Gebäudefeuer in der Seesener Innenstadt fordert vier Verletzte!

Fast 150 Einsatzkräfte eilen am Dienstagabend in die Seesener Innenstadt zu einem vermeidlichen Gebäudefeuer.
 
Im ersten Obergeschoss ruft eine Person um Hilfe. Ein PA-Trupp unter schwerem Atemschutz ist bis zur Frau vorgedrungen.

Übungsszenario im ehemaligen Meinecke-Center deckt Defizite auf - sechs Ortsfeuerwehren im Einsatz.

Gegen 19.15 Uhr heulten am letzten Dienstag in Seesen und einigen Stadtteilen die Sirenen. Gemeldet wurde ein Brandeinsatz in der Jacobsonstraße im ehemaligen Meinecke-Center. „Im hinteren Teil des Gebäudes brennt etwas“, so die Erstinformation der Leitstelle aus Goslar.

Von Antonio Mateo, Seesen

Vor Ort versammelten sich bereits erste Schaulustige, die das Treiben der Feuerwehr, Polizei und DRK auf der Jacobsonstraße sowie Rosenstraße verfolgten. Ortsbrandmeister Wolfgang Sachse hatte diese Alarmübung ausgearbeitet und bewusst das Gebäude in der Seesener Innenstadt ausgewählt. Rund 150 Einsatzkräfte der Ortsfeuerwehren aus Seesen, Rhüden, Mechtshausen, Bornhausen, Herrhausen und Münchehof, sowie das Deutsche Rote Kreuz aus Seesen, Hahausen und Münchehof eilten am frühen Dienstagabend in die Seesener Innenstadt. Polizei und Feuerwehr sorgten vereint für die Absperrung der Straßen zum Einsatzort. „So ein Polizeifahrzeug ist eigentlich kaum zu übersehen, dennoch wollen einige Autofahrer unbedingt in den abgesperrten Bereich einfahren“, so die Seesener Polizei.

Auch die Unterscheidung zwischen „Ernstfall oder Übung“, ist für viele Anwohner ein Problem, entsprechend groß fiel bei einigen Seesener die Sorge um eigenes Hab und Gut aus. Konditormeister Dieter Kiene - selbst vom Sirenenalarm aufgeschreckt - richtete gleich seine Bedenken an den Seesener Ortsbrandmeister: „Wie schützen Sie in einem solchen Fall mein Haus?“. Wolfgang Sachse konnte dem direkten Nachbarn des Meinecke-Centers die Angst nicht restlos nehmen, erklärte aber, dass im Ernstfall von beiden Gebäudeseiten gegen das Feuer vorgegangen werde und natürlich auch ein Übergreifen der Flammen auf Nachbargebäude verhindert werden wird. Neben der Brandbekämpfung von zwei Straßenseiten aus stand die Menschenrettung von vier Personen an. Im ersten Obergeschoss rief eine Frau am Fenster um Hilfe. Der erste PA-Trupp unter schwerem Atemschutz war zu diesem Zeitpunkt bereits zur Frau unterwegs und das Drehleiterfahrzeug der Seesener Wehr in Position gebracht. Insgesamt vier Personen konnten leicht verletzt gerettet werden. Nach erfolgreicher Rettung wurden die Verletzten vom DRK untersucht und versorgt.

Ziel dieser Großübung war es, dass Zusammenspiel der einzelnen Wehren untereinander zu vertiefen und insbesondere den Atemschutz zu überprüfen. „Bei dieser Übung wollten wir das erste Mal zwei Atemschutzüberwachungen testen. Einmal vom Seesener ELW und der Rhüdener Wehr“, so Sachse. Insbesondere die Aufteilung in zwei Brandabschnitte, die nicht untereinander einsehbar sind waren im Testlauf. Im Einsatz bei der Firma Glatz (der Beobachter berichtete) wäre schon eine zweite Atemschutzüberwachung dringend notwendig gewesen. Die Atemschutzüberwachung bindet Führungspersonal, da bei jeder Überwachung ein Gruppenführer und ein eingewiesener „Überwacher“ gebunden wird. „Auch hier war es wichtig, die Übung im Zusammenspiel mit den anderen Ortswehren zu testen“ fuhr Sachse fort.

Die anschließende Abschlussbesprechung fand im Hinterhof des Meinecke-Centers statt. Ortsbrandmeister Wolfgang Sachse richtete seinen Dank an alle beteiligten Einsatzkräfte. „Vieles ist nicht so gelaufen – wie es hätte laufen sollen“, betont er. Damit spricht der Ortsbrandmeister die Mängel an, die in dieser Übung aufgedeckt wurden. Überwiegend waren es Probleme mit dem schwer zu regelnden Funkverkehr und den Funkkanälen, sowie den Atemschutztrupps. „Aus Seesen waren es einfach zu wenig PA-Trupps“, so Sachse. Es wurde über Abschnitte, Funkkanäle, Führungskräfte, Einteilungen, Probleme mit der Drehleiter und den Bäumen auf der Jacobsonstraße sowie Wärmebildkamera gesprochen. Der Gruppenführer des ersten Fahrzeuges bemängelte, dass die Wärmebildkamera im Einsatzleitwagen und nicht im Tanklöschfahrzeug gelagert wird. Auf der Jacobsonstraße behindern nicht nur die Bäume und parkenden Autos die Drehleiter, auch die über Straße gespannten Drahtseile - wie unter anderem für das Sehusafest vorgesehen - ergeben Gefahrenpotential für die Feuerwehrmänner im Korb. Die Drahtseile sind in der Dunkelheit kaum auszumachen. Im Großen und Ganzen zeigten sich alle Beteiligten zufrieden und die Aufdeckung von Defiziten ist auch ein Grund für derartige Feuerwehrübungen.

Stadtbrandmeister Jürgen Warnecke zeigte sich zufrieden und verwies ebenso auf die aufgetretenen Mängel und kündigte an, diese in Ruhe im Führungskreis zu besprechen. Nach etwas mehr als einer Stunde war die Übung beendet.