Interesse an der Arbeit der Jägerschaft

Auch Ehrungen standen auf dem Programm der Jahreshauptversammlung. (Foto: Arnold)

Jahresberichte, Ehrungen und Vortrag standen im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung im Hotel Wilhelmsbad

Mit dem Hornsignal „Begrüßung“ der Jagdhornbläsergruppe Goslar, unter Leitung von Matthias Knorr, begann traditionell auch die diesjährige Jahreshauptversammlung der Seesener Jägerschaft im Hotel Wilhelmsbad. Der musikalischen Begrüßung folgte die verbale durch den Vorsitzenden Wilfried Faber. Sie galt neben den Mitgliedern zahlreichen Gästen wie dem ersten Stellvertretenden Bürgermeister Jürgen Ebert, dem Kreisjägermeister Günther Heuer-Brockmann und dessen Vorgänger sowie den Vertretern der Unteren Jagdbehörde, der benachbarten Jägerschaften, des Schießstand-Betreibervereins sowie von Landvolk und NABU. Die große Zahl der Gäste wertete Faber als positives Signal für das Interesse an der Arbeit der Jägerschaft.
Die bei einer Mitgliederversammlung erforderlichen Regularien waren schnell abgearbeitet, zumal Nachfragen und Diskussionen ausblieben. In seinem Bericht führte Faber dann das aus, was Vorstand und Mitglieder im abgelaufenen Jahr besonders bewegt hat.
Mit Genugtuung haben die Jäger registriert, dass der neue Landwirtschafts- und Umweltminister grundlegende Änderungen im geltenden niedersächsischen Jagdrecht zunächst nicht plant. Auf Anregung der Landesjägerschaft wird derzeit ein Positionspapier zu dem Thema „Unsere Zukunft – ländlicher Raum“ erarbeitet. Beteiligt sind insgesamt 15 Verbände, deren Mitglieder sich aus Imkern, Jägern, Fischern, Grund- und Waldbesitzern sowie solchen Gruppen zusammensetzt, die das Ziel einer nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen in Niedersachsen eint.
Die Umsetzung eines Urteils der europäischen Menschenrechtskonvention zu einem Ruhen der Jagd auf bestimmten Flächen beschäftigt derzeit die Landesbehörden und dürfte bis zu einer Umsetzung noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Keine Probleme dagegen bereitet die Jägerprüfung, für die eine Prüfungsordnung besteht. Voraussichtlich 29 Prüflinge werden sich im laufenden Jahr der vom Landkreis berufenen Prüfungskommission stellen.
Der BUND ist auf die Jägerschaften zugekommen und sucht Verbündete bei der Schaffung von Grünbrückenvernetzungen. Das ist erfreulich, verfolgen doch Jägerschaften und Naturschutzverbände überwiegend die gleichen Ziele, wenn auch auf unterschiedlichen Wegen.
Der Streckenbericht des abgelaufenen Jagdjahres verzeichnet bei Schwarzwild eine Steigerung der Abschußzahl im Vergleich zum Vorjahr auf fast 300 Prozent, bei Rotwild auf 125 Prozent und bei Muffelwild ebenfalls auf fast 300 Prozent. Hier ist allerdings zu berücksichtigen, dass das Muffelwild in den Streckenmeldungen der vergangenen Jahre kaum noch auftauchte. Der Rehwildabschuß stieg auf 105 Prozent, das andere Niederwild spielt keine Rolle. Abschließend bedankte sich der Vorsitzende bei den Mitgliedern seines Vorstandes und den Obleuten für die erfolgreiche Mitarbeit.
Ulf Ristau als Obmann für das Hundewesen in der Jägerschaft Goslar, der in Personalunion auch für die Jägerschaft Seesen zuständig ist, konnte von einem erfolgreichen Hundeführerlehrgang mit 43 Teilnehmern berichten, an dem sowohl Begleit- als auch Jagdhunde teilnahmen. Insgesamt zehn Hunde legten außerdem die Schweiß- beziehungsweise Brauchbarkeits- oder Stöberprüfung ab.
Eine große Aktivität hat wieder Achim Engel als Schießobmann entwickelt. Regelmäßiges Übungsschießen auf dem Schießstand am Schweinsrücken war die Grundlage für zahlreiche Erfolge bei Meisterschaften auf Landes-, Bezirks- und Kreisebene sowie bei jagdlichen Vergleichsschießen. Hervorgetan haben sich hier besonders Wolfgang Block und Achim Engel.
Mit einem Besuchen des Infomobils in der Grundschule Astfeld und im Kindergarten am Kurpark weckte der Obmann für Naturschutz und Öffentlichkeitsarbeit Hans-Ulrich Arnold das Interesse der Kleinen und Kleinsten für die Natur und vertiefte vorhandene Kenntnisse. Die seit einigen Jahren bestehende Partnerschaft zwischen Jägerschaft und Kindergarten am Kurpark mit regelmäßigen „Exkursionen“ in Kurpark und Wald bleibt für beide Seiten spannend und wird fortgesetzt.
Auch Ehrungen standen auf der Tagesordnung
Für langjährige Mitgliedschaften wurden mit einer Urkunde geehrt: Andreas Bock, Karl-Otto Hoffmeister und Jörg Sperling (25 Jahre), Werner Dürkopp, Dr. Herbert Dähler, Hermann Probst und Dr. Hans-Georg Tracht (40 Jahre), Wilhelm Warnecke und Lothar Röbbel (50 Jahre) sowie Walter Wassermeyer für eine 70 jährige Mitgliedschaft.



