Im Harz werden die Temperaturen steigen

Wetterkundler Professor Dr. Günther Groß (Leibniz Universität Hannover) sagt, dass die Temperaturen im Harz in den Nächsten 90 Jahren um drei Grad steigen werden.

Regionalmanagement Westharz befasst sich mit den Auswirkungen des Klimawandels

Von Maximilian Strache,
Seesen

Innerhalb der nächsten 90 Jahre werden die Temperaturen im Westharz um etwa drei Grad steigen. Diese Entwicklung wird nicht nur Auswirkungen auf die Land- und Forstwirtschaft haben, sondern auch langfristig dazu führen, dass im Harz nicht mehr ausreichend Schnee fällt um Wintersport zu betreiben. Die Klima-Experten rechnen mit einem Schneerückgang von 30 bis 50 Prozent bis zum Jahr 2070. Ab dem Jahr 2040 kalkulieren die Klimaforscher zudem mit einer Häufung von Extremniederschlägen. Die normalen Niederschläge werden sich bis Mitte des Jahrhunderts auf relativ konstantem Niveau bewegen.
Diese Erkenntnisse entstammen einem Vortrag vom Meteorologen Professor Dr. Günther Groß (Leibniz Universität Hannover), der auf Einladung des Regionalmanagements Westharz, unter der Leitung von Wolfgang Kleine-Limber (Büro Mensch & Region) und Erik Grobmeier (Büro ALAND) über die Auswirkungen des Klimawandels für Südniedersachsen referierte. Im Anschluss an die Ausführungen des Meteorologen diskutierte ein Podium mit Vertretern aus Land- und Forstwirtschaft, Politik sowie Tourismus im Seesener Bürgerhaus über mögliche Handlungsstrategien, die helfen sollen die Auswirkungen des Klimawandels durch die Umsetzung geeigneter ILEK-Projekte abzufedern.

