Geladenen Revolver ohne Waffenschein im Safe

Ehefrau macht Polizei auf scharfe Schusswaffe ihres Mannes aufmerksam /Bei Durchsuchung auch Elektroschocker gefunden

Seesen (AK). Am Mittwoch dieser Woche nahm das Amtsgericht Seesen erneut das Verfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz gegen einen 58-jährigen Seesener auf.
Wahrscheinlich in Folge eines Streits zwischen dem Angeklagten und seiner Ehefrau, rief diese am 2. Oktober 2011 die Polizei und gab an, von ihrem Mann geschlagen worden zu sein. Zudem befände sich im häuslichen Safe ein geladener Revolver. An Ort und Stelle konnten die alarmierten Beamten jedoch keine körperlichen Verletzungen bei der Ehefrau festestellen. Nachdem sich die angeblich Geschädigte immer weiter in widersprüchliche Aussagen verstrickte, weder eine Anzeige aufgeben noch ins Krankenhaus verbracht werden wollte, gab sie schlussendlich zu, die Aktion als kleinen „Racheakt“ inszeniert zu haben.
Trotzdem ging die Braunschweiger Polizei dem Hinweis, dass sich eine scharfe Schusswaffe im Besitz des Ehemannes befinde, nach. Bei einer Durchsuchung der Wohnung wurde dann tatsächlich ein Double Action Revolver mit 89 Schuss Munition gefunden, der in einem codegeschützten Safe lag. Bereitwillig gab der Beschuldigte, der sich zu diesem Zeitpunkt nicht in der Wohnung aufhielt, per Telefon die Zahlenkombination preis. Zusätzlich stellten die Beamten einen Elektroschocker sicher, der frei zugänglich auf einer Kommode zu finden war.
Gegen den ehemaligen Strafbefehl von einer Geldbuße über 9.000 Euro wegen des Führens einer Waffe ohne Waffenschein, hatte der Angeklagte Widerspruch eingelegt. Bei der Verhandlung am Mittwoch sagte er, er habe die historische Waffe bei einer Military-Messe in Belgien gekauft, es sei eine spontane Entscheidung gewesen, er habe nicht über mögliche Konsequenzen nachgedacht. „Ich habe nie jemanden damit bedroht – ich habe sie nie in die Hand genommen – ich habe nie damit geschossen. Ich habe die Waffe einfach vergessen“, erklärte der 58-Jährige dem Vorsitzenden Richter Frank Rüger.
Hinsichtlich der Alkoholiker-Vergangenheit des Beschuldigten sowie den andauernden Eheproblemen mit seiner Frau wies Frank Rüger auf die Gefahr einer geladenen Schusswaffe bei der möglichen Eskalation eines Streits hin. Zudem könne der Revolver in den falschen Händen mit 89 Schuss Verheerendes anrichten. Unter diesen Umständen überlege er sogar, ob eine Geldstrafe in diesem Fall überhaupt ausreiche. Seine Einschätzung der Persönlichkeit des Angeklagten und die erfolgreiche Entzugsthearpie ließen ihn aber von einer in solchen Fällen üblichen sechsmonatigen Bewährungsstrafe absehen.
Nach einer kurzen Beratung mit seinem Anwalt, entschloss sich der Angeklagte, den Einspruch zurückzunehmen. Er trägt damit zusätzlich zu seiner Geldstrafe von 9000 Euro die Kosten des Verfahrens.