„Gekämpft haben wir mit Euren Waffen“

Berichtet über ein Leben als Kindersoldat

Zwölf Jahre alt war Junior Nzita, als eine Rebellengruppe ihn und seine Schulkameraden entführte, um die Kinder zu Soldaten auszubilden. Zehn schlimme Jahre als Kindersoldat im kongolesischen Bürgerkrieg folgten. Junior überlebte. Im Rahmen eines UN-Programmes wurde er 2006 demobilisiert. Inzwischen hat er in seinem Heimatland die Organisation „Paix pour l’Enfance“ (Frieden für die Kinder) zur Unterstützung von Kriegswaisen und ehemaligen Kindersoldaten gegründet. Und als ehrenamtlicher Botschafter der Vereinten Nationen setzt sich Junior Nzita für die weltweite Ächtung der Mobilisierung von Kindersoldaten ein.
Im Rahmen einer Vortragsreise durch England, Deutschland und die Schweiz wird Junior Nzita am Freitag, 27. November, zu Gast in der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Vitus und St. Andreas Seesen sein, um dort Auszüge aus seinem Buch „Wenn mein Leben als Kindersoldat erzählt werden könnte“ vorzustellen und mit interessierten Erwachsenen und Jugendlichen über seine Erfahrungen zu sprechen. Und über die Faktoren, die Kriege begünstigen. Denn: „Gekämpft haben wir mit Euren Waffen.“ Organisiert wird die Tour vom Deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes.

In der Schweiz hat Junior Nzita in den vergangenen Monaten Unterstützung bei der Trauma-Bewältigung erhalten. Denn auch heute noch lassen die Erfahrungen während des Krieges ihn nachts nicht zur Ruhe kommen. „Viele Kindersoldaten überleben den Krieg, aber nicht die Zeit danach“, sagt Junior Nzita. Er will darauf aufmerksam machen, wie tief und nachhaltig ein Krieg das Innere eines Menschen verheert. Es sei gravierend, dass diese psychischen und sozialen Probleme bei den Demobilisationsprogrammen in Kriegsländern meist unbeachtet blieben.
Die Veranstaltung mit Junior Nzita findet am 27. November ab 19.30 Uhr im Evangelischen Kirchenzentrum in Seesen statt. Der Eintritt ist frei.
Der Versöhnungsbund ist eine internationale Friedensorganisation, die 1914 gegründet wurde. Seine Mitglieder setzen sich auf Basis der Gewaltfreiheit für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Umwelt ein. Weltweit haben Mitglieder des Versöhnungsbundes immer wieder zu friedlichen Umbrüchen beigetragen. Der Internationale Versöhnungsbund ist in rund 40 Ländern vertreten und zählt sechs Friedensnobelpreisträger zu seinen Mitgliedern. Der Deutsche Zweig hat zahlreiche Organisationen der deutschen Friedensbewegung mitgegründet, zum Beispiel Eirene, den Bund für Soziale Verteidigung und das Forum Ziviler Friedensdienst. Er hat rund 900 Mitglieder. Weitere Infos gibt es auch im Internet unter www.versoehnungsbund.de.