Hubert Jahns: „Ich hinterlasse ein gut bestelltes Feld!“

Saß am Montag zum letzten Mal an seinem Schreibtisch im Rathaus: Bürgermeister Hubert Jahns. Nach zwei Jahrzehnten geht er „von Bord“ und übergibt heute das „Ruder“ an Erik Homann. Foto: Jung (Foto: Jung)
 

Verwaltungschef im Ruhestand / 20 Jahre als Bürgermeister für die Stadt Seesen gewirkt / Dank an Mitarbeiter und Bürger

Am gestrigen Montag ging eine Ära zu Ende: Nach 20-jähriger Tätigkeit als Bürgermeister der Stadt Seesen ist Hubert Jahns „von Bord“ gegangen und wird dem neuen „Steuermann“ der Verwaltung, Erik Homann, heute das „Ruder“ übergeben. Der „Beobachter“ sprach mit dem frisch gebackenen Pensionär.


Wie alles begann: Nach zehn Jahren als ehrenamtlicher Bürger­meis­ter neben dem Stadtdirektor Hans Torno war die Wahl im Jahre 2001 zum Hauptverwaltungsbeamten für Hubert Jahns ein tiefer Einschnitt in seinem beruflichen Werdegang. Zuvor hatte er als Oberstudienrat am Jacobson-Gymnasium unterrichtet und daneben seine Verpflichtungen als Bürgermeister erfüllt, die vor allem im Repräsentieren – Feste, Jubiläen, Gruß­worte und Begrüßungen –, aber auch in der Leitung der Ratssitzungen und des Verwaltungsausschusses, Bürgersprechstunden und Aktenstudium beziehungsweise Erledigung der Büroarbeiten bestanden.

„Gegenwind“

Die Anfänge im neuen Amt waren nicht immer erfreulich, gab es doch massive falsche Einschätzungen der Stellung des Bürgermeisters. Es wurden in Seesen Gerüchte geschürt, wonach Jahns lediglich „Gruß-August“ sei, die Leitung der Verwaltung nicht beherrsche und ein Jurist im Rathaus fehle. Dabei hatte sich der neue Leiter der Stadtverwaltung sorgfältig vorbereitet, intensiv an Seminaren, Fortbildungen und Schulungen teilgenommen, insbesondere in Bezug auf die juristischen Problemstellungen der Amtsfüh­rung. Jahns im letzten Gespräch mit dem „Beobachter“: „Ich war also bestens geschult und vorbereitet!“ Die Gerüchte in der Stadt, die zeitweise bis hin zum „Mobbing“ gingen, hätten ihn gekränkt und tief verletzt.

Vielfältige Aufgaben

Als Nachfolger Hans Tornos war Jahns Chef der Verwaltung, verantwortlich für die Steuerung der Abläufe, hatte die Abstimmung mit den Mitarbeiten zu organisieren und die vielfältigen Aufgabenbereiche zu leiten und zu lenken. Zusätzlich aber auch weiterhin in der Öffentlichkeit zu repräsentieren und viele Veranstaltungen zu besuchen – bis zu 150 (!) in einem Jahr.
Zu Beginn lag bei Jahns die Verantwortung für über 500 Mitarbeiter, da das Krankenhaus noch im Besitz der Stadt war. Zunächst galt es jedoch, die Verwaltung neu zu strukturieren: Zwei Dezernate wurden eingerichtet, die vom Bürgermeister respektive in seinem Auftrag von dem Ersten Stadtrat, Christoph Görtler, geführt wurden. Der Erste Stadtrat fungiert dabei als Stellvertreter des Bürgermeis­ters, wenn dieser verhindert ist. Neu eingerichtet wurde das Referat für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing, das dem Bürgermeister direkt unterstand.

