Glaubwürdigkeit und Reichweite weiterhin sehr hoch

Ulrich Kiehne (Seesener Beobachter), Andreas Rietschel (Goslarsche Zeitung) , Rainer Härtel (Harzkurier), Volker Taube (AG 60 plus), Rainer Schule (Wernigeroder Zeitung) und Moderator Rainer Langwald diskutierten über die Glaubwürdigkeit von Tageszeitungen in der heutigen Zeit. (Foto: Schwinger)

Vertrauen in Tageszeitung ist trotz der Lügenpresse-Vorwürfe vorhanden / Podiumsdiskussion mit Lokalchefs in Goslar

Kann man den Zeitungen in der heutigen Zeit noch vertrauen? Dieser Frage sind Journalisten aus dem ganzen Harz bei einem Podiumsgespräch im Lindenhof in Goslar nachgegangen. Unter dem Motto „Pressefreiheit und Pressefrust“ diskutierten jetzt Andreas Rietschel, Chefredakteur der Goslarschen Zeitung, Ulrich Kiehne, Redaktionsleiter des Seesener „Beobachter“, Rainer Härtl, Lokalchef des Harzkuriers Osterode sowie der Journalist Rainer Schulze aus Wernigerode. Die Diskussion wurde dabei moderiert von Reiner Langwald, der als ehemaliger Zeitungsredakteur viel Erfahrung gesammelt hat. Er gab vor Gesprächsbeginn einen kurzen Blick auf die Lage der Regional- und Lokalzeitungen in der vielfältigen Medienwelt, damit die Zuhörer der Diskussion auf einer etwa gleichen Wissensbasis folgen und sich an der Diskussion beteiligen konnten. In den vergangenen Jahren hat der Zeitungsmarkt einen radikalen Einschnitt erfahren, insbesondere durch das Internet.
Initiiert wurde die Veranstaltung durch die Arbeitsgemeinschaft 60 Plus in der Harzer SPD. Volker Taube, stellvertretender AG-Vorsitzender im Bezirk Braunschweig, erklärte, dass die SPD sich sorge, dass die unqualifizierten Angriffe der radikalen Populisten unsere Pressefreiheit, eine der wichtigen Stützen unserer Demokratie, nachhaltig beschädigen könnten. Den rüden und inhaltslosen Begriffen wie Lügenpresse, wolle man überzeugende Argumente und Darstellungen der Wirklichkeit entgegensetzen. „Inhaltlich konnten alle drei Journalisten deutlich machen, dass gegen Kritik grundsätzlich gar nichts einzuwenden sei, aber man dürfe nicht die Presse allein und für alles zum Sündenbock machen.
Leser haben schon ein genaues Gespür, und gerade Lokalzeitungen unterliegen dauerhaft einer guten Kontrolle ihrer Leserschaft. Aus den Zeiten der Zensur konnte Rainer Schulze ein Liedchen singen. Er war in der DDR groß geworden und konnte nur zu gut den Unterschied zwischen Pressefreiheit und Reglementierung durch den Staat näherbringen.
In Wahlkampfzeiten kommt es oft zu Auswüchsen. Dann werden die Berichte genau beäugt, geschaut, welcher Partei wie viel Platz eingeräumt wird. „Da haben die Parteien schon versucht, direkt oder indirekt, Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen”, so Rainer Härtel vom Harzkurier. Er ergänzte: „Am Ende fühlten sich alle Parteien benachteiligt, eigentlich genau das Zeichen, dass wir alle gleichermaßen behandelt haben. Durch facebook und Co. gibt es neue Informationsquellen, deren Seriosität allerdings oft fraglich sind. Das unterstrich denn auch Ulrich Kiehne, als er erklärte, dass sich insbesondere facebook-Nutzer auf das beziehen, was in der Zeitung steht. „Eben weil es glaubhaft und in der Regel gut recherchiert sein sollte!”
Alle Journalisten wussten gleichzeitig von dem größer gewordenen Druck zu berichten. Dass dadurch mehr Rechtschreibfehler in der Zeitung seien als früher, konnten die Zeitungsmacher indes nicht ausmachen. „Fehler solcher Art hat es schon immer gegeben”. Insgesamt aber baue man weiter auf das Medium Zeitung. Die Glaubwürdigkeit und auch die Reichweite sind weiterhin sehr hoch.