Herzschwäche kann jeden treffen

Prof. Dr. Jan R. Ortlepp.

Prof. Jan R. Ortlepp informiert vor mehr als 70 Zuhörern im Bürgerhaus über Diagnose, Vorbeugung und Therapie

Prof. Dr. med. Jan R. Ortlepp, Ärztlicher Direktor der Asklepios Kliniken Schildautal, und Rüdiger Kurs, Geschäftsstellenleiter der DAK-Gesundheit Seesen, hatten im Rahmen der Herzwochen zum Thema Herzinsuffizienz eingeladen. Vor über 70 interessierten Zuhörern berichtete Prof. Dr. med. Ortlepp, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Intensivmedizin, über die chronische Herzschwäche.

Die Herzschwäche ist eine ernste Erkrankung, an der nach Expertenschätzungen zwei bis drei Millionen Menschen leiden. Jährlich werden über 370.000 Patienten mit einer Herzschwäche in ein Krankenhaus eingeliefert, über 48.000 sterben daran. Die chronische Herzschwäche führt dazu, dass das Herz nicht mehr in der Lage ist, den Körper ausreichend mit Blut und damit mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Nicht nur das Herz selbst, auch andere Organe wie Gehirn, Nieren oder Muskeln werden in Mitleidenschaft gezogen. Es kommt zu Beschwerden wie Atemnot, Leistungsschwäche und Flüssigkeitseinlagerungen in den Beinen und Knöcheln.
Viele Betroffene wollen die Beschwerden der Herzschwäche nicht wahrhaben oder schieben diese resigniert auf das Alter. „Wer unter Atemnot leidet, sollte daher umgehend zum Arzt, um zu klären, ob es sich um eine Herzkrankheit handelt“, fordert Kardiologe Prof. Dr. med. Ortlepp. Je früher die Herzschwäche erkannt werde, umso eher könne man mit den heutigen Therapiemöglichkeiten die Entwicklung der Krankheit aufhalten oder verlangsamen. Bestehe beim Hausarzt der geringste Verdacht auf eine Herzschwäche, müsse der Patient zum Herzspezialisten zur genaueren Beurteilung der Herzsituation durch Untersuchungsverfahren wie Ultraschall, EKG, Spiroergonometrie, Röntgen oder Biomarker, die im Labor Aufschluss über eine Herzschwäche geben.
„Das Ziel der Therapie der Herzschwäche ist es, das Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen oder zu verlangsamen, Sterblichkeit und Krankenhausaufenthalte zu verringern und die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern“, betonte Prof. Dr. med. Ortlepp. Dazu gehöre die Behandlung der Ursachen, beispielsweise die Einstellung des Bluthochdrucks, der Operation defekter Herzklappen oder die Bypassoperation beziehungsweise der Kathetereingriff bei der koronaren Herzkrankheit. Des Weiteren sei die richtige Auswahl der Medikamente entscheidend. Bei der Behandlung mit ACE-Hemmern, Sartanen, Aldosteronantagonisten, Diuretika und Digitals müssen der Kaliumspiegel und die Nierenfunktion regelmäßig kontrolliert werden, um schwere Nebenwirkungen zu verhindern. Während früher die Schonung bei der Herzschwäche empfohlen wurde, sei heute Bewegung eine wichtige Therapie. Regelmäßiges Ausdauertraining führe zu einer deutlichen Steigerung der Leistungsfähigkeit und zur Abnahme der Krankenhausaufenthalte und zur Senkung der Sterblichkeit. Herzschrittmacher und Defibrillatoren schützen die Herzpatienten vor lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen und vor dem plötzlichen Herztod.
Gefürchtet sei die Entgleisung der Herzschwäche, weil sie häufig zu einer notfallmäßigen Krankenhauseinweisung führe, erklärte der Experte weiter. „Es kann zu einer Entgleisung kommen, wenn die Medikamente nicht richtig eingenommen oder weggelassen werden oder der Lebensstil nicht der Erkrankung angepasst wird. Eine gesunde Ernährung, das Normalgewicht und der Verzicht auf Rauchen und Alkohol wirken sich positiv auf die Erkrankung aus.“ Der Patient und der Arzt müssten gemeinsam den Verlauf der Krankheit aufmerksam verfolgen. Dazu gehöre auch die tägliche Gewichtskontrolle. Steige das Körpergewicht um mehr als zwei Kilogramm in drei Tagen an, habe sich die Herzschwäche verschlechtert. Der Hausarzt oder eine Klinik seien dann umgehend aufzusuchen. Prof. Dr. med. Ortlepp unterstrich in seinen Schlussworten die aktive Rolle des Patienten, damit es nicht erst zu einer Verschlechterung der Krankheit kommt.
Zum Schluss nutzten die zahlreichen Zuhörer die Gelegenheit, Prof. Dr. med. Ortlepp zu diesen und anderen kardiologischen Themen zu befragen. Prof. Dr. med. Ortlepp und Rüdiger Kurs zeigten sich vom großen Interesse der Seesener an dieser Vortragsreihe begeistert.