Gleich zwei Rollstuhl-Projekte nacheinander durchgeführt

 

Schüler der Medizinischen Akademie testen Innenstadt auf Barrierefreiheit / Kooperation mit Behindertensportverband

Gleich zwei Rollstuhlprojekte standen jetzt kurz hintereinander für die Schülerder Medizinischen Akademie, Schule für Physiotherapie in Seesen, auf dem Stundenplan. Zum einen überprüften die „Erstis“, also diejenigen, die gerade ihre sechssemestrige Ausbildung im September begonnen haben, die Innenstadt auf Barrierefreiheit; zum anderen beschäftigte sich der Behinderternsportverband Niedersachsen vor Ort mit der Rekrutierung und der Suche von Nachwuchssportlern im Behindertenbereich.
Wer gut zu Fuß ist, dem werden die Barrieren kaum auffallen. Hohe Treppenstufen, schwer zu öffnende Türen, oder solche, die viel zu eng sind, um diese mit dem Rollstuhl zu passieren. Für gesunde Menschen stellen diese Hindernisse keine großen Schwierigkeiten dar, für Menschen, die im Rollstuhl sitzen, schon.
Unter anderem testeten die Schüler den Seesener Bahnhof auf seine Behindertenfreundlichkeit und überprüften Rat- und Bürgerhaus. Fazit der Schüler: Der Bahnhof ist für Rollstuhlfahrer eine Katastrophe! Der Fahrplan hängt so hoch, dass man ihn kaum erkennen kann, die Gleise 3 und 4 kann man ohne fremde Hilfe nicht erreichen. Das Markthaus bekam von den Schülern gleich einmal ein Lob. Ein Fahrstuhl im Eingangsbereich erleichterte den Schülern den Zugang zu allen Bereichen.
Das Museum bekam ebenfalls viel Lob. Hier habe man sich Mühe gegeben, behindertenfreundlich zu werden. Zweie Räume sind jedoch nur über Stufen zu erreichen
Als behindertenfreundlich erwies sich das Seesener Bürgerhaus – zumindest auf den ersten Blick. Die Eingangstür öffnet per Knopfdruck automatisch, und es gibt sogar einen Aufzug für Gehbehinderte. Leider lässt sich die Tür zum Aufzug sehr schwer öffnen, konstatieren die Schüler. Hier ist eine Begleitpersonen dringend erforderlich.
Viele Geschäfte und städtische Gebäude haben trotz aller Bemühungen die Schwierigkeiten, mit denen sich Rollstuhlfahrer in der Stadt Seesen auseinandersetzen müssen.
Oft, so merkt Andrea Birkner, Leiterin der Schule für Physiotherapie in Seesen, reiche ein Hinweisschild schon aus, um den Rollstuhlfahrern das Leben leichter zu machen.
Und noch etwas haben die Schüler festgestellt, als sie für einen Tag in die Rolle eines Behinderten schlüpften. Hilfsbereitschaft ist keine Selbstverständlichkeit.

Wichtige Rolle bei der Initial-Sozialisierung

Zu Projekt Nummer zwei und dem Behinderten-Sportverband Niedersachsen: Die Idee dahinter ist, die Nachwuchsarbeit im Bereich Rollstuhlbasketball in ganz Niedersachsen zu fördern und weiter auszubauen. Kontakt aufgenommen hatte der Verband daher schon vor zwei Jahren mit zahlreichen Physiotherapie-Schulen, darunter auch die Schule für Physiotherapie in Seesen. Hier weckte der Behindertenverband aus Hannover das Interesse der Schulleitung und so wurde eine Kooperation fix gemacht.
Physiotherapeuten stehen qua Beruf im engen Kontakt zu Verletzten. Aus Sicht des Verbandes können sie daher eine sehr wichtige Rolle bei der Initial-Sozialisierung zum Behindertensport für Menschen mit einer Beeinträchtigung spielen. Sie können Menschen mit einer Behinderung den Weg zum Sport aufzeigen und werden somit zu „Sport-Sozialisierungs-Agenten“.
Ziel ist es, in Kooperationen mit niedersächsischen Physiotherapieschulen den Auszubildenden eine der beliebtesten Rollstuhlsportarten näher zu bringen und in die Ausbildung zu integrieren. Ein weiterführendes Ziel des Projekts ist es, die Teilnehmer für Sport für Menschen mit einer Behinderung zu sensibilisieren.
Konkret umfasste das Projekt in Seesen einen Theorieteil, in dem den angehenden Physiotherapeuten der Medizinischen Akademie Behindertensport allgemein und Rollstuhlbasektball im Speziellen vorgestellt wurden, sowie einen Praxisteil in der Grundschule an der Jahnstraße, bei dem die Auszubildenden in diesen Tagen den Sport Rollstuhlbasketball und seine Eigenheiten direkt ausprobieren und erfahren konnten.