Harz hat den höchsten Krankenstand im Land

Durch Stress im Beruf kann es zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen kommen. Auch Herzinfarkte sind schon längst keine Managerkrankheit mehr. (Foto: Gerd Altmann / pixelio.de)

Gesundheitsreport: Deutlich mehr Atemwegserkrankungen – Stress im Beruf erhöht Herzinfarkt-Risiko

Der Krankenstand im Harz ist 2011 deutlich gestiegen. Das geht aus dem Gesundheitsreport hervor, den die DAK jetzt vorlegte. Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen nahmen demnach um 0,3 Prozent zu, während sie in Niedersachsen insgesamt um 0,2 Prozentpunkte stiegen. Mit 3,8 Prozent hatte die Region damit gemeinsam mit Hildesheim und der Region zwischen Elbe und Weser den höchsten Krankenstand im Land. Damit waren an jedem Tag des Jahres von 1000 DAK-versicherten Arbeitnehmern 38 krankgeschrieben. Der niedrigste Wert wurde mit jeweils 3,5 Prozent in der Grafschaft Bentheim und im Osnabrücker Land verzeichnet.
Wie aus dem aktuellen Gesundheitsreport für den Harz weiter hervorgeht, erhöhten sich im Vergleich zum Vorjahr bei fast allen Diagnosen die Ausfalltage. Den deutlichsten Anstieg gab es bei den Atemwegserkrankungen wie Bronchitis und Sinusitis mit 22 Prozent. Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen blieben die häufigste Krankheitsursache, auch hier nahmen die Krankschreibungen um 15 Prozent zu. Einen leichten Rückgang von 6,6 Prozent gab es hingegen bei den Ausfalltagen aufgrund von Erkrankungen des Verdauungssystems.
„Die Höhe des Krankenstandes in der Region zeigt Handlungsbedarf auf“, kommentierte Rüdiger Kurs von der DAK-Gesundheit die Ergebnisse. „Gesund leben und arbeiten gehören eng zusammen. Im Alltag ist es wichtig, dass sich die Menschen richtig ernähren, entspannen und bewegen. Die Arbeitgeber können über ein Gesundheitsmanagement den Krankenstand im Unternehmen beeinflussen. Aktuelle Studien zeigen, wie gezielte Rücken- oder Anti-Stress-Kurse positiv wirken.“
Einen besonderen Akzent setzt die Krankenkasse 2012 mit einer neuen Aufklärungskampagne: Im Beruf lauern bislang unbekannte Risikofaktoren für einen Herzinfarkt. Nach aktuellen Gesundheitsstatistiken ist der Infarkt die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. In Niedersachsen verstarben im Jahr 2010 insgesamt 6038 Personen an einem Herzinfarkt. Bislang wurden zur Vorbeugung vor allem die klassischen Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck oder Übergewicht beachtet. Der neue DAK-Gesundheitsreport zeigt dagegen auf, dass auch Stress und Frust im Beruf das Infarkt-Risiko deutlich erhöhen können. „Herzinfarkte sind schon lange keine Managerkrankheit mehr“, sagt Kurs.
Nach einer repräsentativen Untersuchung leiden in Niedersachsen 9,7 Prozent der Berufstätigen an einer sogenannten beruflichen Gratifikationskrise. „Die Menschen haben Stress im Job, weil sie sich für ihre Anstrengungen im Beruf nicht ausreichend belohnt fühlen“, erklärt Rüdiger Kurs. Dadurch verdoppele sich bei den Betroffenen das Risiko für eine schwere Herzerkrankung. Während bundesweit vor allem Facharbeiter und Arbeiter an dieser Krise litten, seien Selbstständige und Freiberufler nur selten betroffen.
Bei der Belohung spielen vor allem das Gehalt, die Anerkennung durch Vorgesetzte und ein sicherer Arbeitsplatz eine wichtige Rolle. Als Belastungen werden Zeitdruck, Störungen und vermehrtes Arbeitsvolumen genannt. Sind erlebte Belastungen und Belohnungen nicht mehr ausgeglichen, sprechen Experten von „Gratifikationskrise“. Jeder zweite Betroffene schätzt auch seinen Gesundheitszustand als schlechter ein. Tatsächlich leiden die Personen häufiger unter Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit.
„Obwohl diese sehr gestressten Arbeitnehmer ihr erhöhtes Gefährdungspotential kennen, kümmern sie sich nicht stärker um ihre Gesundheit“, betont Kurs. „Hier sollten Unternehmen mit ihrem betrieblichen Gesundheitsmanagement ansetzen, um die Betroffenen zu unterstützen.“ Empfohlen werden den Arbeitnehmern außerdem neue Internetangebote zur Entspannung und zur besseren Bewältigung des Alltags.