„Ich trinke nur Apfelschorle“

Kirchberger (39) erscheint zu Gerichtsverhandlung mit 3,60 Promille

Von Maximilian Strache, Seesen

Ein 39-jähriger Kirchberger Fensterbauer hatte sich am Mitwoch vergangener Woche vor dem Amtsgericht wegen Trunkenheit im Straßenverkehr zu verantworten. Eine Verhandlung, die von ihrem Grundsatz her eigentlich in wenigen Minuten verhandelt ist. Doch gestern nahm auf der Anklagebank ein echter Scherzbold Platz, der so „lustig“ war, dass die Verhandlung abgebrochen werden musste.
Schon beim Eintreten in den Gerichtssaal beschlichen Richter, Staatsanwältin und Gerichts-Protokollantin das Gefühl, dass der Angeklagte nicht ganz auf der Höhe war. Ein Gefühl, dessen Anzeichen sich im weiteren Verlauf der Verhandlung verdichteten.
Dem Angeklagten wird von der Staatsanwalt zur Last gelegt, dass er am 16. Juni diesen Jahres gegen 22.10 Uhr mit dem Fahrrad von Kirchberg nach Münchehof unterwegs war und dabei unter erheblichem Alkoholeinfluss stand. Eine Blutprobe ergab den Wert von 3,13 Promille.
Auf die Frage von Richter Rüger, ob er sich zu dem Tatvorwurf äußern wolle, wusste der Angeklagte zunächst keine rechte Antwort. Er schwankte zwischen einem „Nein“, gefolgt von einem „Ja“, um dann doch wieder „Nein“ zu sagen. Auf den Einwurf des Richters, ob er denn überhaupt wisse, was von ihm verlangt wird, folgte das gleiche Spiel. „Ja, äh, ja schon, nein.“ Schließlich einigten sich Richter und Angeklagter auf eine Stellungnahme.
Der 39-Jährige gab zu Protokoll, dass er zwar an besagtem Abend betrunken mit dem Fahrrad unterwegs gewesen sei, er jedoch keinerlei Probleme beim Führen seines Drahtesels hatte: „Die Polizei hat mich erwischt, da waren es nur noch 20 Meter bis zur Wohnung meiner Freundin. Das hätte ich doch locker geschafft.“
Der Frage Rügers, was im Vorfeld seiner Radtour gelaufen sei, wusste der Fensterbauer nichts zu entgegnen. Er habe halt gefeiert. Auch die Frage des Richters, ob er alkoholabhängig sei, verneinte der Handwerker, der vor Kurzem einen Knöchelbruch erlitten hat. „Ich meine, wer mit einem Promille-Wert von 3,13 noch Fahrrad fahren kann, der muss doch regelmäßig zur Flasche greifen. Was trinken sie denn so, wenn sie nicht gerade feiern?“, wollte Rüger von ihm wissen. „Ja Apfelschorle und sowas. Ich trinke nur Apfelschorle“, antwortete der Angeklagte. „Und, haben Sie denn heute Morgen etwas Alkoholisches getrunken?“, fragte Rüger weiter, „so eine kleine Zündkerze, um in Schwung zu kommen?“ „Nein, ich habe nichts getrunken“, lautete prompt die Antwort.
Eine Angabe, die ob des starken Alkoholgeruchs, der sich inzwischen im gesamten Sitzungssaal ausgebreitet hatte, höchst fragwürdig war. Rüger forderte den Kirchberger auf, ihn anzuhauchen, was den Verdacht bestätigte. „Sie haben doch Cognac oder sowas getrunken. Sie sind gar nicht vernehmungsfähig“, lautete die Feststellung des Richters.
Ein von der Polizei durchgeführter Atemalkoholtest ergab dann den stattlichen Wert von 3,60 Promille um 9 Uhr in der Früh.
Trotz des bewiesenen Alkoholwertes wollte der Angeklagte nichts davon wissen, dass er betrunken sei. Richter: „Sie sind total betrunken. So kann ich sie nicht vernehmen.“ Angeklagter: „Nein, ich bin nicht betrunken. Ich hatte gestern Abend vielleicht drei Bier oder so.“
Richter und Staatsanwältin einigten sich, um der Sache ein Ende zu machen, auf eine Vertagung der Verhandlung. Am nächsten Mittwoch, das musste der 39-Jährige versprechen, kommt er nüchtern zu seiner Verhandlung. Ansonsten geht er in Haft.