Grenze der ehrenamtlichen Leistungsfähigkeit

Lebenshilfe-Vorsitzender Hans-Werner Ohlsen, Geschäftsführer Bernward Steinkraus, Holger Genenger, Geschäftsführer eines Beratungsunternehmens aus Bremen (von rechts): Er präsentierte den Entwurf der neuen Satzung und brachte das Ergebnis über die Prüfung der Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ in die Versammlung ein. (Foto: Poerschke)

Lebenshilfe vor strukturellen und personellen Veränderungen – Satzungsentwurf nahm erste „Hürde“

Mitgliederversammlung bei der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen: Getragen von einer breiten Mehrheit nahm der Entwurf einer neuen Satzung jetzt die erste „Hürde“.

Für den 1. Vorsitzenden des Vereins, Hans-Werner Ohlsen, eine zukunftsweisende Vorentscheidung, wenngleich die endgültige Abstimmung über das grundlegend modifizierte Regelwerk erst Anfang kommenden Monats, und dann im Rahmen einer weiteren außerordentlichen Zusammenkunft der Mitglieder fallen wird.
Dieser Schritt, so verlautete zum Auftakt der Vorstellung und der sich anschließenden Diskussion, sei vor dem Hintergrund einer Entwicklung zu sehen, die vor nunmehr fast fünf Jahrzehnten aus kleinsten Anfängen heraus von betroffenen Eltern mit der Gründung der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ eingeläutet wurde. Mit einem Umsatz von zwischenzeitlich über fünf Millionen Euro, rund 140 Mitarbeitern sowie über 500 Menschen, die entweder direkt oder doch zumindest indirekt in den zahlreichen Einrichtungen betreut würden, habe sich die „Lebenshilfe“ nach den Worten von Hans-Werner Ohlsen zwischenzeitlich zu einem „Unternehmen“ und damit regionalen Wirtschaftsfaktor gemausert, dessen Struktur dringend einer zeitgemäßen Anpassung bedürfen würde.
Der 1. Vorsitzende, der in diesem Zusammenhang einräumte, dass der bis dato noch ehrenamtlich tätige Vorstand angesichts dieser Entwicklung die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit erreicht habe, und der zugleich die Notwendigkeit aufzeigte, die in den letzten Jahrzehnten nur einmal (und da nur in einem Punkt) modifizierte Satzung zu überarbeiten, ging schließlich auf eine Reihe von anstehenden strukturellen und personellen Veränderungen in der Vereinsführung ein, mit denen man sich bereits seit der letzten Jahreshauptversammlung sehr intensiv befasse, und die „nunmehr auf den Weg gebracht werden sollen und gebracht werden müssen“.
„Das Gebot der Stunde ist eine entschiedene Modernisierung sowie eine unserer Größe angepasste Satzungsänderung zur Zukunftssicherung der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen. Und dazu bedarf es dieser beiden außerordentlichen Mitgliederversammlungen“, ließ Ohlsen abschließend zu seinen Ausführungen die Teilnehmer an der Zusammenkunft wissen, um dann den Weg für die Präsentation des neuen Satzungsentwurfs frei zu machen.
Der nun sieht beispielsweise statt des bisherigen Vorstandes, der sich gegenwärtig noch aus dem 1. und 2. Vorsitzenden sowie dem Schriftführer und bis zu sechs weiteren Vorstandsmitgliedern rekrutiert, die Bestellung eines hauptamtlichen Allein-Vorstandes vor, der – die Ausschreibung der Position erfolgte übrigens bundesweit – von einem neunköpfigen Verwaltungsrat für die Dauer von höchstens fünf Jahren gewählt wird. Dieser Vorstand nun soll den Verein als Geschäftsführer künftig eigenverantwortlich leiten. Letzteres dabei in den wesentlichen Schlüsselbereichen in enger Abstimmung mit dem Verwaltungsrat.
Die neue Satzung soll darüber hinaus die Rechte und Pflichten des Allein-Vorstandes und die des Verwaltungsrates regeln, den Umfang der künftigen Kontrolltätigkeit des Verwaltungsrates gegenüber dem Allein-Vorstand festlegen, und der Bedeutung sowie dem hohen Stellenwert der jeweiligen Mitgliederversammlung als dem immerhin höchsten Beschlussgremium innerhalb des Vereins Rechnung tragen.
Mehr noch, wird mit der Ausarbeitung einer neuen Satzung doch zudem das Ziel verfolgt, die Aufgabenstellung der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ weiter noch denn in der Vergangenheit zu fassen. Und damit auch den sogenannten „Behindertenbegriff“ zu konkretisieren.
Zweck des Vereins, so heißt es in dem Entwurf, sei „die Bereitstellung und Förderung aller Maßnahmen und Einrichtungen, die einer wirksamen Lebenshilfe geistig, psychisch, körperlich und mehrfach Behinderter aller Altersstufen und deren Angehörigen, der Jugendhilfe, Erziehung, Volks- und Berufsbildung, dem öffentlichen Gesundheitswesen sowie dem Wohlfahrtswesen im weitesten Sinne dienen“. Und so erstreckt sich der entsprechende Katalog nicht von ungefähr nur auf die Einrichtung und den Betrieb von Schulen und Tagesbildungsstätten für behinderte und nicht behinderte Kinder und Jugendliche ebenso, wie auf den von Kindergärten, Wohnheimen und Wohngruppen, Werkstätten, Fördergruppen, Familien entlastende Dienste und Maßnahmen zur Früherkennung und Frühförderung, um nur einiges zu nennen.
Intensiv diskutiert – und immer wieder auch durchaus kritisch hinterfragt – passierte der Satzungsentwurf schließlich mehrheitlich die Mitgliederversammlung. Die endgültige Entscheidung dürfte allerdings erst am 3. Juli im Verlauf einer weiteren außerordentlichen Mitgliederversammlung fallen.