In dieser Freizeit war nicht nur Musike drin!

Wie bei „Harry Potter“ in Hogwarts: der ansonsten für Besucher nicht zugängliche Speisesaal der Universität Oxford.
 
Freya und Julia bei den Horse Guards.
 
Ohne geht’s einfach nicht: Gruppenfoto vor „King Alfred“ in Wantage.

Junge Leute aus Seesen bereiten sich in Wantage auf kleines, aber feines Konzert vor / Exkursion im Mittelpunkt

Im Herbst des Jahres 1978 wurde im Rahmen eines Festaktes im ehemaligen „Berggarten“ die Partnerschaftsurkunde mit der englischen Stadt Wantage unterschrieben. Eine Partnerschaft, die sich über all die Jahre ihres Bestehens hinweg als ein wahrer Volltreffer erwiesen hat und die nach der Gründung des Partnerschaftsvereins im Jahr 1993 nochmals einen zusätzlichen Schub bekam. Einen weiteren nicht unerheblichen Schub stellt zwischenzeitlich auch die seit 1998 regelmäßig alle zwei Jahre durchgeführte Musik-Freizeit-Wantage dar, die von der engagierten Musikpädagogin Claudia Schaare organisiert und durchgeführt wird.
Auch zum Beginn dieser Herbstferien machte sich wieder eine 28-köpfige Gruppe zu der nunmehr achten Musikfreizeit auf den langen Weg nach England. Schon am ganz frühen Sonntagmorgen fuhr man mit einem Reisebus gen Wantage. Für die meisten der Mitreisenden war dabei schon die Überfahrt mit der Fähre von Calais nach Dover ein besonderes Erlebnis. Leider spielte das Wetter nicht so richtig mit, so dass bei der Ankunft an Englands Küste der Blick auf die eigentlich weißen Klippen von Dover nicht so prächtig ausfiel. Noch am Abend erschienen Derek Verdin und der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins aus Wantage in der Jugendherberge und begrüßten die jungen Gäste.
Der Vormittag des ersten Tages in Wantage diente zum Kennenlernen der Fahrtteilnehmer untereinander, aber auch zum ersten Musizieren miteinander. Hierzu stand ihnen ein größerer Raum in der Civic Hall zur Verfügung. Nachmittags hatte Derek Verdin dann ein besonderes „Schmankerl“ für die jungen Deutschen parat: Sie durften in der Peter-und-Paul-Kirche zu Wantage neben der Besichtigung der Kirche dort auch auf das Dach des Turmes steigen. Letzteres ein fast abenteuerliches Unterfangen, denn um dorthin zu gelangen, musste eine sehr steile „Hühnerleiter“ erklommen und sich oben durch eine kleine Öffnung gezwängt werden. Eine Übung, die jeder der Fahrtteilnehmer jedoch mit Bravour meisterte.
Die jungen Musiker waren durch ihre Arbeit am Vormittag schon so gut aufeinander eingestimmt, dass es ihnen möglich war, in der Kirche zwei zuvor eingeübte Lieder vorzutragen, instrumental dabei unterstützt von Claudia Schaare an der Orgel. Nach einem Rundgang durch Wantage mit Millenium Park und dem Marktplatz, wo King Alfred auf einem Sockel unerschrocken Stärke demonstriert, waren abends in der Herberge lustige Spiele angesagt.
Nach der morgendlichen Arbeit in der Civic Hall ging es am nächsten Tag in die berühmte Universitätsstadt Oxford. Hier führte Derek sie zunächst in das Merton College und konnte auch erreichen, dass die ansonsten für Besucher nicht zugängliche „Dining Hall“, also der Speisesaal der Universität, besichtigt werden durfte. Ehrfürchtig standen die Jugendlichen nun an einem Ort, den sie in ähnlicher Form vielleicht schon einmal in einem Harry-Potter-Film gesehen hatten. Danach ging es in Oxford über die Merton Lane zum Radcliffe Square, der Bridge of Sighs, der Bodleian Library, dem Sheldonian Theatre und zur Broad Street, um dort zum heißersehnten „Shopping“ entlassen zu werden, mit der Maßgabe, pünktlich zur Rückfahrt am Carfax zu sein.
Der Mittwoch stand ganz im Zeichen „Freizeit“. Mit dem Bus ging es zu einem der größten Steinkreise auf der britischen Insel, nach Avebury. Dieser Steinkreis umfasst einschließlich des umgebenden Walls eine Fläche von etwa 15 Hektar und besteht aus dem großen äußeren Kreis ein zwei kleineren inneren Kreisen, wobei die Mittellinie ganz auf den Mittsommeraufgang ausgerichtet ist. Zuvor kam man allerdings vorbei am Silbury Hill, dem mit 37 Meter Höhe, 167 Meter Durchmesser und einem Alter von etwa 4600 Jahren größten prähistorischen Hügel in Europa und einem der größten Hügel der Welt. Er erinnert zwar an ein Hügelgrab, soll aber nie als Grabstätte gedient haben.
