sind. Dort finden Interessierte unter anderem verschiedene Telefonnummern. Unter anderem um Unterkünfte anzubieten, denn der Landkreis ist bei der Suche nach geeignetem Wohnraum dringend auf die Unterstützung der Bürger angewiesen. Homann: „Wir als Kommune wurden vom Landkreis darum gebeten, freie Immobilien im Stadtgebiet zu melden, damit diese Wohnungen hinsichtlich einer Unterbringung von Flüchtlingen besichtigt werden können. Wir als Verwaltung sind dabei natürlich auch auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen, denn wir haben natürlich nur bedingt Kenntnis über die Verfügbarkeit von Wohnimmobilien.“
Ferner kann auf der Internetseite der Stadt Seesen ein Formular heruntergeladen werden, das freiwillige Helfer nutzen können, um Angaben über ihre Hilfsangebote zu machen. Koordiniert wird dies vom Akit (Arbeitskreis Integrationstreff), dessen Leitung in den Händen der Integrationsbeauftragten Ludmilla Heilmann liegt. Eine weitere Möglichkeit sich einzubringen besteht auch am kommenden Mittwoch bei der Ehrenamtsabörse, die um 18 Uhr im Kirchenzentrum veranstaltet wird.
Wichtig ist Bürgermeister Homann übrigens auch, dass nicht nur die Seesener Bürger Anstregungen bei der Integration der Asylsuchenden unternehmen, sondern dass die Flüchtlinge selbst die Initiative ergreifen. „Wir müssen schon erwarten dürfen, dass sich die Menschen unseren Regeln anpassen, ansonsten kann Integration nicht gelingen“, so der Verwaltungschef.
Ferner wünscht sich Homann, aber dies dürfte schwer zu realisieren sein, dass im Stadtgebiet vornehmlich Flüchtlinge untergebracht werden, die eine langfristige Bleibeperspektive haben, denn ansonsten könne die Stadt mit ihrem demografischen Problem nicht nachhaltig von dem Zuzug junger Familien profitieren.