Schwerpunkte

Kopfzerbrechen bereitete der Schuldenstand der Stadt Seesen. Hier musste dringend Abhilfe geschafft werden. Daher war ein wesentlicher Teil der Arbeit der Sanierung des Haushaltes geschuldet. Dazu Jahns: „In einem gemeinsamen Kraftakt von Rat und Verwaltung ist es gelungen, den Schuldenstand zu reduzieren, und seit drei Jahren einen ausgeglichenen Haushalt aufzuweisen.“ Es war dabei notwendig, sinnvolle Ersparungen der freiwilligen Leistungen vorzunehmen und die Einwohner zu belasten. Leider war daher Sparen das oberste Ziel. Jahns hätte lieber wichtige Investitionen in der Stadt vorgenommen.

Herausforderungen

In der Amtszeit des Bürgermeisters fielen grundlegende Entscheidungen, die das öffentliche Leben in Seesen prägten und nachhaltig wirken: So musste wegen drohender Insolvenz das Städtische Krankenhaus an die Asklepios Kliniken verkauft werden. Jahns: „Es war fünf vor zwölf, diese Entscheidung herbeizuführen, da der Verlust von über 300 Arbeitsplätzen drohte, und die medizinische Grundversorgung Seesens gesichert werden musste. Es konnte ein zufrieden stellender Vertrag ausgehandelt werden.“ Heute gäbe es eine neue Innere und eine Chirurgische Abteilung, die die Einwohner hinreichend versorgen und den medizinischen Standort Seesen sichern würden.
Ein weiterer schwerwiegender Beschluss war die Überführung der Wirtschaftsbetriebe zur Harz Energie. „Auch das“, wie Jahns in der Retrospektive erläuterte, „eine notwendige Entscheidung zur richtigen Zeit!“ Kleine Stadtwerke könnten sich heute im Wettbewerb mit den Großen kaum behaupten.
Schwer im Magen liegt dem scheidenden Bürgermeister die ungelöste Problematik des ehemaligen Meinecke-Centers. Das „Filetstück im Herzen der Stadt“ bedürfe dringend einer Wiederbelebung. Es stünde allzulange leer und stelle eine empfindliche Lücke im Angebot für die Bevölkerung Seesens dar. Die zahlreichen Bemühungen der Verwaltung – bis hin zum Angebot, den Rathausinnenhof zu öffnen –, hätten nichts genutzt. Hier müss­ten weiterhin ernsthafte Anstrengungen getätigt und Gespräche mit den Investoren geführt werden.


Als weitere bedeutende Entscheidungen der Verwaltungsführung bezeichnete Jahns folgende Projekte:

•Der Neubau und die Sanierung der Grundschulen in Seesen. – Jahns: „Die Stadt Seesen hat ihre Schulen in den vergangenen Jahren in einen hervorragenden Zustand gebracht, gut ausgestattet und modernisiert. Es sind Vorzeigeobjekte!“
•Präventionsrat.
•Seniorenvertretung.
•Kinder- / Jugendforum.
•Arbeitskreis „Demographischer Wandel“ – Jahns: „Seesen hat einen dramatischen Einwohnerverlust zu verzeichnen!“
•Unterstützung der Kulturangebote.
•Gründung der Stadtmarketing Genossenschaft.
•Schaffung des Wilhelm-Busch-Hauses in Mechtshausen als Museum.
•Umbau und Modernisierung des Städtischen Museums als herausragendes Objekt zur Darstellung der Seesener Geschichte.
Weitere Highlights, die in die 20-jährige Amtszeit des Bürgermeisters fielen:
•Rückbau B 248.
•Baugebiet Steinbühlstraße.
•Baugebiet Am Schildberg.
•Schützenvereine: Schießanlagen.
•Kläranlage: Gründung Eigenbetrieb.
•Kindertagesstätte St.-Annen-Straße: Einweihung.
•DiXi-Markt / Markthaus.
•Erwerb Gewerbegebiet Triftstraße.
•Hasseberg-Erschließung.
•Stadtsanierung.
•Rückhaltebecken Bornhausen.
•Maßnahmen via Konjunkturpaket: DGH Engelade, Bilderlahe: Wehr-Gerätehaus / DGH-Anbau, Rhüdener Gewerbegebiet, Hochwasserschutz Rhüden.

