Götz Alsmann und Band beim Seesener Kulturforum

  Man könnte es vielleicht sogar als eine Weltpremiere beschreiben, denn ein Früher gab es bisher nicht: Götz Alsmann, Pianist, Sänger und Entertainer, war zusammen mit seiner Band wieder einmal beim Seesener Kulturforum zu Gast. Das Publikum erlebte, wie bereits schon einmal vor zwei Jahren, die Vor-Premiere seines neuen Programms „Broadway“. So wird Alsmann dann noch bis in den November hinein weitere Vor-Premieren in anderen Städten setzen. Wenn er auch zwischendurch immer wieder als schalkhafter, ironischer, einfallsreicher Geschichtenfabulierer erscheint, so darf man ihm hier glauben: Seesen ist wirklich der vor-zügliche Ausgangspunkt des Broadways.

Der musikalische Weg vom letzten Bühnenaufeinhalt „In Paris“ über den großen Teich nach New York ist also vollzogen. Das Publikum durfte sich auf die klangvollen Namen von George Gershwin, Cole Porter, Jerome Kern, Roger & Hammerstein, Nat King Cole und anderen freuen.

Schon vor den ersten musikalischen Verlautbarungen entwickeln sich die staunend bewundert lächelnden „Ahs“ und „Ohs“, als die Musiker-Herren in knitterfreien rosafarbenen Jacketts und schnürsenkel-ähnlichen Schleifen über weißem Hemd und unter schwarz abgesetztem Jackenkragen die Bühne betreten.

„Tag für Tag sehne ich mich nach Dir“ heißt es zu Beginn. Jedes Lied wird eine träumerisch-sehnsuchtsvolle Liebeserklärung werden. „Es gab Glocken im Tal … und dann kamst Du.“ „Alles passiert immer mir“ ist Matt Dennis´ „Everything Happens to Me“ und in der Folge tischt Alsmann wieder ein Märchen auf, so über das Selfie mit einer toten Ratte.

Die Vorstellung der Musiker-Kollegen wird in einen Vergleich mit „My Fair Lady“ eingebaut: Rudi Marholz am Schlagzeug (Mr. Higgins) agiert neben Michael Ottomar Müller am E-Bass (Oberst Pickering), Alfred Maria Sicking an Xylo- und Metallophonen ist gut für Freddy und die Elisa spielt der Jüngste, Markus Passlick (Percussion). Sich selbst ordnet Chef Alsmann nicht ein. Aber später singt er am Steinway das passende Musical-Thema „Ich hätt´ getanzt heut Nacht.“

Alsmann ist als Conferencier Märchenerzähler mit kindlicher Phantasie und Klischee-Reporter, unglaublich, aber doch so traumhaft. Als Sänger ist er ironisch, stimmlich flexibel bis geräuschvoll, eher Erzähler denn Kantor. Seine Flügel-Betastungen sind verspielte Einwürfe, während die Füße unter der Klavier-Bank Cha-Cha tanzen möchten. Als Solist neben Alsmann bringt sich Alfred Maria Sicking am Vibraphon ein – ebenfalls virtuos. Markus Passlick mischt vielseitige Klangfarben und Hörbilder dazu.

Die Liedtexte, durchgängig deutsch, sind weitgehend in Vergessenheit geraten und werden von Alsmann wieder ins Bühnenlicht gezogen worden. Der Broadway ist ein schmaler Weg: In dieser Konstellation ist das Programm eine permanente Gratwanderung zwischen Jazz und Schlager. Die deutschen Texte, manchmal trivial-sentimental, gewinnen an Charme, wenn Alsmann sie präsentiert; die Musik dagegen entfernt sich vom Broadway. Die Instrumente – außer der bisweilen eingesetzten Sicking-Trompete – sind Klangkörper für eine breite Rhythm Section und immer wieder zucken des Götzens Füße in Richtung Mambo und Salsa. Wie wäre es zwischendurch mit einer Tanzstunde bei Fred Astaire? Die Off Beats von Markus Passlick sind gefühlt jazzig, aber auch die unaufgelösten Akkorde am Steinway-Flügel.

Das begeisterte Publikum beim Seesener Kulturforum erklatscht Zugaben. „Oh lass kein Weib an dich heran“ heißt es noch in der dritten Zugabe und doch gibt es danach weibliche Küsschen und eine große gelbe Rose für die Musiker.

Joachim Frassl