Geschichte der Fastnacht unterhaltsam erzählt

Die Schulplatzspatzen hatten sich bestens kostümiert. (Foto: bo)

Lesecafé mit Jung und Alt in der Seniorenwohnanlage am Schildberg / Schulplatzspatzen singen Lieder

Seesen (bo). In der Seniorenanlage am Schildberg fand jüngst wieder ein närrisches Lesecafé statt, mit lustigen Liedern, dem „Ententanz“ und viel Wissenswertem über die Geschichte der Fastnacht und die Rolle des Narren. Zur Einstimmung hat der 23-köpfige Chor der Schulplatzspatzen mit Unterstützung von Astrid Steinhoff, Leiterin der Kindertagesstätte „Am Schulplatz“, Lieder von „Wenn erst die Cowboys reiten“ bis zur „Anne Kaffeekanne“, die „so gern Trompete auf der Kaffeekanne“ blies und in brenzligen Situationen „auf dem Besenstiel“ davonflog und zu guter Letzt das Herz des Hansi Heinemanns aus Wanne-Eickel gewann.
Nach der kurzweiligen Darbietung der Schulplatzspatzen gab Gabriele Schindler-Vogdt vom Arbeitskreis „Jung und Alt“ den Bewohnern und Gästen einen interessanten Einblick in die schwäbisch-alemannische Fastnacht. Die Fastnacht ist ein christliches Fest. Es beginnt 6 Tage vor der 40-tägigen Fastenzeit und vorher sollten sich die Menschen „noch mal richtig austoben können“, denn das Fasten bezog sich nicht nur auf den Verzicht von Fleisch, sondern im Mittelalter auch auf sexuelle Enthaltsamkeit. Im Gegensatz zur evangelischen Kirche gönnte die katholische Kirche den Menschen das „über die Stränge-Schlagen“, das am Aschermittwoch beendet war. Es hieß dann: „Bedenke, Mensch, dass du Asche warst und zu Asche wieder werden wirst“ und dann sollte man als guter Katholik in sich gehen und sich nach den „närrischen Tagen“ in Verzicht und Enthaltsamkeit üben. Da vor der Fastenzeit auch alle „verbotenen“ Lebensmittel – insbesondere Schmalz – aufgebraucht werden mussten, wurden ab Donnerstag Fasnachtskrapfen gebacken.
Der Narr spielte während der Fastnachtszeit eine besondere Rolle. Er symbolisierte die Gottesferne und Lasterhaftigkeit, wurde teilweise als Synonym für den Teufel gesehen. Der Narr war aber nicht nur der Dumme, Unwissende, Triebhafte und der Gottesleugner, sondern auch derjenige, der den Herrschenden als Hofnarr zu deren Belustigung den Spiegel vorhalten durfte – daher kommt der Ausdruck „anderen den Spiegel vorhalten“ und die „Narrenfreiheit“. Dies passt gut in die Fastnachtszeit, da alle gesellschaftlichen Verhältnisse umgedreht werden und alles, was sonst verboten ist, getan werden darf.
Auch im 21. Jahrhundert wird mit den Politikern auf den Fastnachtsumzügen nicht gerade zimperlich umgegangen und die Rolle des Hofnarren haben Kabarettisten und Satiriker übernommen – auch außerhalb der 5. Jahreszeit.
Die Gäste hatten auf jeden Fall viel Spaß bei dem abwechslungsreichen Programm. Am 20. März lädt der Arbeitskreis „Jung und Alt“ um 15.30 Uhr in das Evangelische Kirchenzentrum zum Lesecafé über „Konfirmation früher und heute“ ein. Bei Fragen oder für weitere Informationen stehen dessen Mitglieder Ute Albrecht, Telefon (05381) 491807 und Christiane Berndt, Telefon (05381) 948064, zur Verfügung.