Im Seesener Amtsgericht war das Auto Thema der Stunde

Freispruch im Nötigungsverfahren / Mann während der Urlaubsheimfahrt beim Biertrinken erwischt

Seesen (dh). In drei Verfahren rund ums Auto hatte im Seesener Amtsgericht Strafrichter Richter Frank Rüger zu entscheiden.
Zunächst war ein 58-jähriger Mann aus Windhausen angeklagt, in der Baustelle auf der A 7 in Höhe der Raststätte Harz in Richtung Süden eine 25-jährige Frau aus Seesen, die auf der linken Fahrbahn fuhr, mit der Lichthupe bedrängt, rechts überholt und anschließend direkt vor ihr eingeschert zu sein.
Der Mann gab an, bereits eine ganze Weile hinter der Frau hergefahren zu sein, und dass es für sie mehrere Möglichkeiten gegeben hätte, auf die rechte Fahrbahn zu wechseln, um ihn überholen zu lassen. Er selbst sei sogar rechts rübergefahren und habe die Frau mit Handzeichen gebeten, ebenfalls nach rechts zu fahren. In der Zwischenzeit seien ihr schon wieder mehrere Autos gefolgt. Sollte er sie bedrängt haben, so entschuldige er sich allerdings dafür.
Das Verfahren wegen Nötigung im Straßenverkehr wurde letztlich gegen eine Geldauflage von 200 Euro, zu zahlen an die Seesener Tafel, eingestellt.

Eine Premiere erlebte der Richter im nächsten Verfahren.„So etwas habe ich noch nie gehört“, sagte er zu dem Angeklagten, einem 60-jährigen Hannoveraner. Dieser war mit Freunden im Urlaub in Österreich. Am letzten Abend hätten sie gemeinsam mit Bier und Obstler bis in die Nacht den Abschied „gefeiert“. Wie es „Landessitte“ sei, hätte es am Morgen, nach dem Bezahlen, noch einen Obstler kostenlos gegeben. Der Hannoveraner hatte diesen als einzigen der drei Freunde getrunken. Während der Heimfahrt hätte er sich bei Göttingen dann überreden lassen, eins von dem Dosenbier zu trinken, das sich seine Freunde unterwegs gekauft hatten. Dabei wurde er von einer neben ihm fahrenden Zivilstreife beobachtet, die ihn prompt anhielt. Die Blutprobe ergab einen Alkoholpegel von 1,33 Promille. Daraufhin wurde der Führerschein für neun Monate eingezogen und ein Bußgeld von 750 Euro verhängt. Der 60-Jährige fand jedoch, dass die zwei Monate vom Einzug des Führerscheins bis zur Ausstellung des Strafbescheides mit angerechnet werden sollten. Zudem wolle er sich darüber „informieren“, ob es bereits mit eingerechnet sei, dass dies seine erste Auffälligkeit gewesen sei. Richter Rüger erklärte, dass alles seine Richtigkeit habe und empfahl dem Angeklagten, den Einspruch zurückzuziehen, um sich weitere Kosten zu ersparen. Dieser Empfehlung folgte der Mann dann auch.

Im dritten Fall ging es um den Verkauf eines Autos. Dem mehrfach vorbestraften 34-jährigen Angeklagten aus Derenburg wurde vorgeworfen, ein Auto verkauft zu haben, welches ihm gar nicht gehörte und die Anzahlung der Käufer in Höhe von 900 Euro einbehalten zu haben. Der Angeklagte gab an, nur als Vermittler aufgetreten zu sein, und das Geld sehr wohl an den eigentlichen Besitzer übergeben zu haben. Beide Aussagen wurde später auch bestätigt. Die Käufer wollten den Wagen jedoch nur dann haben, wenn der Beklagte vorher den TÜV erneuern würde, was dieser jedoch nicht tat.Zudem erklärte der 34-Jährige, dass die Fahrzeugpapiere verloren gegangen seien. Das Auto wurde somit nicht übergeben, und die Käufer wollten ihre Anzahlung zurückerhalten. Der Derenburger sagte dem eigentlichenBesitzer, der mit den Käufern in keinem Kontakt stand, jedoch, dass diese weder das Geld noch das Auto hätten haben wollen.
Richter Frank Rüger fand am Ende keine Beweise für den vorgeworfenen Betrug. Er meinte, der Angeklagte hätte dies anfangs wohl vorgehabt, letztlich sei ihm die Gewinnspanne aber wohl zu gering gewesen und er hätte davon Abstand genommen.
Der Derenburger hatte nach Ende der Verhandlung aber noch keine Ruhe – er wurde von Polizeibeamten gleich nach Goslar zum nächsten Gerichtstermin gebracht.