Grüne sind gegen vierspurigen Straßenring um den Harz

Mittelgebirge ist bereits bestens erschlossen / Kritik an Seesener CDU zum B82-Ausbau: „Geldverschwendung“

Die Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte der Harzregion tauschen sich seit über einem Jahr in der länderübergreifenden Initiative „Ein Harz“ aus. Als eines der dringlichsten Projekte hat sich dabei nun die Thematik „Vierspuriger Straßenring“ für den gesamten Harz herausgestellt.

Mit einer Erklärung sollen die Ministerpräsidenten sowie die Landtags- und Bundestagsabgeordneten der Bundesländer Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aufgefordert werden, sich für den Bau eines vierspurigen Straßenringes rund um den Harz einzusetzen. Konkret geht es um den vierspurigen Weiterbau der Bundesstraße 243n zwischen der Landesgrenze Niedersachsen/Thüringen und Nordhausen, den vierspurigen Lückenschluss der Bundesstraße 6 zwischen Goslar und Salzgitter und die Nordverlängerung der A71 von Sangerhausen zur A14.
Diesem Ansinnen können die Seesener Grünen nichts abge-winnen, da das nördlichste deutsche Mittelgebirge mit den Autobahnen 7, 38 und 395 sowie der Bundesstraße 6n bereits hervorragend aus allen Himmelsrichtungen erschlossen sei, erklärten Karl-Heinz Weidanz und Sven Ladwig auf ihrer letzten Fraktionssitzung übereinstimmend.
„Der Harz ist längst zu einer Verkehrsinsel degradiert worden“, sagt auch Joachim Stuffel, umweltpolitischer Sprecher der Seesener Grünen. „Gerade der Straßenring mit der Harzschnellstraße Seesen-Osterode, der A7 und den Bundesstraßen 66 und 82 kesselt Menschen und Tiere unserer Region fast völlig ein“, so Stuffel weiter. Landwirtschaftliche Fahrzeuge, Autos oder Fußgänger benötigen zudem viele kostspielige Brücken oder Tunnel, um diese Straßen überqueren zu können. Wildtiere kommen meist gar nicht lebend über diese Straßen.
Reales Beispiel sei die B6n, die bis über Wernigerode hinaus mit einem Wildschutzzaun ausgestattet werden musste. Der lebenswichtige Genaustausch von Tieren, sprich das Überwechseln von Hirsch, Wildkatze oder Luchs in andere Naturräume sei dadurch fast völlig unterbunden. Erst im vergangenen Jahr wurde bei der Seesener Schlackenmühle ein großer Biber überfahren. Das Tier hätte vielleicht die Nette besiedelt und dort seine Dämme gebaut.
Ein weiteres Beispiel ist die Erweiterung der A7 auf sechs Fahrspuren: um jeden Tunnel musste gerungen werden, damit die Landwirte weiter ihre Felder bewirtschaften können. Außerdem entstehen bei solchen Straßenbaumaßnahmen hohe Kosten für Lärmschutzwände und Ausgleichsmaßnahmen. Entsprechende Flächen, die als Ersatz für die von Asphalt versiegelten Straßen dienen, kann die Landwirtschaft heute kaum noch abgeben. Darüber hinaus trägt die zusätzliche Versiegelung zu einer Verschärfung der Hochwassersituation bei!
Absehbar ist, dass der Straßenausbau als beste Wirtschaftsförderung verkauft werden soll. Mit einem weiteren Straßenausbau wird die Ansiedlung neuer Unternehmen herbei-phantasiert. Dies ist bisher allerdings reines Wunschdenken, ein Konzept für eine schrumpfende Region ist es nicht. Zum Straßenbau hinzu kämen erheblichen Unterhaltungskosten, die von immer weniger Menschen getragen werden müssten. Selbst wenn der Straßenausbau durch eine sogenannte Öffentliche-Private-Partnerschaft (ÖPP) gebaut würde, wäre dies kein Garant für einen wirtschaftlichen Impuls. Im schlechtesten Fall würden dadurch sogar Arbeitsplätze gefährdet, so wie es zum Beispiel an der Autobahnmeisterei Sessen deutlich werde.
An verkehrspolitische Größenwahnprojekten wie Stuttgart 21, Flughafen Berlin und so weiter mangele es in Deutschland nicht. Da erstaune es zusätzlich, dass die Seesener CDU mal wieder den weiteren Ausbau der B82 zwischen Rhüden und Langelsheim fordert, einer Straße, die gerade erst zwischen Rhüden und Hahausen neu asphaltiert wurde.
Aus Sicht der Ratsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen reine Geldverschwendung, zumal es auf dieser Strecke so gut wie nie zu nennenswerten Verzögerungen kommt.
Letztlich stehen Finanzmittel, die für den Straßenbau ausge-geben werden, nicht mehr der Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs zur Verfügung. Hier wäre eine Erklärung der Bürgermeister und Landräte wünschenswert, die dessen Ausbau und zum Beispiel eine Stärkung des Schienenverkehrs mit ordentlichen Zügen und Verbindungen nach Göttingen, Hannover und Braunschweig, einen Ausbau des Gütertransports sowie die Elektrifizierung der Strecken fordert.