„Goslar wird nicht links liegen gelassen!“

Hans-Walter Pallinger (links) hatte am Donnerstag seinen letzten Arbeitstag als Agentur-Chef in Goslar. Harald Eitge (Mitte) ist nun neuer Gesamtgeschäftsführer der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar. Als Verbundgeschäftsstellenleiterin zumeist in Goslar vor Ort sein wird künftig Katrin Miehe-Scholz. (Foto: Knoblich)

Fusion mit Braunschweig: Agentur für Arbeit Goslar verliert ihre Eigenständigkeit / Pallinger geht in Ruhestand

Von Karsten Knoblich
Seesen/Goslar

Wer am gestrigen Freitag der Agentur für Arbeit in Goslar oder der Geschäftsstelle in Seesen einen Besuch abstatten wollte, der stand vor verschlossener Tür. Grund dafür war die notwendige Umstellung von EDV-Daten. Wie bereits berichtet, sind die Tage einer eigenständigen Agentur in Goslar nun vorbei. Ab 1. Oktober wird sie im Zuge der Fusion unter „Braunschweig-Goslar“ firmieren. Hintergrund ist die bundesweite Strukturreform der Bundesagentur für Arbeit. Ein neues Logo liegt auch schon in der Schublade.
Wenn sich am Montag die Türen in der Robert-Koch-Straße in Goslar wieder öffnen, dann wird der bisherige Vorsitzende der Geschäftsführung, Hans-Walter Pallinger, nicht mehr im Chefsessel sitzen. Der 63-Jährige geht in den Ruhestand. Mehr als 33 Jahre war der Bornhäuser bei der Bundesagentur für Arbeit tätig. Zunächst als Berufsberater für Abiturienten und Hochschüler in Goslar, dann in Göttingen unter anderem als Leiter der Arbeitsvermittlung und Geschäftsführer Operativ sowie zuletzt, seit 2007, wieder in Goslar als Vorsitzender der Geschäftsführung. Pallinger zum Rückzugszeitpunkt: „Das hat sicher auch mit der Zusammenlegung zu tun, war in meinem Lebensplan aber ohnehin so vorgesehen“. Nun will er sich die Zeit unter anderem mit einem Literaturstudium in Göttingen vertreiben. Mit Braunschweig als Partner habe man Glück gehabt. „Hier gibt es Verständnis allein schon durch die Nähe“, ist sich der scheidende Agenturchef sicher. Schon im Sommer habe man die Bande enger geknüpft. Seinem Nachfolger Harald Eitge (62), Geschäftsführer in Braunschweig, bescheinigte er, einen „tollen Job“ zu machen.
Und Eitge trat dann auch gleich energisch allen im Vorfeld geäußerten Gerüchten und Befürchtungen entgegen: „Weder wird eine Geschäftsstelle geschlossen, noch wird es auf absehbare Zeit einen Personalabbau geben“. Im Vorfeld hatte es großen Widerstand gegen die Aufgabe der Selbstständigkeit gegeben, insbesondere von Seiten des Verwaltungsausschusses der Goslarer Agentur. Dieser Ausschuss wird nun neu formiert. Von den insgesamt 15 Mitgliedern werden sechs die Interessen der Harz- und Vorharzregion vertreten.
„Unsere Kunden werden von der Zusammenlegung gar nichts merken“, sagt Katrin Miehe-Scholz. Die 48-Jährige wird künftig vorrangig in der Kreisstadt die Geschicke lenken und Harald Eitge hier als Verbundgeschäftsstellenleiterin zur Seite stehen. Unterstützt wird sie dabei von den Teamleitern in einigen Geschäftsstellen, in Seesen beispielsweise von Oliver Jahn. Damit soll signalisiert werden: „Goslar wird nicht links liegen gelassen“, wie Miehe-Scholz es formulierte. Jeder Kunde werde seinen Ansprechpartner behalten. „Auch bei der Bearbeitung der Anträge bleibt alles so, wie es ist“, ergänzte Harald Eitge. Die Antragsabgabe erfolge wie gewohnt vor Ort, und längere Bearbeitungszeiten werde es auch nicht geben. Eitge kündigte an, dass mit der Neuorganisation auch die Einführung der sogenannten E-Akte verbunden sei, also eine Art papierloses Büro bei der Leistungsgewährung.
Das Hauptaugenmerk wird künftig auf die Qualifizierung gelegt. „Wir haben einen Fachkräftebedarf ohne Ende“, machte Eitge deutlich. Die Betriebe sollen gemeinsam mit der Arbeitsagentur Talente entdecken und qualifizieren. Gleichzeitig müssten die Arbeitsvermittler bei den Arbeitslosen genauer hinschauen, um deren verborgene Fähigkeiten zu aktivieren und sie in den Markt zu bringen.