GlasBlasSing Quintett überzeugt beim Seesener Kulturforum

„Echte Harzer Jungs“ aus Halberstadt und Blankenburg, das GlasBlasSing Quintett.

Auf der Bühne sieht es aus, wie in einem unsortierten Getränkelager eines x-beliebigen Supermarkts. Genauer betrachtet lagern dort Blas-, Glas-, Plopp- und Schlaginstrumente, sie warten auf die dazu gehörigen Musik-Künstler alias Möhre, Frank, Fritze, Peter und Endie.

Das Seesener Kulturforum, immer wieder auf der Suche nach ungewöhnlichen Experimenten, hatte das GlasBlasSing Quintett auf die Aula-Bühne im Schulzentrum eingeladen. „Volle Pulle – Flaschenmusik XXL“ hieß das aktuelle Programm. „Harzrand NO meets Harzrand NW“, so könnte man aktuell titeln, denn die Musiker sind alle „echte Harzer Jungs“ aus Halberstadt und Blankenburg, inzwischen in Berlin zuhause und überall im deutschsprachigen Raum auf Tour.

Dass man mit derart einfachen „Instrumenten“ überhaupt Musik machen kann, die qualitativ, kreativ und künstlerisch überzeugend ist, mag die Erwartung an das Konzert beschreiben. Das Stimmen der Instrumente erfordert vorab das Ex-Trinken (Das geschah allerdings nicht auf der Bühne!) und aufwändige Verstärkertechnik muss die oft gehauchten Töne „rüberbringen“. Die Bandbreite der Instrumente erstreckt sich von der Plastikflaschen-Tuba bis hin zur Kümmerling-Piccolo.

Die Musiker begrüßen die „kulturelle Speerspitze von Seesen“ im Zuschauerraum, dabei auch das „Publikum als Dämmfleisch“ für den Tontechniker, inclusive einiger Filetstücke. Ironie, Witz und alberne Weisheiten sind angesagt und werden respektlos angesungen. Kronkorken werden bei Frank zu Kastagnetten. Dann klingt ein Glas-Pianino („Wir sind die Roboter“). Der „Kleine grüne Kaktus“ der Comedian Harmonists wird auf „grüne Flasche“ umgedichtet und a capella Fünf-Gesang ist ein Genuss. Am „Tequila“ hat das Publikum mit Händen und Füßen Anteil. Eine Einführung in die Nordharzer Sprachfärbungen Halberstädter Provenienz – begleitet von einer Ukulele – sind für die Zuschauer fast Heimatkunde. „Viva Las Vegas“ ist eine Hommage an Elvis Presley. Ein „Flachmanninoff“ ist dem Xylophon verwandt, die „Jelzin-Orgel“ besteht aus kleinen Wodka-Flaschen, und dann erklingen russisch-klassische Ohrwürmer von Tschaikowsky bis Chatschaturjan. Blumensprühflaschen werden zischend und hämmernd rhythmisiert: „I need the bottle, the bottle is all I need!“ Ein Song, begleitet vom Flaschenbass, entwickelt aus Promi-Namen irrwitzigen Sinn. Die Musiker haben auch „König-Ludwig“-Bierkästen auf Lager, mit denen sie balletthafte Maschinenmusik entwickeln.

Das GlasBlasSing Quintett präsentiert dem Publikum beim Seesener Kulturforum eine sehr breite Palette von Flaschen und Musik zwischen Hip-Hop und Mozarts Rondo alla Turca, zwischen Weihnachtslied und Ray Charles. Das Experimentieren mit Neuem beim Seesener Kulturanbieter hat sich gelohnt: Das Publikum ist begeistert und verabschiedet die Jungs von GlasBlasSing hinter den Flaschen mit viel Applaus und ertrotzt sich Zugaben.

Joachim Frassl