Haben Enten im Winter keine kalten Füße?

Höckerschwan und Blessralle auf einem zugefrorenen See. (Foto: Walter Wimmer)

Wichtig ist, die Tiere nicht aufzuscheuchen, damit sie nicht zusätzlich Reserven verbrauchen

Seesen (bo). Wenn die Gewässer zufrieren, sieht man immer wieder einzelne Schwäne oder Enten, die unbeweglich auf dem Eis sitzen, um Energie zu sparen. Besorgte Beobachter denken dann, dass diese Tiere festgefroren sind und alarmieren oft den Naturschutzbund (NABU) oder die Feuerwehr.
„In der Regel frieren die Tiere aber nicht fest, sondern sitzen nur – auch auf dem Eis – ganz still, um Energie zu sparen“, erklärt Walter Wimmer, NABU-Regionalgeschäftsführer. „Wichtiger als vermeintliche Rettungsversuche, ist es dann, die Tiere nicht aufzuscheuchen, damit sie nicht zusätzlich Reserven verbrauchen“, fährt der Biologe fort. Spaziergänger sollten also sich und ihre Hunde zurückhalten.

Haben Enten und Schwäne
dann keine kalten Füße?

Doch, haben sie. Und genau das ist ihr Trick. Die Natur hat sich für die Vögel eigens ein „Wundernetz“, das Rete tibiotarsale, ausgedacht. Dieser Bereich fein verzweigter Adern im Bein dient dem Wärmeaustausch. Hier gibt das fußwärts fließende Blut Wärme an das körperwärts fließende Blut ab. So bleiben die Füße kalt und es wird wertvolle Energie gespart. Das hilft, die Nahrungsknappheit, das wirkliche Problem im Winter, zu überstehen. Dieses Wundernetz kann bei drohender Überhitzung des Körpers auch abgeschaltet werden. Dann wird überschüssige Wärme über die Füße abgegeben und die Körpertemperatur heruntergeregelt. Auch das ist durchaus sinnvoll, denn im Gegensatz zu uns nahezu nackten Menschen können Vögel nicht Schwitzen. Dabei würde ihr Gefieder verkleben und nicht mehr ausreichend isolieren. Diese Isolation nutzen die Tiere aber wenn sie sich dick aufplustern. Wir brauchen die heimischen Vögel im Winter also keineswegs wegen ihrer kalten Füße zu bedauern, solange sie ausreichend natürliche Nahrung und Ruhe finden.