Freiheitsstrafe für versuchte Vergewaltigung an Babysitterin

„Skandalös und unverzeihbar“: Ehepaar aus Langelsheim musste sich gestern vor dem Amtsgericht Seesen verantworten

Von einer „schwerwiegenden Tat“ sprach Richter Rolf Stratmann; es sei „unverzeihbar, wie man so vorgehen kann“ und „durch nichts zu entschuldigen“. Deutliche Worte, die da gestern im Amtsgericht Seesen fielen.
Auf der Anklagebank saßen ein 36-jähriger Lichttechniker aus Langelsheim und dessen zwei Jahre jüngere Ehefrau. Seit neun Jahren sind beide miteinander verheiratet, haben eine achtjährige Tochter und einen siebenjährigen Sohn. Dann und wann kümmerte sich eine Babysitterin um die Kinder – auf unentgeltlicher Basis. Es bildet sich mit der Zeit ein vertrauensvolles, fast familiäres Verhältnis heraus. Doch an einem Tag im Juni vergangenen Jahres ist es mit dieser Idylle abrupt vorbei. Gemäß Anklageschrift wurde dem Mann vorgeworfen, von der 16-jährigen Langelsheimerin, die als Nebenklägerin auftrat, mit Gewalt sexuelle Handlungen erzwungen zu haben. Die Ehefrau soll bei der versuchten Vergewaltigung Hilfe geleistet haben.
Am Tattag hatte sich der 36-Jährige von seiner Ehefrau mit dem Auto abholen lassen. Auf der Rückfahrt nach Langelsheim konfrontiert er sie mit dem Gedanken, dass man doch zusammen mit der 16-Jährigen, zu dritt also, in sexueller Hinsicht vielleicht einmal etwas ausprobieren könne. Die Ehefrau ist davon zwar nicht begeistert, fragt nach eigener Aussage nach, wie ihr Mann denn auf solch eine Idee komme, will sich seinem Ansinnen aber auch nicht entgegenstellen. „Ich lasse mich schnell beeinflussen“, sagt sie später in der Verhandlung auf die Frage von Richter Rolf Stratmann, warum sie mitgemacht habe.
Zu Hause trifft man die Babysitterin erwartungsgemäß an. Die Kinder werden mit einem Bekannten zum Eisessen geschickt. Unter dem Vorwand, etwas besprechen zu müssen, gehen das Ehepaar und die Jugendliche in die Stube der Wohnung. Was dann passiert, liest sich in der Anklageschrift unter Berücksichtigung der schriftlich vorliegenden Aussage des Opfers wie folgt: Die Jugendliche wird vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer geführt. Dort setzt man sich zunächst aufs Bett, bevor der 36-Jährige das Opfer in liegende Position schubst und sich im Hüftbereich auf sie setzt. Von seiner Ehefrau lässt er sich den Gürtel seines Bademantels geben und fesselt die 16-Jährige damit am Bettgestell. Anschließend schiebt er ihr T-Shirt und den BH nach oben, fasst ihr an die Brust und küsst diese. Nur weil sie sich kräftig wehrt und schreit und letztlich auch, weil seine Frau dazu rät, aufzuhören, lässt der Langelsheimer von seinem Opfer ab und löst den Gürtel. Die Nebenklägerin verlässt fluchtartig die Wohnung. „Das mit dem Fesseln habe ich im Internet gesehen, und wollte es einfach einmal ausprobieren“, so der Angeklagte. Doch das sich die Babysitterin von Anfang an gewehrt habe, stimme so nicht; sie habe sogar noch rumgealbert und sei auch nicht geschubst worden. Dass er den Aussagen des Opfers bei der polizeilichen Vernehmung in Goslar in vollem Umfang aber zugestimmt habe, begründete er damit, an diesem Tag schnell aus der Situation herauskommen zu wollen. Drei Tage nach der Tat schickte der Lichttechniker seinem Opfer übrigens zwei weitere SMS. Darin bedeutet er der 16-Jährigen, es beim nächsten Mal noch einmal mit ihr allein zu machen. „Doch danach war mit klar, das war großer Mist, was wir gemacht haben“, so der 36-Jährige.
Das Jugendschöffengericht machte sich die Entscheidung bezüglich des Strafmaßes nicht leicht. Nach 45-minütiger Beratungszeit verkündete Richter Stratmann das Urteil: Der 36-jährige Langelsheimer erhält wegen sexueller Nötigung, versuchter Vergewaltigung und Körperverletzung eine zweijährige, seine Ehefrau wegen Beihilfe eine zehnmonatige Freiheitsstrafe, beide ausgesetzt zu drei Jahren auf Bewährung. Außerdem muss der Angeklagte seiner früheren Babysitterin monatlich 100 Euro für die Dauer von drei Jahren zahlen und sich einer ambulanten Sexualtherapie unterziehen.