Klimawandel ist nicht genau definiert

In seinem rund einstündigen Vortrag spannte Professor Groß einen Bogen von den Wetterbeobachtungen der letzten Jahre, über Klimamodelle und globale Ergebnisse der Klimaforschung bis hin zu der zukünftigen Entwicklung des Wetters. Dabei machte der Wetterkundler gleich zu Beginn deutlich, dass der Begriff Klimawandel nicht einheitlich definiert ist und es sich dabei um ein extrem langfristiges Phänomen handelt. „Wetter können wir fühlen, Klima hingegen nicht. Deshalb ist auch sehr schwer zu definieren, wie viele meteorologische Variablen sich ändern müssen, bis wir fundiert von Klimawandel sprechen können“, erklärt der Professor die Schwierigkeiten bei der Suche nach einer eindeutigen Definition.
Das wohl größte Problem bei der Bestimmung der Klimaentwicklung ist aber in den unterschiedlichen Berechnungsmethoden, den so genannten Klimamodellen zu finden. Die moderne Meteorologie arbeitet mit 20 bis 25 dieser Modelle. Selbst wenn alle Berechnungen auf Grundlage der gleichen Basisdaten erfolgen, können die Ergebnisse deutlich divergieren. Deshalb müssten die Ergebnisse immer problemspezifisch interpretiert werden, da die Veränderungen stark von den verwendeten Modellsystemen „global-regional“ geprägt sind. Bei allen Berechnungsschwierigkeiten kann der Universitätsprofessor aber versichern, dass die heute warmgemäßigte Klimazone in Westeuropa – feuchttemperiert mit warmem Sommer (Cfb Klimaformel nach Köppen) – auch in hundert Jahren noch Bestand haben wird.
Doch auch wenn diese Ergebnisse eine eher beruhigende als panische Wirkung entfalten, bürgt allein schon der Anstieg der Temperaturen genügend Konfliktpotential für die Zukunft. Es bahnt sich ein Wettkampf ums Wasser an. Der Mensch braucht Wasser zum Trinken, die Nutzpflanzen und Waldökosysteme aber auch. Schon heute müssen beispielsweise in der Landwirtschaft Beregnungs-Systeme eingesetzt werden, um die Erträge von Weizen und Co. auf einem stabilen Niveau zu halten.
In der Podiumsdiskussion machte Kreislandwirt Jürgen Hirschfeld deshalb deutlich, dass schon heute Maßnahmen eingeleitet werden müssen, die sicherstellen, dass die Landwirte ausreichend Wasser bekommen um ihre Ernten zu sichern. Im Bereich Vienenburg und Bredelem werden beispielsweise schon Beregnungs-Anlagen auf Feldern eingesetzt. Ziel muss es nach Ansicht des Kreislandwirts sein, einen lokalen Wasserkreislauf zu implementieren. Dabei sieht er auch die Kommunen in der Pflicht.
Ferner sagt Hirschfeld, dass die pflanzliche Vielfalt eine Antwort auf die Folgen des Temperaturanstieges sein kann: „Mais und Zuckerrüben kommen beispielsweise sehr gut mit Veränderungen beim Niederschlag zurecht. Weizen, der bei uns gegenwärtig die Hauptkulturart ist, hat da größere Probleme.“
Die pflanzliche Vielfalt zu stärken ist auch der langfristige Plan, der von den Landesforsten verfolgt wird. Karsten Pfeiffer, Forstamtsleiter in Clausthal, führte aus, dass Vorsorge in Bezug auf verändernde Klimabedingungen vor allem durch Stärkung der Vielfalt erreicht werden kann. Waren früher im Harz fast nur Buchen und Fichten zu finden, sind jetzt auch immer häufiger große Bestände von Douglasien vorhanden. „Eine größere Vielfalt an Pflanzen trägt dazu bei, dass klimatische Veränderungen nicht gleich den kompletten Bestand vernichten. Zudem sind wir im Harz sehr darauf bedacht eine gute Mischung aus altem und jungem Baumbestand zu haben“, so Pfeiffer. Weiter führte der Waldexperte aus, dass es im Harz noch nie so viel Holz gab wie heute, was er auf die umsichtige Pflege des Bestandes zurückführt.

Klima plagt den
Tourismus kaum

Carola Schmidt, Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbandes (HTV), erklärte, dass Klimawandel bisher noch kein Thema für den Tourismus in der Region gewesen sei. Zwar habe die Tourismuswirtschaft immer mal wieder mit Wetterkapriolen zu kämpfen, nachhaltige Auswirkungen hätten sich jedoch noch nicht bemerkbar gemacht. „Für den Harz, der sich ganzjährig als Urlaubsziel eignet, ist das Wetter zudem nicht alleine ausschlaggebend. Wir sind breit aufgestellt und haben bei jeder Wetterlage etwas zu bieten“, sagt Carola Schmidt. Mit den Investitionen am Bocksberg in Hahnenklee und am Wurmberg in Braunlage würden zudem aktuell die Weichen für eine weitere nachhaltige Attraktivitätssteigerung der Region gestellt.
Seesens Bürgermeister Erik Homann, der die politische und verwaltungstechnische Rolle während der Podiumsdiskussion bekleidete, führte aus, dass Kommunen durchaus vielfältige Möglichkeiten hätten dem Klimawandel zu begegnen. Als Beispiele nannte er unter anderem Energiesparmaßnahmen in öffentlichen Gebäuden und die geplanten Maßnahmen zum Hochwasserschutz in Rhüden. Nächste Woche wird sich der Rat der Stadt Seesen unter anderem wieder mit letzterem befassen.
Nun sollen die ILEK-Projeke zur rechtzeitigen Vorsorge und Reaktion auf die Anforderungen des Klimawandels, wie beispielsweise die Nordic-Activ-Region Harz, weiter konkretisiert und bearbeitet werden.