Hydranten in Bornhausen vom Schnee befreit

Hydranten freischaufeln: eine schweißtreibende Angelegenheit, auch bei Minusgraden. (Foto: Foto: Eileen Wunderlich)
 
Hinweisschild für einen Hydranten: ein Meter nach links, vier Meter nach vorne. (Foto: Foto: Eileen Wunderlich)

Ortsbrandmeister Kiehne appelliert an Anwohner: „Helfen Sie mit, Hydranten freizuhalten!“

Um bei einem Brand schnell effektiv Hilfe leisten zu können, sind die Feuerwehren von ausreichend Löschwasser abhängig. Zwar verfügen die Wehren über Löschfahrzeuge mit integrierten Wassertanks, aber das mitgeführte Wasser reicht in der Regel nur für die ersten Minuten. Die zusätzliche Wasserentnahme von offenen Gewässern, Überflur- und Unterflurhydranten spielt im Einsatz eine große Rolle. Im Winter kann es sich jedoch zu einer besonderen Herausforderung entwickeln, Hydranten freizulegen. Dieses kann im Ernstfall kostbare Zeit kosten. Freie Hydranten können Leben retten.

Von Eileen Wunderlich und Antonio Mateo

Seesen/Bornhausen. Am vergangenen Mittwoch führte die Freiwillige Feuerwehr Bornhausen aufgrund der brisanten Wetterlage mit Schnee und Eis eine freiwillige Aktion im Ort durch. Unter der Leitung von Ortsbrandmeister Klaus Kiehne machten sich 14 Blauröcke, aufgeteilt in drei Gruppen, an die schweißtreibende Arbeit, etwa 30 von 60 Hydranten von den Schneemassen zu befreien. Klaus Kiehne wies darauf hin, dass insbesondere im Winter, wenn weihnachtliche Beleuchtungen, Heizdecken und Kaminöfen zum Einsatz kämen, das Brandrisiko enorm hoch sei. Für die Ortsfeuerwehr war es eine Premiere; die Wehren aus Engelade und Herrhausen haben bereits im Vorfeld – in eigenen Aktionen – die wichtigsten Hydranten in ihren Dörfern freigelegt. Durch die Schneemassen sind viele Hydranten und Hinweisschilder nur schlecht zugänglich oder sogar gänzlich verdeckt. In schneereichen Wintern macht sich die Feuerwehr auf eigene Initiative auf den Weg, um die verschütteten Wasserlieferanten wieder auszugraben. Verpflichtet ist sie dazu nicht, aber die schnelle Hilfe im Ernstfall für die Bürger steht für die Feuerwehr ganz oben auf der Liste. Die Bornhäuser Blauröcke fanden die Hydranten teilweise unter 1,5 Meter hohen Schneebergen. Einige konnten sogar nur durch Einsatz eines Metalldetektors aufgefunden werden. „Wir haben auch Hydranten freigelegt, die so stark zugefroren waren, dass wir im Ernstfall nur noch mit einem Brenner weitergekommen wären“, beschreibt Feuerwehrmann René Wille die besondere Problematik von Unterflurhydranten im Winter unter Schnee. Aus diesem Grund kommt auf die Hydrantenpflege eine besondere Bedeutung zu.

Hydrantenpflege im Herbst

Bereits im Herbst werden die Hydranten durch die Feuerwehren auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft und gespült. Die Straßenkappen (Verschlussdeckel) werden eingefettet oder mit Folie unterlegt, damit die Deckel bei Frost nicht anfrieren. Denn auch und gerade im Winter ist die Funktionsfähigkeit der Hydranten sehr wichtig, da im Winterhalbjahr, bedingt durch die Heizperiode, die Brandgefahr in den Gebäuden nicht unerheblich ist. Wenn trotz dieser Maßnahmen die Hydranten eingefroren sind und die Straßenkappe nicht zu öffnen ist, verfügt die Feuerwehr über einen speziellen Brenner, der zum schnellen Auftauen der Hydranten behilflich ist. Die Gefahr, dass auch Überflurhydranten im Winter einfrieren, ist gering. Nach dem Einsatz eines Überflurhydranten ist es jedoch wichtig, das Wasser durch den Wasserabsteller abfließen zu lassen, um einem Einfrieren vorzubeugen.

Ein kleines Schild kann Leben retten

Möglicherweise haben Sie sich schon gefragt, was die kleinen weißen Hinweisschilder mit rotem Rand an Laternen, Gartenzäunen oder Hauswänden bedeuten? Was Sie aber sicher nicht hinter diesen kleinen Schildchen vermuten werden ist, dass diese Hinweisschilder auch Ihr Leben retten können. Hydrantenschilder beschreiben die Lage eines Hydranten. Das H steht dabei für den Hydranten selbst. Die Zahl 100 beispielsweise zeigt den Durchmesser der Wasserleitung in Millimeter an, auf dem der Hydrant steht. Diese Schilder zeigen der Feuerwehr also nicht nur den genauen Standort des nächsten Unter- oder Überflurhydranten an, sondern auch, wie viel Wasser dieser Hydrant liefern kann. Auf diese Informationen ist die Feuerwehr im Ernstfall angewiesen, um schnellstmöglich eine Wasserversorgung aufzubauen. Auf dem Foto deutet das Schild auf den Hydranten hin, der nach einem Meter nach links und vier Metern nach vorne zu finden ist. „Oft ist schon das Hinweisschild nicht einfach zu finden. Durch die enorme Höhe manches Schildes an Laternen sind diese im Einsatz schwer auffindbar“, erklärt Feuerwehrmann Christian Kiehne.

Feuerwehr bittet um Mithilfe!

Die Feuerwehr bittet jeden Anwohner darum, unbedingt auf das Freihalten der Hydranten in unmittelbarer Nähe von Wohn- und Geschäftshäusern zu achten. Im Ernstfall kann die zeitliche Verzögerung, die durch das Freilegen entsteht, sogar Menschenleben kosten. Besonders Unterflurhydranten sind im Winter bei Schnee nur schwer zu finden. Diese befinden sich in Gehwegen oder Straßen und schließen mit der Bodenkante bündig ab. Das Problem dieser versteckten Bauweise ist, dass sowohl Fahrzeuge, aber auch angehäufte Schneeberge die Hydranten verdecken. Der nächste Hydrant kann mehrere hundert Meter entfernt sein. Auch die besser sichtbaren Überflurhydranten müssen im Winter zugänglich bleiben. Zur eigenen Sicherheit und im eigenen Interesse sollten auch Anwohner auf diese lebensrettenden Hydranten achten. Aktuell gibt es in der Stadt Seesen 882 Hydranten; diese verteilen sich mit 454 auf die Kernstadt, 32 in Bilderlahe, 60 in Bornhausen, 26 in Engelade, 41 in Herrhausen, neun in Ildehausen, 23 in Kirchberg, 26 in Mechtshausen, 88 in Münchehof und 123 in Rhüden. Ergänzend sind Löschwasserzisternen, Löschwasserbrunnen und eingerichtete Löschwasserentnahmestellen an Teichen und Bachläufen vorhanden.