Freispruch aus Mangel an Beweisen

Insolvenzwerwalter lässt 62.200 Euro auf Privatkonto umleiten / Vorwurf der Untreue nicht bewiesen

Am Montag fand vor dem Amtsgericht Seesen die Fortsetzung des Gerichtsverfahrens statt, in dem sich ein 62-jähriger Rechtsanwalt – er ist hauptsächlich im Insolvenzrecht tätig – wegen Veruntreuung in Höhe von 62.200 Euro verantworten musste.

Der „Beobachter“ hatte bereits über den vorangegangenen Prozesstag berichtet. Die damalige Verhandlung wurde jedoch aufgrund mangelnder Beweise vertagt.
Bereits im Mai 2010 hatte der aus Berlin stammende Rechtsanwalt Geld – statt auf das Treuhandkonto – auf eines seiner eigenen Konten buchen lassen. Damit hatte er dann Kanzleischulden, Stromrechnungen und Schulden an das Finanzamt in Höhe von etwa 19.000 Euro bezahlt. Weitere 20.000 Euro hatte er auf ein anderes Privatkonto überweisen lassen.
Die Veruntreuung der 62.200 Euro gab er zu – mit der Begründung, dass er keinen anderen Ausweg gesehen hatte um seine offenen Rechnungen begleichen zu können.
Zugleich erklärte er, dass er das Geld nur genommen habe, weil ihm bewusst gewesen war, dass er es bei Bedarf wieder zurückzahlen kann. Die Gläubigerin fühlt sich jedoch geschädigt, da für sie durch die verspätete Auszahlung ein Zinsschaden in Höhe von 3000 Euro entstanden ist.
In dem etwa einstündigen Prozess legte der Verteidiger dar, dass sein Mandant zum Zeitpunkt der Geldumleitung fest mit einem Geldeingang von rund 170.000 Euro rechnen konnte.
Die zuständige Staatsanwältin gab zu bedenken, dass der Anwalt durch sein Handeln Beteiligte hintergangen hatte. Somit forderte sie im Schlussplädoyer eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung.
Das Urteil fällte Richter Frank Rüger jedoch anders: Freispruch für den Angeklagten. „Der Freispruch lobt Sie nicht für ihr Verhalten. Sie sind aber auch kein Straftäter weil der Vorwurf der Untreue nicht bestätigt werden konnte”, so Frank Rüger.
Für eine Verurteilung hätte die Verlustgefahr des Geldes naheliegend sein müssen – war sie jedoch nicht. „Das ist ein Freispruch mangels Beweisen und nicht mangels Unschuld”, mahnte der Richter zum Schluss der Verhandlung.