Im Alter von 22 Jahren das Leben schon total verkorkst

Langeslheimer wird wegen uneidlicher Falschaussage zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt

Seesen/Langelsheim (mn). Mit erst 22 Jahren hat ein Langelsheimer sein Leben bereits derart an die Wand gefahren, dass er jetzt für sechs Monate ins Gefängnis muss. Unter Tränen nahm der junge Mann das Urteil am vergangenen Mittwoch von Richter Frank Rüger entgegen.
Der Angeklagte war dem Seesener Richter kein Unbekannter. Schon mehrfach hatte er sich vor Gericht zu verantworten. In einer anderen Verhandlung wurde er bereits zu einer anderthalb jährigen Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.
Seine kriminelle Karriere startete der Angeklagte bereits im Jahr 2005. Mit Diebstählen, Sachbeschädigungen sowie Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz hatte sich der junge Mann schon in der Vergangenheit seine Zeit vertrieben. Aktuell hatte er sich wegen uneidlicher Falschaussage vor Gericht zu verantworten.
In einer Verhandlung vom 6. April diesen Jahres wurde der Angeklagte zu den Taten eines Langelsheimer Drogendealers befragt. Dieser hatte den jungen Mann bezichtigt, bei ihm 25 Gramm Marihuana erworben zu haben. In seiner Zeugenaussage bestritt der Langelsheimer, der eine Lehre als Koch im großvaterlichen Betrieb abgebrochen hatte, diesen Vorwurf. In der Verhandlung im April sagte er aus, dass er keine „geschäftlichen“ Kontakte zu dem Dealer gepflegt habe. Vor dem Gerichtsgebäude setzte der angelernte Koch zudem andere Zeugen unter Druck. Auch sie sollten nach der Vorstellung des 22-Jährigen den Drogendealer mit ihren Aussagen entlasten.
Der Angeklagte räumte seine Falschaussage auf anraten seines Pflichtverteidigers zwar ein, wurde aber nicht müde, zu erläutern, dass er mit seiner unrühmlichen Vergangenheit abschließen wird und deshalb ein weiteres Mal die Gnade des Richters verdient.
Rüger konnte den Angaben des Langelsheimers aber keinen Glauben schenken. Lag ihm doch auch der Bericht des Bewährungshelfers vor, aus dem hervorging, dass der Ausbildungsabbrecher bis zum Tag seiner jüngsten Verhandlung keine seiner Bewährungsauflagen erfüllt hat. Der junge Mann hatte zwar einige Ausreden parat, warum es ihm nicht möglich gewesen ist, die Auflagen zu erfüllen. Auf Richter und Staatsanwältin machte das aber keinen Eindruck.
Für den Richter stand außer Frage, dass der junge Mann sein Leben nicht alleine in den Griff bekommen wird. Eine Ansicht, die auch der Pflichtverteidiger teilte. Erschwerend bei der Urteilsfindung kam noch hinzu, dass sich der junge Langelsheimer bereits am 22. September erneut vor Gericht zu verantworten hat. Vor dem Goslarer Amtsgericht sagte er ebenfalls falsch aus.
Der Amtsrichter konnte vor diesem Hintergrund keine erneute Bewährungsstrafe aussprechen, auch wenn ihn der Angeklagte unter Tränen anflehte im noch eine Chance zu geben: „Ich ziehe hier weg, mache eine Therapie und werde ein neuer Mensch. Ich kann nicht in den Knast gehen. Dort werde ich totgeschlagen“, weinte der Angeklagte dem Richter vor.
Auf den Richter hatte dieser letzte verzweifelte Versuch aber auch keinen Enfluss mehr. Rüger blieb hart und folgte in seiner Urteilsverkündung der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der 22-Jährige muss nun für sechs Monate hinter Gitter. Rüger versicherte aber, dass er auch aus der Haft heraus eine Therapie machen kann, um von seiner Drogensucht loszukommen. Ob es bei der sechsmonatigen Haftstrafe bleibt, wird aber auch von der Verhandlung in Goslar abhängen. Dort hat er sich, wie bereits erwähnt, drei Tage vor seinem 23. Geburtstag zu verantworten.