Friedensaktivistin bei der Frauenhilfe

Zu Bethlehem ist sie geboren, aufgewachsen in Deutschland. Zurückgekehrt heiratet sie und zieht mit ihrem Mann nach Beit Jala bei Jerusalem. Dort durchlebt sie mit ihrer Familie die Schrecken der Intifada und des Golfkriegs. Anschaulich und liebevoll schildert sie ihr Leben zwischen nationalen und religiösen Grenzen. Als christliche Palästinenserin und der arabischen Kultur verpflichtet, beschreibt sie ihren spannungsreichen Alltag in einem Land, in dem Frieden und Versöhnung in weite Ferne gerückt sind.

Faten Mukarker aus Bethlehem ist am kommenden Dienstag im Kirchenzentrum zu Gast

Die Friedensaktivistin Faten Mukarker wird am kommenden Dienstag, 26. November, 19.30 Uhr im Kirchenzentrum Seesen referieren. Sie kommt aus Beit Jala, in der Nähe von Bethlehem. Vor dieser Weihnachtsveranstaltung der evangelischen Frauenhilfe Seesen hatte Garnet Günzel-Oberbeck vom Vorbereitungsteam Gelegenheit gehabt, Faten Mukarker telefonisch zu interviewen.

Faten Mukarker, geboren 1956 in Beit Jala bei Bethlehem ist eine palästinensische Friedensaktivistin. Sie ist griechisch-orthodoxe Christin und in Bonn aufgewachsen, da ihr Vater in Deutschland eine Anstellung gefunden hatte. Sie kehrte als 20-Jährige nach Palästina zurück, um zu heiraten. Dort durchlebt sie mit ihrer Familie die Schrecken der Intifada und des Golfkriegs. Anschaulich und liebevoll schildert sie ihr Leben zwischen nationalen und religiösen Grenzen.
Als christliche Palästinenserin, gleichwohl der arabischen Kultur verpflichtet, beschreibt sie eindrücklich ihren oft spannungsreichen Alltag in einem Land, in dem Frieden und Versöhnung derzeit in weite Ferne gerückt ist.
Alle Damen und auch Herren aus Seesen und Umgebung sind herzlich eingeladen diesen hochinteressanten Vortrag über die Situation der Palästinenser im Westjordanland mitzuerleben. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.
An dieser Stelle folgt das Interview das Garnet Günzel-Oberbeck mit Faten Mukarker geführt hat.

Liebe Frau Mukarker, sie sind in Bonn aufgewachsen und dann mit 20 Jahren nach Palästina/Beit Jala zurückgekehrt. War damals abzusehen, dass sie 37 Jahre ihres Lebens zwischen Mauern, mitten im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern verbringen werden?
Als ich zurückging, von Bonn nach Beit Jala war das Land besetzt, aber ansonsten war es relativ ruhig und friedlich. 1987 begannen die Unruhen der ersten intifada. Mit dem Ausmaß und der Länge des Konflikts war nicht zu rechnen.

Wie empfinden ihre Kinder diese Situation?
Die jungen Menschen wandern aus. Wer gehen kann geht, wer es nicht schafft, das Land zu verlassen, träumt davon, woanders im Frieden zu leben. Die, die bleiben, versuchen sich eine Perspektive zu erhalten. Mein ältester Sohn ist ausgewandert. Er wohnt in den USA. Meine Tochter ist geblieben. Sie leitet ein Zentrum für traumatisierte Menschen in Bethlehem. Sie hilft Kindern, Frauen und auch Männern, meist den Schwächsten der Gesellschaft, die mit den Umständen nicht zurechtkommen. Ich werde in Seesen auch von dieser Arbeit berichten.

Was verbindet die Menschen trotz der Mauern, die sie tagtäglich trennen?
Die Menschen verbindet der Traum vom Frieden. Sie wünschen sich ein friedliches Leben für sich und ihre Kinder – auf beiden Seiten. Es ist nicht die normale Bevölkerung der Israelis und nicht die, der Palästinenser, die diesen Krieg immer wieder, seit 46 Jahren am Laufen halten, sondern die Extremen auf beiden Seiten.

Sie sind griechisch-orthodoxe Christin. Welche Kraft und Zusage ziehen sie aus ihrem christlichen Leben und was ist Ihnen als christliche Aussage der Bibel besonders wichtig?
Ich habe Hoffnung, und ich gebe diese Hoffnung nicht auf. Ich ziehe aus der Bibel die Zusage, das Jesus der Friedensfürst kommen wird, und Frieden bringen wird. Wir versuchen in Nächstenliebe zusammenzuleben. In der Bibel steht, man soll die Feinde nicht hassen, man soll Böses mit Gutem vergelten, das ist ein hoher Anspruch, der sehr viel Glaubenskraft kostet, gerade wenn man den Feind so greifbar und fühlbar jeden Tag vor Augen hat.

In der ARD läuft gerade die ARD Themenwoche zum Glück. Glücksinterviews und Glücksumfragen wurden deutschlandweit durchgeführt. Was bedeutet für Sie Glück?
Gesundheit ist Glück. Gesundheit ist die Krone, die man auf dem Kopf hat, die aber nur die Kranken sehen. Genug Wasser zu haben ist Glück. Bei uns ist das Wasser rationiert. Kinder sind Glück und in einem Land leben zu können, ohne Angst, ohne Krieg, damit meine ich nicht die Abwesenheit von Krieg, sondern echten Frieden!