Hannover 96 aus dem Dornröschenschlaf geholt

Kind bei einem Vortrag über seine Tätigkeiten bei 96.
 
Hannover 96 Präsident Martin Kind (mitte) mit einem Portrait gezeichnet von Gerd Peter Zeuch (links) und Lions-Club Präsident Dietmar Kelm (rechts).

Vor dem Spiel gegen Atletico Madrid sprach Präsident Martin Kind beim Lions-Club in Seesen

Seesen (uk). Dass er sich auf schwieriges Terrain begeben würde, hatte er geahnt. Doch die Leute, die ihn 1997 überzeugten, Präsident von Hannover 96 zu werden, sagten, das sei alles nicht so schwierig. Man müsse einfach ein paar gute Entscheidungen treffen, dann stelle sich der Erfolg ein. Eine kindliche Vorstellung.
15 Jahre später muss Kind zugeben: Sportlich hat Hannover 96 die Ziele zwar erreicht, wirtschaftlich bisher trotz aller Erfolge noch nicht ganz. Sein Fehler war zu glauben, dass man im Fußball Entscheidungen mit unternehmerischer Vernunft treffen kann. Aber er hatte den Markt zunächst falsch eingeschätzt. Es gibt keinerlei Planungssicherheit in der Fußball-Bundesliga, nach der Saison fängt man immer wieder bei Null an. Und Fußball ist ein öffentliches Thema.
Die Erwartungen sind hoch, ein Abstieg wird von der Öffentlichkeit und der Presse nicht akzeptiert. Also wechselt man den Trainer, kauft neue Spieler und kann die Haushaltsplanung in den Papierkorb werfen. Martin Kind, Präsident von Hannover 96 sprach am Montagabend im „Goldenen Löwen“vor Mitgliedern des Lions-Clubs Bad Gandersheim-Seesen über seine Tätigkeit bei Hannover 96. Aktuell befinden sich die „Roten“ imHöhenflug. Morgen Abend geht es im Viertelfinale der Europa League gegen Atletico Madrid. Nach dem 1:2 im Hinspiel hat 96 noch alle Chancen.
Doch nicht allein das Sportliche war es, was die Zuhörer beim rund einstündigen Vortrag fesselte. Der Unternehmer (Kind Hörgeräte) verstand es, den Interessierten deutlich zu machen, was es bedeute, einen Fußballverein wie Hannover 96 zu führen.Aus der Regionalliga hinaus in die 2. Bundesliga und 2002 in die 1. Bundesliga führte der Weg des Traditionsvereins, der lange im Dornröschenschlaf schlummerte. Aus diesem hat ihn Martin Kind erweckt. „Es gibt sicherlich nicht noch einmal so einenIdioten wie mich“, meinte Kind sarkastisch mit Blick auf seinen Job in Hannover. Die Arbeit hat sich indes gelohnt. Marketingstrategisch gesprochen gehört Hannover 96 noch immer nur zu den regionalen Marken, im Gegensatz zu Vereinen wie demHSV beispielsweise, der als bundesweite Marke zu sehen ist, und im Gegensatz zu BayernMünchen, der als einziger Verein als Global Player zu betrachten sei. Ob Stadionneubau, Ausgliederung des Vereins in eine Kapitalgesellschaft oderVertragslaufzeiten und Ablösesummen – was Kind zu berichten hatte, hatte Hand und Fuß und es scheint, als ob hier ein Mann mit Augenmaß und dem richtigen „Know how“ arbeitet. Gradlinig, kompromisslos und erfolgsorientiert. So präsentierte sich der Präsident den Mitgliedern des Lions Clubs. Die durften natürlich auch Fragen stellen.
Man habe den Eindruck, Trainer Slomka und Manager Schmadtke arbeiten gut zusammen“, befand beispielsweise Lions-Präsident Dietmar Kelm. „Das kann ich so nicht bestätigen“, erwiderte der Vereinsboss und machte keinen Hehl daraus, dass es trotz aller Erfolge auch Konflitkpotenzial gibt. Das dürfte aber – zumindest heute – zweitrangig sein. Denn heute geht es um den vielleicht größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. „Worauf er denn seinen Tipp im Wettbüro abgeben sollte“, wollte abschließend ein Gast wissen. „Wir gewinnen 1:0!“ gab sich Kind optimistisch. Dieses Ergebnis wünschten sich auch die Lions-Club-Mitglieder. Präsident Dietmar Kelm bedankte sich mit einem von Gerd Peter Zeuch gefertigtem Portrait sowie einem Film über Seesen für denVortragsabend.