Thema des Abends: Nachsuchen auf Schalenwild

Jährlich werden in der Bundesrepublik 25 bis 30.000 Tonnen Wildfleisch mit einem Markt­wert von knapp 200 Millionen Euro nachhaltig erwirtschaftet. Diese Fleischmenge entspricht 360.000 Schweinen oder 70.000 Rindern und deckt statistisch den Jahresfleischbedarf bei uns für 300.000 Menschen.
Das meiste erlegte Wild „hört den Knall nicht mehr“. Das ist tatsächlich so, da das Geschoß sich schneller bewegt als der Schußschall. Das meiste Wild verendet an der Stelle, wo es beschossen wird oder nach kurzer Flucht. Es gerät also gar nicht in Stresssituationen verschiedenster Art wie die zigtausend Schlachttiere, die per Lkw quer durch Europa unterwegs sind.
Trotz aller Vorsicht bei Abgabe eines Schusses, trotz genauen Zielens und regelmäßiger Teilnahme an Übungsschießen gelingt es nicht immer, das Wild sofort tödlich zu treffen. Eine „Nachsuche“ wird erforderlich, eine Pflicht, die dem Jäger nicht nur aus ethi­­schen Gründen vorgegeben ist, sondern auch im Jagd- und Tierschutzgesetz.
Um eine Nachsuche für das beschossene Wild und das Nachsuchengespann möglichst schnell und erfolgreich zu Ende zu bringen, gibt es feste Regeln, die der Jäger in der Jägerprüfung lernt und dann im praktischen Jagdbetrieb zu beherzigen hat. Wichtigstes Element ist der brauchbare Hund, der mit seiner feinen Nase die „Wundfährte“ arbeitet und sich auch durch kreuzende Fährten gesunden Wildes nicht ablenken lässt. Ebenso wichtig ist der Hundeführer, der mit menschlichem Verstand und besonderer Erfahrung den Hund ergänzt und Führer und Hund zu einem echten Gespann werden lässt.
In einem packenden, von Engagement und Erfahrung getragenen Vortrag hatte Ulf Ristau, Obmann für das Hundewesen bei der Jägerschaft Goslar und Schweißhundführer, für die Besucher der Jahreshauptversammlung die Verhaltensregeln für einen Jäger noch einmal zusammengetragen, wenn ein Stück Wild nach dem Schuß in unübersichtlichem Gelände oder einer Dickung außer Sicht gerät und vom Schützen allein nicht verfolgt werden kann. Viel Grundwissen aus der Jägerprüfung und eigene Erfahrungswerte tauchten da im Verlaufe des Vortrages bei den Zuhörern wieder auf.
Ulf Ristau brachte die Verhaltensregeln für den Jäger vor dem Schuß (Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht!) und nach dem Schuß (Ruhe bewahren, Anschuß markieren, Hundeführer holen) kompakt und übersichtlich. Dass Vieles den Anwesenden geläufig war, machte den Abend nicht weniger spannend. Denn „Wissen ist auch Wiedererinnern“.
Zusatz für die Nichtjäger unter den Lesern: Der Nachsuchen-Ethos deutscher Jäger wird übrigens in vielen anderen Ländern zugleich bewundert und auch belächelt. Man kennt dort Nachsuchen einfach nicht und hält sie offenbar für überflüssig und lästig.