Härter die Glocken nie klingen

Erst zu späterer Stunde ließ sich das Publikum vor die Bühne locken – dafür waren es dann aber auch nicht mehr zu bremsen.
 
Nach mittlerweile acht Alben und einer langjährigen Pause befindet sich Terry Hoax wieder auf der Bühne – und zwar frisch wie am ersten Tag.

Musicpoint feiert 25-jähriges Jubiläum des Christmas Rock mit zahlreichen Freunden und Gästen / Ein Konzert, das seinesgleichen sucht

Wer sich vor den besinnlichen Tagen nochmal die Gehörgänge kräftig durchpusten lassen wollte, hatte hierzu die Gelegenheit beim Christmas Rock. Feste und Jubiläen soll man ja bekanntlich feiern, wie sie fallen – und genau das taten die Verantwortlichen des Musicpoint Seesen in diesem Jahr bei ihrem Christmas Rock, der sich am vergangenen Samstag zum 25. Mal jährte.
Das Line-up zum Jubiläum konnte sich mehr als sehen lassen: Den Auftakt bestritten „Ufoporno“, ein neuer Stern am Punk-Rock-Himmel, der mit unkonventionellen Texten und viel Wortwitz bereits zu Beginn für eine Menge Spaß sorgte. Weiter ging es nur wenig später mit den fünf Musikern von Faithful Enemy. Rebellisch, emotional und direkt musizieren sie seit knapp zwei Jahren und sind mit Leib und Seele dabei. Das bewiesen sie beim Christmas Rock einmal mehr, als sie selbst einen der knapp 50 Kilogramm schweren Soundtower zum Kippen brachten. Glücklicher Weise kam dabei aber niemand zu schaden – lediglich die Box musste im Handumdrehen ausgetauscht werden. Für das eingespielte Orga-Team des MPS war aber auch dieser Zwischenfall kein Problem. Nach einer kurzen Umbauphase durften die Gäste aus Osterode die Besucher wieder vor die Bühne „zerren“ und weiterspielen.
Nicht bloß ins Holz, sondern auch kräftig in die Instrumente hackte Lumberjack. In der aktuellen Besetzung hat sich die Band aus Clausthal-Zellerfeld nach etlichen Jahren Bühnenabstinenz wieder zusammengefunden und spielt eine explosive Mischung aus Southern Rock und Heavy Metal. Im Vordergrund stehen neben Dirk (Ducki) Schuberts markantem Gesang immer wieder eingängige Gitarrenriffs, treibende Bässe, die mit den knallharten Drums verschmelzen und nicht zuletzt: die Motorsäge, die natürlich auch bei dem Auftritt in Seesen nicht fehlen durfte und für den typischen Lumberjack-Geruch in der Aula sorgte: Benzin.
Danach sorgten Zeppelin rund um Frontmann Ulf Hachmeister mit ehrlichem, deutschsprachigen Rock – wie schon bei vielen Konzerten zuvor – für eine ausgelassene Stimmung. Der Headliner des Abends, Terry Hoax, verwandelten die Aula mit gekonnt umgesetztem Alternative Rock in ein amtliches Rockspektakel. Die fünf Männer um den charismatischen Sänger Oliver Perau blicken auf eine lange Bandgeschichte zurück. Die Anfänge verbrachte die Band in dunklen Hannoveraner Kneipen und in den Folgejahren haben sie sich zu einer eigenständigen Rockgröße entwickelt. Mit ihrem ehrlichen, handgemachten und gradlinigen Rock tourten sie lange Jahre quer durch Deutschland. Nach mittlerweile acht Alben und einer langjährigen Pause befinden sich die Jungs wieder auf der Bühne – frisch wie am ersten Tag. Und das ließen sie auch das Seesener Publikum spühren, denn die „lockere“ Hüfte von Frontman Perau ließ so manch weiblichen Gast näher vor die Bühen treten.
Somit war die größte Schwierigkeit des Abends, die Gäste auch in die ersten Reihe zu bekommen, bewältigt. Die Stimmung war gelöst und die Besucher fieberten dem Höhepunkt des Abends entgegen: Als Special-Guest gaben die lokalen Metal-Urgesteine Bedevilment, Don’t und Loraine ein exklusives ein Reunion-Konzert. Jede Band spielte dirket hintereinander drei Songs – Viktor Holzberger, Mitglied in allen drei Bands, beschrieb das Finale liebevoll als das „Triple des Todes“.
Insgesamt war das 25-jährige Jubiläum des Christmas Rocks ein voller Erfolg. Das Programm stimmte und die Bands übertrafen sich an diesem Abend selbst. Und auch wenn sich der Musicpoint Seesen mit den Besucherzahlen zufrieden zeigt, hätte dieser Abend, der inzwischen wohl guten Rechts als traditionell bezeichnet werden kann, durchaus mehr Besucher verdient.