Fusion nimmt konkrete Formen an

Die Stiftskirche in Bad Gandersheim soll neuer Sitz der künftigen Propstei Gandersheim – Seesen werden. Vor dem geschichtsträchtigen Dom in der Kur- und Festspielstadt trafen sich im Anschluss an das gestrige Pressegespräch die beiden Pröpste Elfriede Knotte (Mitte), Propst Thomas Gleicher (2. von rechts), Stellvertreter Johannes Koch aus Rhüden (rechts) sowie Otto-Karl Behrens aus Wrescherode vom Propstei-Vorstand in Bad Gandersheim und Elke Wille aus Stroit, Vorsitzende der Propstei Synode.

Die beiden Propsteien Bad Gandersheim und Seesen wollen ab dem 1. Januar 2017 gemeinsame Wege gehen

Die beiden Propsteien Bad Gandersheim und Seesen wollen in Zukunft noch enger zusammen rücken und zueinander finden. Dass die Fusionsvorbereitungen schon sehr weit fortgeschritten sind, verdeutlichten heute, vor Vertretern von Medien, die beiden Pröpste Thomas Gleicher (Seesen) sowie Elfriede Knotte (Bad Gandersheim).
Bis zum Jahre 2020 verliert die Propstei Bad Gandersheim knapp acht Prozent ihrer Mitglieder, in Seesen sind es satte zwölf Prozent. Der „Beobachter“ hatte bereits in der vergangenen Woche über diese Fakten berichtet.
Die Prognosen sind nahezu ausschließlich durch die demografische Entwicklung bedingt, und nicht etwa durch Kirchenaustritte, was Propst Thomas Gleicher noch einmal deutlich unterstrich. „Kirchenprobleme bereiten uns nicht so sehr Kopfzerbrechen“, berichtete er.

Landeskirchenamt zeigt sich über Eigeninitiative erfreut

Um überhaupt noch ein lebensfähiges Gebilde zu sein, braucht die Propstei Bad Gandersheim mehr noch als Seesen einen Partner. Um handlungsfähig zu bleiben, haben die Gandersheimer die Initiative ergriffen und sind auf die Propstei Seesen zugegangen. Das war vor rund eineinhalb Jahren. Da Seesen sofort grünes Licht gegeben hatte, war man jetzt gemeinsam auch dem Landeskirchenamt gegenüber Herr des Verfahrens. Das Landeskirchenamt seinerseits war erfreut über die Eigeninitiative und sicherte schriftlich zu, dass es bei der Fusion keinerlei Stellenabbau oder Stundenkürzungen geben werde.
Die Landeskirche bereitet den Gesetzesentwurf vor. Die beiden Propsteien werden dazu angehört. Die Landessynode sollte dann im nächsten Jahr das Gesetz beschließen, so dass die Fusion dann zum 1. Januar des Reformationsjahres 2017 perfekt ist.
Die neue Propstei soll voraussichtlich „Gandersheim-Seesen“ heißen. Pröpstin Elfriede Knotte und Propst Thomas Gleicher bleiben im Amt.
Geht einer von beiden in den Ruhestand, fällt diese Stelle weg. Aktuell besteht die Absicht, sowohl von Propst Gleicher als auch von Elfriede Knotte, die gemeinsame Propstei-Spitze bis ins Jahre 2022 zu bilden. Das wären dann gemeinsame sechs Jahre.

Beide Propsteien haben sehr gut gewirtschaftet

Analog wird bei den Stellvertretenden verfahren. Gleiches gilt auch für die Kirchenmusik der Propsteien. Sitz der Propstei ist in Bad Gandersheim, die Verwaltung und Rechnungsführung wird in Seesen abgewickelt. Die Synodalen sind bis 2019 gewählt, so dass bis dahin die Synode sehr stark besetzt ist. Danach wird sie bedeutend kleiner.
Sehr beruhigend sei zudem, dass beide Propsteien gut gewirtschaftet haben und dadurch jeweils solide Rücklagen bilden konnten. So aufgestellt sollte die Fusion problemlos über die Bühne gehen. Sorgen bereiten derzeit die Vakanzen in beiden Propsteien, die nur sehr schwer zu besetzen sein werden – und zwar vor allem aus Mangel an Nachwuchs. Vielleicht hilft es ja, dass die Landessynode ihre Grenzen geöffnet hat und nun auch Theolog(inn)en aus anderen Landeskirchen in Braunschweig arbeiten dürfen.
Das Gebiet der neuen Propstei erstreckt sich von Langelsheim im Osten über Seesen und Bad Gandersheim bis nach Delligsen im Westen. Schlewecke bildet den nördlichsten Teil während Badenhausen, Harriehausen, Rittierode und Wenzen die südliche Ebene der Propstei bilden. Derzeit gibt es in beiden Propsteien noch mehr als 40.000 Mitglieder. Es werden aber jährlich weniger. Der Hauptgrund für die Fusion.