Guten Getreidepreisen stehen steigende Futterkosten gegenüber

Vorsitzender Gerhard Kolle ging auf die Marktsituation und den A 7-Ausbau ein.
 
Die Landwirte aus dem Gemeindeverband Seesen informierten sich über anstehende Neuerungen.

Gemeindeverbandsversammlung des Landvolks / Gerhard Kolle und Harald Wagenschieber in Ämtern bestätigt

Traditionell in der zweiten Woche eines neuen Jahres treffen sich die Bauern des Landvolkgemeindeverbandes Seesen zu ihrer jährlichen Sitzung. Vorsitzender Gerhard Kolle konnte neben dem Landtagsabgeordneten Rudolf Götz und Seesens Bürgermeister Erik Homann auch die Vertreter des Landhandels, der Landwirtschaftskammer und den Geschäftsführer des Verbandes, Kurt Hübner, sowie den Bezirksvorsitzenden Jürgen Hirschfeld begrüßen.
In seinen einführenden Worten ging Gerhard Kolle auf die derzeitige Marktsituation ein. Er zeigte sich erfreut über die aktuellen Getreidepreise, die den Ackerbauern ein gutes Einkommen sicherten. „Die Kehrseite der Medaille sind dabei dann die gestiegenen Futterkosten für die viehhaltenden Betriebe; hier ist eine vermehrte Produktionsaufgabe festzustellen“, sagte Kolle. So stellten in 2012 allein fünf Prozent der Milchviehhalter in der Bundesrepublik ihre Produktion ein. Auch drei Prozent der Schweinemäster und vier Prozent der Sauenhalter gaben ihre Betriebe auf.
Der Ausbau der A 7 wird von den hiesigen Landwirten als notwendig angesehen und ausdrücklich begrüßt. Bezirksvorsitzender Jürgen Hirschfeld hierzu: „Der damit einhergehende Flächenverbrauch und hier insbesondere der Verlust von Ländereien für die notwendigen Kompensationsmaßnahmen sind jedoch unerträglich“. Die Kompensationsverordnung sieht ausdrücklich die Möglichkeit der finanziellen Abgeltung vor, sie kommt jedoch zu wenig zur Anwendung. Gerhard Kolle gab dem Landtagsabgeordneten auch Lösungsvorschläge mit auf den Weg, die in der Beseitigung von Industriebrachen, dem Abriss von Leerständen in strukturschwachen Regionen oder der Entsiegelung alter, nicht mehr benötigter Verkehrswege liegen könnten. Ein täglicher Flächenverbrauch von 90 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche sei nicht zu akzeptieren.
Rudolf Götz bedankte sich für die Anregungen und versprach, auch weiterhin mit den Landwirten in engem Kontakt zu bleiben.
Auch Bürgermeister Erik Homann lobte in seinem Grußwort die stets konstruktive Zusammenarbeit mit den Landwirten. Homann: „Ich mag ihre Streitkultur“. Er stellte das neue Gewerbegebietskonzept der Stadt vor. Auch die Ausweisung von Windenergiestandorten und der geplante Bau der Photovoltaikanlage im Meerpumpenkamp wurde vom Bürgermeister vorgestellt.
Im Anschluss an die sehr lebhafte Diskussion zu Beginn der Veranstaltung, erfuhren die Anwesenden im weiteren Verlauf von den Neuerungen bei der landwirtschaftlichen Sozialversicherung, der Düngeverordnung und dem geänderten Realverbandsgesetz. Geschäftsführer Kurt Hübner sprach auch die geplante Änderung des Bundesjagdschutzgesetzes an, welches noch zu heftigen Diskussionen in den Revieren führen dürfte.
Jürgen Hirschfeld holte an diesem Morgen zum agrarpolitischen Rundumschlag aus. Die bevorstehende GAP-Reform (Gemeinsame Agrarpolitik) wird nach seiner Auskunft erhebliche Einschnitte für die niedersächsischen Landwirte mit sich bringen. Es werde zu einem veränderten Verteilungsschlüssel in der EU kommen. Das System der Zahlungsansprüche, wie es in der Bundesrepublik Bestand habe, werde vermutlich für die gesamte Gemeinschaft eingeführt.
Zum Ende der Versammlung stand die Wahl des Gemeindeverbandsvorsitzenden und seines Stellvertreters auf der Tagesordnung. Hier entschieden sich die Anwesenden für die Wiederwahl des Vorsitzenden Gerhard Kolle und seines Stellvertreters Harald Wagenschieber.