Das Fazit

Hubert Jahns wies im „Beobachter“-Gespräch mit Zufriedenheit auf die funktionierende Zusammenarbeit von Verwaltungsspitze und Ratsfraktionen hin: „Ich habe es so gehalten, dass wir wichtige Entscheidungen vorab intensiv besprochen haben, so dass alle Seiten informiert waren und wussten, worüber im Rat abgestimmt wurde. Ein bewährtes Vorgehen. Die gute politische Kultur in Seesen war erfolgreich und hat zu einem angenehmen Klima des Miteinanders geführt.“
20 Jahre als Bürgermeister der Stadt Seesen hätten ihm viel abverlangt, meinte Jahns. Die tägliche Arbeit am Schreibtisch, rasche Entscheidungen zu allen Bereichen der Verwaltung, den Finanzen, im Bauwesen und den übrigen umfangreichen Aufgaben des Verwaltungshandelns hätten die ganze Arbeitskraft und Umsicht erfordert. Das konnte nur gelingen, wie Jahns unterstrich, weil er gute Mitarbeiter habe, die kompetent und gut ausgebildet ihrer Arbeit nachgingen, bürgernah handelten und gezielt im Team tätig seien. Ihm habe besonders das freundliche Arbeitsklima im Rathaus und in den übrigen Bereichen gefallen. „Das macht Entscheidungen-Treffen erheblich leichter“, merkte der Bürgermeister an.
Sehr zufrieden ist Jahns auch mit den Finanzen Seesens. Abnehmende Verschuldung und ausgeglichener Haushalt seien eine gute Basis, auf der man die Stadt weiterentwickeln könne. Viele Kommunen in der Region hätten diese Bilanz nicht vorzuweisen. Es bleibe aber auch Unzufriedenheit über den geringen Spielraum, der der Stadt wegen des Sparzwanges geblieben sei, Investitionen vorzunehmen und zu gestalten. Dafür wünscht sich der Bürgermeister von Bund und Land eine bessere finanzielle Ausstattung: „Nur Sparen und Konsolidieren hemmen die Entwicklung unseres Landes. Das geht auf die Dauer nicht gut.“
Seinem Nachfolger im Amt wünscht Hubert Jahns, dass er sich schnell in die vielfältigen und komplizierten Aufgabenbereiche des Bürgermeisters und der Verwaltung einarbeiten möge, um den Anforderungen gerecht zu werden. Wichtig wäre, die solide Haushaltsführung fortzusetzen und die gute politische Kultur zu pflegen. Jahns: „Es steht mir nicht an, Herrn Homann Ratschläge zu erteilen. Er muss seinen eigenen Stil entwickeln und das Wohl der Stadt und ihrer Bürger im Auge behalten. Dazu wünsche ich ihm Kraft und Ausdauer!“
Er, Jahns, hinterlasse ein gut bestelltes Feld, von dem man ernten könne, und das man auch in den kommenden Jahren weiter pflegen sollte. Für seinen Ruhestand plane er – wenn es der Gesundheitszustand zulasse – zahlreiche Aktivitäten: Überregionale Tätigkeiten im politischen Bereich, soziales Wirken und ein besonderes Projekt: Er beabsichtige – wie berichtet –, einen literarisch hochwertigen Kriminalroman zu schreiben, einen Seesen-Krimi.

Dank an die Bürger

Abschließend konstatierte Jahns, dass ihm die Arbeit am Schreibtisch und in der Öffentlichkeit Freude bereitet habe. Er habe sehr viel positive Resonanz und Zustimmung erfahren, die die Entbehrungen, insbesondere die knappe Zeit für die Familie und die geringe Freizeit, wieder wettmachten. „Dann hat sich mein Einsatz für Seesen doch gelohnt!“ Er habe viele gute Bürgerbegegnungen gehabt, für die er dankbar sei und immer darauf geachtet, dass der Bürger „Kunde der Verwaltung“ sei.