„Geht jetzt, geht auf ein Ziel zu!“

Die Schüler der R10c schenkten ihrer Leherin Angelika Fuhrmann eine selbst gestaltete Holzbank.

Absolventen der Oberschule Seesen feierlich verabschiedet / Emotionale Momente inbegriffen

Schulleiterin Annegret Tuchtfeld wird sich nie so richtig daran gewöhnen.

 Seit sieben Jahren verabschiedet sie die Absolventen der Oberschule Seesen. „Ich bin jedesmal richtig nervös, erkenne niemanden”, gesteht sie an diesem Tag ein. Sorgen braucht sich da niemand zu machen. Denn an so einem Tag erkennt sie nicht einmal Seesens Bürgermeister Erik Homann. Das macht nichts. Homann nahm es mit Humor. Schließlich kann er gut nachvollziehen, wie sich die Absolventen, ihre Freunde, Lehrer und besonders die Schulleiterin an diesem Tag fühlen.
Jedes Jahr hält Annegret Tuchtfeld für die Absolventen eine Rede. Diesmal stand sie ganz im Zeichen des Gehens. Nicht nur die Fortbewegung sei damit gemeint, sondern auch der Schritt in die Zukunft. „Geht jetzt, geht auf ein Ziel zu”, wünschte sie den Zehntklässlern. Dabei sollen sie unter anderem nicht über Leichen gehen, kritisch gegenüber modernen Rattenfängern sein und Zivilcourage zeigen. Einen Appell hat die Schulleiterin noch: „Nehmt Euch viel Zeit für die Mitwanderer, die hinterher hinken.”
Bürgermeister Erik Homann wünschte den Absolventen viel Erfolg und gab ihnen eine Sache mit auf den Weg: „Seid mutig und wagt auch einmal etwas”. Jedoch würde er sich wünschen, wenn der eine oder andere nach Seesen zurückkehren würde. „Wir brauchen Euch”, so Homann.
Die zweistündige Entlassungsfeier in der Aula hatte viel zu bieten: Tränen, Lacher, musikalische Vielfalt und Geschenke. Die Schüler ließen sich für ihre Lehrer eine Menge einfallen. Die R10c setzte dem Ganzen die Krone auf. Für ihre Lehrerin Angelika Fuhrmann gestalteten sie eine Holzbank. Alle Schüler hatten darauf unterschrieben. „Wir sind gespannt, wie sie die nach Hause bekommen wollen”, war zu hören.
Für einen emotionalen Moment sorgte auch die Schulleiterin. Als Svenja Hartung die fünfte Klasse besuchte, hospitierte Annegret Tuchtfeld im Deutschunterricht. Gemeinsam mit Svenja schrieb sie damals ein Gedicht über das Kaminfeuer. Später schenkte es Svenja der Schulleiterin. Fürs Büro. Annegret Tuchtfeld versprach es bis zu Abschluss in ihrem Büro zu verwahren und dann ihr zurück- zugeben. Jetzt war es endlich so weit. Zugleich nahm sie Svenja ein Versprechen ab: „Ich wünsche mir, dass Du es bis zu meiner Pensionierung aufbewahrst und mir dann zurückgibst”, so die Schulleiterin. Der Zehntklässlerin kullerten die Tränen über die Wange. Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie versprach es.