Harztour hat lettische Gäste überwältigt

Mit Dolmetscherin an seiner Seite: Kurt Hoppe bei der Begrüßung. (Foto: Neuse)
 
Mit Dolmetscherin an seiner Seite: Kurt Hoppe bei der Begrüßung. (Foto: Neuse)

Kirchliche Lettlandhilfe lässt 22 Jahre Partnerschaft Revue passieren / „Angst vor russischem Nachbarn immer präsent“

„Anstrengend war es hier und da schon, aber es hat allen Beteiligten großen Spaß gemacht und war daher alle Mühen wert“. Der 1. Vorsitzende der Kirchlichen Lettlandhilfe Seesen, Pastor i. R. Kurt Hoppe, zog ein überaus positives Fazit des Besuchs einer 24-köpfigen Reisegruppe aus der lettischen Partnergemeinde Rauna. Auf der Seite der Gäste dürfte die Bilanz ähnlich ausgefallen sein. Eine Woche voller großartiger Erlebnisse und Eindrücke liegt hinter ihnen. Auch die Angst vor den gefürchteten Sprachbarrieren erwies sich letztlich als unbegründet. „Schließlich haben wir uns in Rauna ja auch prima verständigen können“, meinte Kurt Hoppe im Verlauf des großen Abschluss- und Informationsabends im Seesener Kirchenzentrum.

Außerdem stand stets eine Dolmetscherin bereit. Besonders freute sich Hoppe zudem über die ausgewogene Altersstruktur der Besucher; schließlich war die jüngste Teilnehmerin gerade einmal ein Jahr alt, während die älteste Mitreisende bereits das 84. Lebensjahr vollendet hatte.
Während des Aufenthaltes in Seesen absolvierten die Gäste ein erlebnis- und abwechslungsreiches Programm. Und eines zum Staunen. War schon der Abstecher in die altehrwürdige Kaiserstadt Goslar ein Erlebnis, so hinterließ die Tour durch den Harz erst recht einen bleibenden Eindruck. „Wenn man aus einem Land, dessen größte Erhebung gerade einmal die 100-Meter-Marke schafft, in den Harz kommt, dann hauen einen die Berge förmlich um“, fasste Kurt Hoppe die Reaktion der Letten zusammen. Hahnenklee, Clausthal-Zellerfeld und Zorge waren Stationen der Fahrt. Pfarrer Christian Tegtmeier (Kirchberg) hatte dabei die „Reiseleitung“ übernommen.
Am Ende des Tages traf man sich am Dorfgemeinschaftshaus in Kirchberg zu einem geselligen Grillabend. Bei aller Fröhlichkeit gab es in einzelnen intensiven Gesprächen auch besorgte Töne. Kurt Hoppe: „Man merkt den Letten an, dass sie mit Blick auf die jüngsten Vorkommnisse in der Ukraine alarmiert sind“. Dass Russland bei der Annektion der Krim freie Hand gelassen wurde und niemand eingeschritten sei, verstärke im kleinen Lettland – NATO-Mitgliedschaft hin oder her – nur noch die Angst vor dem mit den Muskeln spielenden großen Nachbarn.
Zumindest für kurze Zeit vergessen waren diese Sorgen am letzten programmbeladenen Aufenthaltstag. Der war neben einem Stadtbummel geprägt von einem Empfang durch Bürgermeister Erik Homann im Rathaus, von einem gemeinsamen Mittagessen im Alten- und Pflegezentrum St. Vitus samt Hausführung sowie einem für die Gäste beeindruckenden Abstecher zu den Asklepios Kliniken Schildautal. Hier musste Kurt Hoppe sogar selbst als Demonstrationsobjekt bei einem Herz-Ultraschall herhalten.
Einen weiteren Höhepunkt bildete der große Informationsabend im Kirchenzentrum, der zugleich Abschlussveranstaltung war. Kurt Hoppe konnte sich dabei über einen regen Besuch freuen. Neben Mitgliedern und Unterstützern hatten auch interessierte Bürgerinnen und Bürger den Weg gefunden, um gemeinsam mit der Kirchlichen Lettlandhilfe die 22 Jahre währende Partnerschaft mit Rauna in Bildern und Berichten Revue passieren zu lassen. Nicht selten wurden da Fotos in „Vorher-Nachher“-Manier gezeigt. Sie legten ein eindrucksvolles Zeugnis davon ab, wie dringend nötig und vor allen Dingen willkommen die Hilfe aus Seesen war. Klar, dass einige Bilder, wie eine fröhliche Polonaise, auch für heitere Momente sorgte. Während Kurt Hoppe und Dieter Neuse vornehmlich über die Hilfstransporte, die Posaunenexkursionen und die Arbeiten in Gemeindehaus und Pensionat berichteten, gab Renate Hoppe Einblicke in den Laden von Menschen für Menschen. Die Vorsitzende der Stiftung der evangelisch-lutherischen Gemeinde Rauna – Diakonisches Zentrum, Anita Lubuze, wiederum hatte es übernommen, die Altentagesstätte vorzustellen. Zusätzlichen Schwung in die Veranstaltung brachte die Seesener Skiffleband „Quasimodo Knöterich“. Zu den stimmungsvollen, flotten Songs wurde fleißig mitgewippt und -geklatscht. Und es zeigte sich wieder einmal, dass Musik ein ganz besonders völkerverbindendes Element ist. Nicht unerwähnt bleiben darf die eigens für diesen Informationsabend auf die Beine gestellte Ausstellung von selbst hergestellten Töpferwaren und Textilien aus Rauna. Schon vor dem offiziellen Beginn waren hier einige Tonkrüge und bunte Flickenteppiche über den „Ladentisch“ gegangen.
Lange wird es nicht dauern, bis es ein Wiedersehen gibt. „Vom 28. Juli bis 4. August findet schließlich schon die Gemeinde-Studienfahrt nach Rauna statt“, sagt Kurt Hoppe, dem trotz der damit verbundenen Reisestrapazen die Vorfreude anzumerken ist.