Instrumentenkunde – live und in Farbe

Vorstellung des Fagotts, im Hintergrund schaut Dirigent Sebastian Beckedorf zu.
 
Moderator Martin Weller.

Staatsorchester Braunschweig erneut zu Gast im Jacobson-Gymnasium

Wie kann es gelingen, Schülerinnen und Schüler zur Kunstmusik zu führen? – Ganz einfach, indem man mit einem ganzen Sinfonieorchester in die Schule geht, so jedenfalls die Philosophie von Martin Weller, seines Zeichens Orchesterdirektor und Solotrompeter des Staatsorchesters Braunschweig, das in der vergangenen Woche im nunmehr dritten Jahr in Folge in entsprechender Mission das Jacobson-Gymnasium besuchte.
Auf dem Programm des Konzertes, das vor fast 400 Schülern der Jahrgangsstufen 5 bis 8 in der Aula des Schulzentrums stattfand, stand dieses Mal die sinfonische Tondichtung „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ von Richard Strauss. Damit waren die Ziele in mehrfacher Hinsicht hoch gesteckt: Eine ganze spätromantische Orchesterbesetzung mit voll ausgebauter Holz- und Blechbläserriege musste auf der Bühne untergebracht werden, die damit restlos ausgefüllt war, und dann sollten ausgerechnet die jüngsten Jahrgänge des Gymnasiums, die bislang größtenteils nicht mit sinfonischer Musik im Konzertsaal in Berührung gekommen waren, wie Schulleiter Stefan Bungert in seiner kurzen Einführung deutlich machte, eine Stunde lang bei der Stange gehalten werden – kein ganz leichtes Unterfangen, wie sich an der hier und da aufkommenden Unruhe im weiteren Verlauf der Veranstaltung denn auch zeigen sollte.
Gelungen ist es trotzdem – vor allem dank einer in Niveau und Ton angemessenen Erläuterung der Musik, die in bewährter Weise ebenfalls von Multitalent Martin Weller übernommen, und von den Orchestermitgliedern mit großer Einsatzfreude unterstützt wurde. So verband Weller – passend zum Stück zeitweilig mit phrygischer Mütze und Eulenspiegel-Figur ausgestattet – gekonnt Informationen zur Geschichte des Narrentums mit biographischen Notizen über den Komponis­ten und die Eulenspiegel-Handlung veranschaulichenden Musikbeispielen aus der Strauss’schen Tondichtung.
Ganz nebenbei erhielten die anwesenden Gymnasiasten darüber hinaus noch Unterricht in Instrumentenkunde, denn der Farbenreichtum des romantischen Klangkörpers ermöglichte auch die Demonstration besonderer Instrumente wie Bassklarinette und – von den Schülern im Selbstversuch ausprobiert – der großen Ratsche aus dem Orchesterschlagzeug. Vor allem hatten es neben dem Horn als Träger von Tills Leitmotiv aber die vorgestellten Bassins­trumente Tuba und Fagott, der „Großvater des Orchesters“, den Schülern angetan.
Auf diese Weise systematisch und in kleinen Schritten an die für die meisten Schüler wohl nicht zur alltäglichen Hörerfahrung gehörenden Musik herangeführt, lauschten sie schließlich der, unter Leitung seines 1. Kapellmeisters Sebastian Beckedorf, vom Orches­ter dargebotenen Gesamtaufführung des Werkes überwiegend konzentriert und vermochten dank des illustrativen Charakters der Musik der ihr zugrunde liegenden außermusikalischen Handlung denn auch erkennbar zu folgen.
Möglich wurde dies alles durch die Kooperation des Gymnasiums mit dem Verein „Konzerte an St. Andreas“, der die Veranstaltung nicht nur ideell, sondern, ebenso wie der Eltern- und Freundeskreis des Jacobson-Gymnasiums“, auch finanziell unterstützt hat. bu