Internistische Intensivstation ausgezeichnet

In der Qualitätssicherung engagierte Intensivmediziner (von links nach rechts) Dr. Nadine Gebauer, Dr. Alexandra Kunath, Professor Rainer Ortlepp, Stationsleitung Frauke Luethje, stellvertretende Stationsleitung Marco Wolff mit dem Zertifikat der Landesärztekammer.

Zertifikat der Landesärztekammer Thüringen für die Asklepios Kliniken Schildautal inSeesen

Seesen (bo). Als eine der ersten Stationen bundesweit nimmt die Seesener Intensivstation der Klinik für Innere Medizin und Intensivmedizin an einem Pilotprojekt für externe Qualitätssicherung (sogenanntes Benchmarking) in der Intensivmedizin teil.
In der vergangenen Woche wurde dem Team um Prof. Dr. Ortlepp an der Asklepios Klinik Schildautal von der Ärztekammer Thüringen das Zertifikat zur externen Qualitätssicherung überreicht. In einem im gesamten Bundesgebiet einmaligen Projekt koordiniert die Landesärztekammer in Thüringen die Daten von insgesamt 24 Intensivstationen, seit letztem Jahr auch der Seesener. Hierbei verpflichten sich die teilnehmenden Kliniken, jeden auf der Intensivstation behandelten Patienten anonym mit dem Grad der Schwere der Erkrankung, mit dem Maß der Intensivtherapie und mit dem Überleben zu erfassen und die Daten an eine zentrale Stelle lückenlos zu melden. Hierdurch kann die Behandlungsintensität wie Behandlungsqualität verglichen werden.
„Es gehört für die Bereitschaft zur 100 prozentigen Transparenz seiner Intensivmedizin kein Mut. Man braucht für so eine Öffnung jedoch ein gewisses Maß an Qualität. Durch die Transparenz wird aber erst eine weitere und nachhaltige Qualitätssteigerung möglich“, so Professor Ortlepp. Der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Intensivmedizin und Ärztlicher Direktor der Asklepios Klinik weist daraufhin, dass in der Intensivmedizin in den letzten zehn Jahren erhebliche Fortschritte erzielt wurden, die nicht immer und überall beim Patienten ankommen. Es liegt ein gewaltiger Unterschied zwischen der Behauptung der modernsten Therapie und der Realität. Durch externe Qualitätssicherung erst kann hier eine Besserung erreicht werden. Neben dem Datenvergleich soll das Qualitätsprojekt durch externe „Peer-Reviews“, das heißt Visitationen von Intensivmedizinern untereinander, bereichert werden. So können nachhaltig die Forschungsergebnisse zeitnah in die Patientenversorgung integriert werden.
Diese Art der Qualitätssicherung ist weder von Krankenkassen oder Fachgesellschaften vorgeschrieben noch finanziert. Sie basiert vielmehr auf dem Engagement von wenigen Intensivmedizinern, die ihr Fach voranbringen möchten.
Die pflegerischen und ärztlichen Mitarbeiter in der Schildautalklinik spüren die Mehrbelastung an Dokumentation durch dieses Projekt. Dennoch überwiegt die Motivation an richtungsweisenden Verbesserungsprozessen mitwirken zu können. Dass sich von den über 2000 Intensivstationen im Bundesgebiet zunächst nur eine kleine Anzahl bereit erklärt hat, so offen mit der Frage der eigenen Behandlungsqualität umzugehen, hat wohl unterschiedliche Gründe.
Neben der Skepsis, was man aus den Daten ablesen könnte, und dem Bewusstsein sein Optimierungspotential noch nicht ausgeschöpft zu haben, fehlt im klinischen Alltag schlicht häufig die Zeit, sich für zusätzliche, insbesondere gesetzlich (noch) nicht vorgeschriebene, Qualitätssicherung zu engagieren. „Wir sind stolz hier in Seesen zu den ersten in Deutschland gehören zu dürfen“, fasst Professor Ortlepp die Stimmung der Mitarbeiter zusammen. Wir hoffen, dass in den nächsten Jahren ein Qualitätsnetz Intensivmedizin mit externen Benchmarking einheitlich aufgebaut sein wird. Der Anfang ist gemacht, ab 2013 müssen Intensivstationen von ausgewiesenen Intensivmedizinern geleitet werden. Professor Ortlepp ist im gesamten Asklepios Konzern einer von sehr wenigen Internisten, der nicht nur selber Intensivmediziner ist, sondern auch die volle ärztliche Weiterbildungsermächtigung der Landesärztekammer hierfür besitzt.
Der Geschäftsführer der Asklepios Klinik Schildautal Stefan Menzel freut sich über das Engagement der pflegerischen und ärztlichen Mitarbeiter in diesem Bereich und unterstützt dieses Projekt ausdrücklich.