Haschischverkauf auf die leichte Schulter genommen

25-jährige Langelsheimerin wird zu Bewährungsstrafe verurteilt – Dealer verraten – Tränen im Gerichstsaal

Kann man mit einer Drogendealerin Mitleid haben? Im Fall der 25-jährigen Langelsheimerin, die sich amDienstag vor dem Amtsgericht inSeesen zu verantworten hatte, konnte man zumindest das Gefühl haben, dass hier eine junge und naive Frau in die Drogen- und Dealerszene geraten war, ohne zu wissen, welche strafrechtlichen Konsequenzen das nach sich ziehen könnte.
Wegen unerlaubten Erwerbs in Tateinheit mit unerlaubtem Handel mit Betäubungsmitteln wurde die Langelsheimerin zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist. Zusätzlich muss die Frau alle drei Monate zum Urintest, um nachzuweisen, dass sie „clean“ ist, und sie bekommt einenBewährungshelfer zur Seite gestellt.
Die Geschichte begann recht harmlos: Vor rund zwei Jahren hatte die Verkäuferin – wie das viele junge Menschen im Laufe ihres Lebens einmal tun – erstmals einen Joint geraucht. Die Wirkung gefiel ihr und so ließ sie auch fortan nicht die Finger vom Haschisch. Ab Sommer 2010 wurde aus der Konsumentin dann eine Dealerin, die ihren Bekanntenkreis und ihren Lebensgefährten mit Rauschgift versorgte, dass sie wiederum von einem Mann aus Wolfshagen erhalten hatte.
Aufgeflogen war schließlich alles im September 2011, als die Polizei bei einer Hausdurchsuchung stattliche 231 Gramm Haschisch, Marihuana und Amphetamine sowie dazugehörige Utensilien (unter anderem eine Feinwaage) sicherstellte. Ab diesem Zeitpunkt wurde es brenzlig für die junge Frau.
In den weiteren Ermittlungen nannte sie den Namen des Dealers. Eine Aussage, die das Gericht als positiv wertete. Gegen den mutmaßlichen Drogenhändler, der immer mit einem dunklen Audi A8 durch die Gegend kurvte, wird nun ebenfalls ermittelt. Die Namen ihrer Kunden gab sie indes nicht preis, auch weil sie Angst hat, „was dann passieren könnte“, so die 25-Jährige, die im Gerichtssaal mehrfach in Tränen ausbrach und einen großen Stapel Taschentücher aufbrauchte. Außerdem habe sie die „Scheiße gebaut“ und nicht ihre Kunden.
Als „echte“ Drogendealerin betrachtete sie sich selbst nicht, sie habe ja auch kaum damit etwas verdient. Die Staatsanwalt hatte indes errechnet, dass sie 10.110 Euro erwirtschaftet hätte – eine erkleckliche Summe. „So viel war das aber nicht,“ erwiderte die Angeklagte, die angab, sich von dem Geld vielleicht mal einen schicken Pullover und ein Handy geleistet zu haben. Ansonsten sei auch einiges für ihren eigenenDrogenkonsum draufgegangen.
Seitdem sie aufgeflogen sei, habe sie die Finger von dem Zeug gelassen. Daher brauche sie auch keine Suchttherapie, die die Staatsanwaltschaft vorgeschlagen hatte.
Ihre Eltern, die aus allen Wolken fielen, als sie nach der Durchsuchung von den Drogengeschichten erfuhren, ständen dennoch hinter ihr. Ihr Vater wolle ihr helfen, aus der Sache rauszukommen, erklärte die Frau.
Unbillige Härte nennen Juristen den Umstand, dass die Frau die rund 10.000 Euro, die sie mit den Drogen verdient haben soll, an Strafe bezahlen muss, erlassen bekommt. Die Bäckereifachverkäuferin gab ihr Netto-Gehalt mit rund 800 bis 900 Euro an. Sie zahle Kostgeld und einenAutokredit ab. Zum Leben bleiben ihr da gerade noch 500 Euro. Daher sah Richter Frank Rüger davon ab, die Frau auch noch zu einer Geldstrafe zu verdonnern. Ob die Staatsanwaltschaft im Landgericht Braunschweig deswegen in Berufung gehen könnte, hielt Rüger nicht für ausgeschlossen.
Er warnte die junge Frau eindringlich davor, noch einmal mit Drogen in Kontakt zu kommen. Dann würde sie in die JVA nach Vechta wandern, und das hätte für ihr zukünftiges Leben sicherlich weitreichendere Folgen als eine Strafe, die zur Bewährung ausgesetzt ist.
Zugute gehalten wurde der Angeklagten, dass sie einer geregelten Arbeit nachgeht und noch nicht straffällig geworden war. Außerdem hatte sie ihren Dealer„ans Messer geliefert“, was unüblich sei, so Rüger. Falls sie unter Druck gesetzt werde, solle sie sich sofort an die Polizei wenden, meinte der Richter zur Angeklagten, die erleichtert schien, dass sie nicht hinter Gitter muss. Die Verhandlung wird ihr überdies vor Augen geführt haben: Drogenhandel ist kein Kavaliersdelikt.