In Afrika wie ein Heiliger verehrt

Literarisches Konzert im Seesener Museum: Die vielen Gäste spendeten zum Ende lang anhaltenden Applaus. (Foto: Orend)

Gut besuchtes Literarisches Konzert über Albert Schweitzer im Steinwayraum des Städtischen Museums

Das Literarische Konzert, zu dem der Paritätische Seesen, mit Unterstützung des Autohauses Borchers und des Lions-Club Seesen, Osterode, Roswitha von Gandersheim am vergangenen Mittwoch in das Städtische Museum eingeladen hatte, war sehr gut besucht. Alle Plätze im neu gestalteten Steinwayraum waren besetzt.

Besonders schön war die Tatsache, dass eine 9. Klasse der Oberschule Seesen und ihre Musiklehrerin Frau Fuhrmann, mit dem Text von Andrea Freistein-Schade, umrahmt von den Klavierklängen von Claudia Schaare auf dem Steinwayflügel, dem Lebensweg von Albert Schweitzer gefolgt ist.
Die vielen Gäste und die Künstlerinnen wurden von Friedrich Orend, dem Hausherren des Museums, und Sven Dickfeld, Geschäftsführer des Paritätischen Seesen, herzlich begrüßt. Andrea Freistein-Schade zeichnete die außergewöhnliche Vita des Menschen, Arztes, Theologen, Organisten und Humanisten in ihren sprachlich brillanten Texten in einem sehr spannenden Vortrag nach.
Sie wählte hierbei die Perspektive der inneren Entwicklung dieses Mannes, der bis heute in Afrika wie ein Heiliger verehrt wird. In anschaulichen Bildern wurde die Kindheit des jungen Albert gezeichnet, welche von zwei entscheidenden Komponenten geprägt scheint: der Sehnsucht nach Anerkennung in der kindlichen Gemeinschaft, welche ihn jedoch als „Herrenbübele“ schmähte, sowie einem Erkenntnisdrang, der ihn bereits als Kind im elterlichen Pfarrhaus die Geschichten der Bibel hinterfragen ließ.
Trost fand der junge Albert in den Klängen der Musik, der Orgel – sowie dem Klavierspiel. Rasch erlernte er beides, um bald darauf große Anerkennung als Organist zu finden. Nach einem Orgelstudium bei Widor in Paris, sowie zwei mit Dissertationen abgeschlossenen Studiengängen der Theologie und der Philosophie, beschloss Schweitzer jedoch ab seinem 30. Lebensjahr seine Begabungen in den Dienst der Menschheit zu stellen: „Ich stellte mir die Frage, wer wollte ich sein, ein Theologe, ein Philosoph, ein guter Mensch…..oder vielleicht nur dies: ein Mensch.“
Schweitzer begann ein Medizinstudium, um nach dessen Abschluss nach Lambarene in Afrika zu gehen und dort ein Hospital aufzubauen. In eindringlichen Bildern schildert Andrea Freistein-Schade seine Ankunft in Afrika sowie den entbehrungsreichen Alltag im Urwald. Getragen wurde Albert Schweitzer bei seiner Vision einer besseren Welt von seinem tiefen Glauben, welcher in der „Ehrfurcht vor dem Leben“ wurzelte. „Ich bin doch ein Leben, das leben will,….inmitten von Leben, das leben will.“
Musikalisch begleitet wurde die Lesung mit Musik von Mozart, Bach, Debussy, Saint-Saens und Elton John, durch Caudia Schaare in bewährt, wunderbarer Weise auf dem Steinwayflügel intoniert.
Die vielen Gäste spendeten lang anhaltenden Applaus und bei einem Glas Prosecco fanden noch interessante Gespräche im Museum über das Literarische Konzert statt. Es wurden Konzertpläne für 2016 geschmiedet. Dieses Konzertformat hat inzwischen im Seesener Kulturleben einen festen Platz und erfreut sich einer stetig wachsenden Fangemeinde.