Danach gab es ein weiteres „Highlight“: der weltbekannte Steinkreis von Stonhenge, etwa 13 Kilometer nördlich von Salisbury gelegen, wurde besichtigt. In Winchester blieb es den Jugendlichen dann selbst überlassen, die Schönheiten der Stadt, aber auch die Einkaufsmöglichkeiten auf eigene Faust zu erkunden.
Am Donnerstag musste die Gruppe in die Main Hall der King-Alfred-School ausweichen. Hier bereitete man sich vormittags intensiv auf das am Nachmittag bevorstehende kleine Abschlusskonzert vor. Hatten sich doch auch Gäste angemeldet, die diesem Konzert beiwohnen wollten. Zu den Gästen zählte neben Derek Verdin und zahlreichen Mitgliedern des britischen Partnerschaftsvereins auch Jenny Hannaby, die die Partnerschaftsverbindung zwischen Seesen und Wantage schon über Jahre hinweg begleitet. Und die Gäste hatten ihr Kommen sicherlich nicht bereut, denn es wurde ihnen ein Konzert vom Feinsten geboten. Neben den verschiedenen Musikstücken – auch aus Musicals –, die Claudia Schaare in lockerer Art moderierte, wurde auch getanzt und den Gästen gesanglich der Pythagoräische Lehrsatz vorgetragen. Bei diesem Konzert wippte auch der eine oder andere Fuß im Takt mit oder es wurde sogar leise mitgesungen. Klar, dass den jungen Künstlern mit einem längeren Applaus gedankt wurde.
Da hier auch der offizielle Aufenthalt in Wantage endete und man sich verabschieden musste, überreichte Claudia Schaare ein kleines Geschenk an Derek Verdin für seine Bemühungen vor und während der Freizeit. Abends in der Jugendherberge galt es dann noch, die Siegermannschaft aus den vorausgegangenen Spielen und Quizfragen zu ermitteln. Es war die blaue Mannschaft, die den Sieg davongetragen hat.
Das nasskalte Wetter der letzten Tage hatte sich nicht geändert. Doch ungeachtet dessen wurde die Fahrt nach London angetreten, wo der versierte Busfahrer Detlef Schaare bei der von ihm durchgeführten Stadtrundfahrt wieder einmal seine exzellente Ortskenntnis zur Geltung bringen konnte. Und das alles ganz nebenbei, obwohl der übrige Straßenverkehr in dieser Riesenstadt um ihn herum nur so brodelte. Danach war der schon obligatorische Spaziergang vorbei an Big Ben zu den Horse Guards angesagt, deren Mitglieder sich tatsächlich nicht bewegen oder regen dürfen, auch wenn noch so oft versucht wird, sie abzulenken. Über die Mall ging es dann zum Buckingham Palace, wo gerade der Wachwechsel stattfand. Ein interessantes Schauspiel, das man erlebt haben sollte. Für eine Fahrt mit dem London Eye, dem großen Riesenrad, oder einem Besuch bei Madame Tussaud, stand keine weitere Zeit zur Verfügung, denn die Fahrt musste an diesem Tage noch weitergehen nach Canterbury. Leider lud auch hier das nasskalte Wetter nicht zu einem längeren Abendspaziergang durch diese hübsche Stadt ein.
Die Rückfahrt nach Deutschland war mit einer erheblichen zeitlichen Verzögerung verbunden, weil die Fähre verspätet aus Dover auslief und mit einem eineinhalbstündigen „Zwangsaufenthalt“ vor der französischen Küste entsprechend später erst in Calais festmachen konnte. Die Wartezeit wurde von Blitz, Donner und einem Hagelschauer begleitet.
Dadurch traf die Reisegesellschaft erst weit nach Mitternacht wieder in Seesen ein, wo die Jugendlichen schon sehnsüchtig von ihren Angehörigen erwartet wurden. Alles in allem darf man aber sagen, dass die Jugendlichen auch bei dieser Musik-Freizeit-Wantage wieder viele neue Eindrücke gewinnen konnten und es sicherlich niemanden von ihnen gibt, der bedauert, dafür eine Woche seiner Herbstferien „geopfert“ zu haben.
Übrigens: Am kommenden Mittwoch, 7. November, 19.30 Uhr, werden die Teilnehmer dieser Reise die Erlebnisse ihrer Musik-Freizeit im Pädagogischen Zentrum des Jacobson-Gymnasiums als möglichst komplette Gruppe in Anwesenheit ihrer Eltern noch einmal Revue passieren lassen. Die Teilnehmer selbst werden hierzu bereits um 19 Uhr erwartet.