In allen Vorträgen besticht die lebendige Spielfreude

Begeisterte: das Ensemble.

Giora Feidman und Ensemble begeistern in St. Andreas

Im II. Abonnementkonzert erlebten gut 300 Zuhörer in der St.-Andreas-Kirche ein fundamental tief-greifendes Konzert: Der Urvater der Klezmer-Renaissance in den USA und Europa von 1970, Giora Feidman, faszinierte zusammen mit Michel Gershwin, Natalie Raithel (beide Violine), Juri Gilbo (Viola) und Kira Kraftzoff (Violoncello) mit lebendiger „jiddischer Musik“ in nahezu allen Facetten.
Schon in den zarten „Lallebei“- und Shabbat-Melodien zeigt das Ensemble allerhöchste Spitzentechnik in der Kunst des leisen Klanges mit innigem Verstehen in aussagestarken Interpretationen.
Hier werden Gefühle und Seelenfreuden wie auch Qualen in Trillern und Schluchzern gelebt. Feidmans Klarinetten (Tenor und Bass) sind Sprachrohre seiner tiefsten, inneren Seele, die lacht, weint, erzählt, tanzt oder einfach nur glücklich sein will – Frieden sucht, wie er sehr eindrücklich betont, und dann die drei Hymnen: „Einigkeit und Recht und Freiheit“ mit der israelischen „Ha Tikwa“ und der palästinensischen „Biladi“ in einem harmonischen Miteinander in seiner Klarinette leben lässt – das überzeugte.
Obwohl sich traditionell die Klezmer Musik gern außerhalb des tonal üblichen Raumes bewegt, klingt sie nie atonal fremd. Im Gegenteil, hier lebt die gute volkstümliche Musik aus dem „Schtetl“, der gemütlichen kleinen Stadt mit dem urigen Marktplatz, in ungeahnter Virtuosität und Aussageschönheit, gern in springlebendigen Tänzen mit oft russischem Fundament, auf.
Mitreißend sind perlenklare Glissandi in Rhapsodien, verblüffend hohe Tonsprünge aus tiefsten Bassklarinetten-Lagen, aber auch klagende Sforzandi als laute Aufschreie gequälter Seelen, die oft über meditativ-ruhende Sequenzen hin zum beschwingt-heiteren Springtanz mit Pizzicato führen.
In allen Vorträgen besticht die große, lebendige Spielfreude der hochrangigen Musiker in einem musisch atmenden Orchester in allerbestem Konsens.
Zwei gemeinsam gesungene Kirchenlieder und zwei Zugaben beendeten ein sehr beeindruckendes Konzert bei stehendem Beifall. Joachim Dürich