Hupende Rostlauben

Tim und Mark sind zwei der fast 2.000 Teilnehmer, die am Carbage- Run 2017 teilnehmen.

Komisch anmutende, heruntergekommene Fahrzeuge düsten unter der Woche mit lauter Musik und seltsamen Klängen durch Seesens Innenstadt Nanu, was ist denn da los?

Das fragten sich viele Seesener, die die laut hupenden und Krach und Musik von sich gebenden Fahrzeuge durch die Stadt und dann in Richtung Lautenthal knatternden Autos wahrgenommen hatten. Und es schien zunächst, als würde der Tross gar kein Ende nehmen. Mehrere Hundert Autos bollerten durch die Stadt. Ein Wagen älter als der andere, und verrückt zurechtgemacht. Mehrere Stunden dauerte dieses Geknatter, Gehupe und Getöse an. Um nicht unwissend ins Wochenende zu gehen, haben wir ein Auto einfach mal angehalten und nachgefragt, was das zu bedeuten hat. Dabei haben wir Tim und Mark kennengelernt – zwei Niederländer, die uns freundlichst aufklärten. Bei den verrückten Karren, in denen wohl nicht minder extrovertierten Fahrer und Beifahrer unterwegs waren, handelte es sich um Teilnehmer des sogenannten Carbage-Runs, einer Autorallye der besonderen Art. Voraussetzung zum Mitmachen: Die teilnehmenden Fahrzeuge durften einen Restwert von 500 Euro nicht übersteigen. Dementsprechend waren es hübsch und skurril zurecht gemachte Rostlauben, die da durch den Vorharz tuckerten. Tim und Mark waren nur zwei der fast 2.000 Teilnehmer, die an der fünftägigen Tour von mehreren Tausend Kilometern durch Europa unterwegs waren – und das in einer alten Rostlaube. Beim Carbage-Run geht es, wie zu erfahren war, nicht um Geschwindigkeit oder Zeit. Die Macher der Rallye wollen Kreativität, Spannung, Abenteuer und Spaß ohne Ende. Bei so alten Karren ist allein jede Panne ohnehin ein Abenteuer. Aber schließlich ist man kein echter Carbage-Runner, wenn einen das Auto nicht mindestens einmal im Stich lässt. Zwar gibt es beim Carbage-Run weder einen Abschleppwagen noch einen Pannenservice oder technischen Dienst, aber niemand ist auf sich allein gestellt. Der Name „Carbage-Run“ setzt sich übrigens aus den englischen Begriffen „Car“ für Auto und „Garbage“ für Schrott zusammen und beschreibt damit das Event sehr treffend – eine Rallye in einer alten Rostlaube.