Im tropischen Kamerun den Fröschen auf der Spur

„Die sind alle sehr nett“: Mareike Hirschfeld (3. v. r.) mit kamerunischen Mitarbeitern.
 
Um ins Camp zu kommen, müssen tiefe Flüsse passiert werden.

Wenn es Seesener in die große weite Welt zieht: Mareike Hirschfeld forscht am Mount Manengouba

In nicht einmal mehr zwei Wochen, am 26. Oktober, feiert sie ihren 28. Geburtstag. Mögen das Datum und das Alter auch nichts Besonderes sein; der Ort, an dem die gebürtige Seesenerin Mareike Hirschfeld ins neue Lebensjahr startet, ist es sehr wohl – der erloschene Vulkan „Mount Manengouba“ im Westen Kameruns.

Von Karsten Knoblich

Seesen. Wo es manche Seesener doch so hin verschlägt: Mareike Hirschfeld, Tochter von Martina und Kreislandwirt Jürgen Hirschfeld, ist diplomierte Biologin. Nach dem Studium in Marburg und Würzburg ist sie heute wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums für Naturkunde Berlin. Besonders haben es ihr die Amphibien angetan. Und mit ihnen wird sie sich auch in ihrer Doktorarbeit beschäftigen, an der sie gerade arbeitet.
Nicht zufällig hat es Mareike Hirschfeld in das Hochland West-Kameruns, unweit der 1,4 Millionen Einwohner zählenden Stadt Douala, verschlagen. Dieses Gebiet weist eine extrem hohe Artenvielfalt mit vielen nur hier lebenden Froscharten auf. Durch zunehmend intensivere Land- und Forstwirtschaft sind große Teile dieser Berge jedoch stark verändert. Es ist zu befürchten, dass der zu erwartende globale Klimawandel sich besonders negativ auf die Arten in den höheren Lagen auswirken wird. Die 27-Jährige will nun untersuchen, inwiefern die Lebensraumansprüche und Lebenslaufstrategien von Amphibienarten ihre Überlebenswahrscheinlichkeit in sich ändernden Umwelten vorhersagen können. Dazu wird sie die Anpassungsfähigkeit von Froscharten aus drei verschiedenen Gattungen an besagtem Mount Manengouba untersuchen.
Trotz aller Strapazen, die die Forschungsarbeit in den Tropen mit sich bringt, ist Mareike Hirschfeld ganz in ihrem Element. Das lässt sich jedenfalls aus einer E-Mail ablesen, die den „Beobachter“ in diesen Tagen „aus dem sonnigen und feuchten Douala“ erreichte. „Seit mehreren Wochen bin ich nun unterwegs. Eine Woche war ich am Mount Manengouba, meinem Hauptuntersuchungsgebiet. Zehn weitere Tage war ich im Ebo Forest Reservat, einem Tieflandregenwald. Insgesamt konnte ich schon über 60 verschiedene Froscharten finden“, heißt es da.
Das Camp, das Mareike Hirschfeld im Ebo Forest besuchte, ist einen Fußmarsch von sage und schreibe fünf Stunden vom letzten Dorf im Regenwald entfernt. „Eigentlich kommt man nie trocken in das Camp, da es meistens regnet und man sowieso tiefe Flüsse passieren muss, die keine Brücken haben. Die Strömung ist so stark, dass man sich wirklich an das Seil klammern muss“, weiß die Forscherin aus Erfahrung. Neben Schimpansen, Drills und Elefanten gibt es dort auch noch eine Gorillapopulation sowie eine vielfältige Amphibienfauna. Der Fund einer Goldkröte freute sie übrigens ganz besonders, handelt es sich doch um eine geschützte Art.
Im Dezember möchte Mareike Hirschfeld wieder in das Waldgebiet fahren und Untersuchungen in der Trockenzeit durchführen. Ansonsten wird sie die nächsten drei Monate am Mount Manengouba verbringen, um ihre Untersuchungsflächen auszuwählen und erste Daten zu erfassen. Und das heißt auch: Das Weihnachtsfest 2010 wird im tropischen Kamerun gefeiert. Was übrigens die kamerunischen Mitarbeiter angeht, die sie dort kennen gelernt hat, so seien diese sehr nett. „Man sollte nur Trockenfisch mögen, da es den dort jeden Tag gibt“, schreibt Mareike Hirschfeld abschließend.