Hohe Spritpreise regen schon nicht mehr auf

An der Zapfsäule müssen Autofahrer schon seit vielen Wochen tief in die Tasche greifen. Wird 2011 das bisher teuerste Jahr für Autofahrer?

Tankstellenmitarbeiter registrieren zunehmende Resignation bei den Kunden

Berichtete Spiegel-Online Anfang Dezember, in Berufung auf Aussagen eines ADAC-Sprechers, noch, dass 2010 das bislang teuerste Jahr für Autofahrer war, so dürften die dem Bericht zugrunde liegenden Spritpreise von durchschnittlich 1,46 Euro pro Liter Super-Benzin heute keinen Autofahrer mehr schockieren.

Von Maximilian Strache

Seesen. Mitte Januar 2011 haben die Preise an den Zapfsäulen inzwischen den neuralgischen Wert von 1,50 Euro pro Liter Super-Benzin zum Teil schon weit überschritten. Selbst für einen Liter Diesel-Kraftstoff werden inzwischen rund 1,36 Euro fällig. Auch vom bisherigen Höchstpreis von 1,58 Euro pro Liter aus dem Jahr 2008 sind die aktuellen Spritpreise nicht mehr weit entfernt.
Kein Wunder also, dass sich lange Schlangen an den Tankstellen bilden, wenn der Preis mal unter 1,50 Euro fällt. Besonderer Unmut macht sich bei vielen Autofahrern vor allem aus einem Grund breit: Die täglichen Preisschwankungen von bis zu fünf Cent sind nicht nachvollziehbar. Auch der jüngste Vorstoß von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), die Preisabsprachen der Öl-Konzerne genauer unter die Lupe zu nehmen und im Zweifel empfindliche Sanktionen zu verhängen, verschafft da nur wenig Beruhigung.
Zumal es meist nicht die arabischen Öl-Multis oder die Lenker der großen Kraftstoffkonzerne sind, die den Unmut der Pkw-Fahrer zu spüren bekommen. Meist sind es die Tankstellenpächter beziehungsweise deren Angestellte, die dem Zorn ausgesetzt sind.
Eine Umfrage bei den Seesener Tankstellen offenbarte jedoch, dass sich der Unmut der Autofahrer bisher in Grenzen hält. Sabine Brüggebors von der Shell Tankstelle in der Bornhäuser Straße berichtete auf Nachfrage, dass sich die meisten Autofahrer mit den hohen Spritpreisen abgefunden hätten. „Natürlich gibt es manche Kunden, die sich über die Preise aufregen. Gegen uns richtet sich der Unmut jedoch in den seltensten Fällen. Die meisten wissen, dass wir keinen Einfluss auf die Preispolitik haben“, sagt Brüggebors. Zudem seien die Preisschwankungen in den letzten zwei bis drei Wochen verhältnismäßig gering ausgefallen. Der Spritpreis befände sich zwar auf einem sehr hohen Niveau, sei jedoch stabil.
Ähnliche Erfahrungen machen auch die Angestellten der Total-Tankstelle in der Braunschweiger Straße. Christine Schmidt, Mitarbeiterin der Tankstelle, erklärte gegenüber dem „Beobachter“, dass sich Autofahrer vor allem am Montag über den Anstieg der Spritpreise beschweren. „Wenn am Montagnachmittag die Preise anziehen, haben wir es häufig mit verärgerten Kunden zu tun. Die knallen dann das Geld auf die Theke und verabschieden sich mit Worten wie, hier tanke ich nie wieder.“ Am Ende, so die Tankstellen-Angestellte, kämen die Kunden dennoch wieder. Auch Schmidt stellte im Laufe der vergangenen Wochen fest, dass sich die Kunden zunehmend mit den hohen Preisen abfinden würden. „Zu Jahresbeginn war der Unmut der Autofahrer deutlich größer. Inzwischen haben sich jedoch die Wogen geglättet.“ Anfeindungen oder Beleidigungen müssten die Tankstellenmitarbeiter in der Regel nicht über sich ergehen lassen.
Ob die Seesener Gelassenheit in Aussicht auf weiter steigende Preise bestehen bleibt, kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht beantwortet werden. Wahrscheinlich ist jedoch, dass sich die Vorharzer wohl oder übel langfristig auch mit weiteren Anstiegen abfinden beziehungsweise abfinden müssen.