Jetzt muss auch der Ferkelpreis steigen

Die Sauenhalter hoffen dringend auf bessere Auszahlungspreise. Ihre Erlöse liegen mit 45 bis 47 Euro je Ferkel deutlich zu niedrig.

Marktkräfte haben für einen Anstieg der Schweinepreise gesorgt, aber die Gewinne stagnieren

Wie gewonnen, so zerronnen. Mit diesem Spruch kommentieren Niedersachsens Schweinehalter die derzeitigen Preissteigerungen bei Mastschweinen. Die Notierungen sind nach Mitteilung des Landvolk-Pressedienstes in jüngster Vergangenheit zwar gestiegen, die noch deutlicher steigenden Kosten fressen die zusätzlichen Erlöse jedoch gleich wieder auf. Unter dem Strich verdienen die Landwirte nicht mehr am Verkauf ihrer Schweine. Allein Futter­mittel und hier allen voran Soja, sind seit Jahresanfang um rund 50 Prozent gestiegen. Aber auch Energiekosten und Löhne belasten die Bilanzen.
Aktuell haben die Marktkräfte für einen Anstieg der Schweinepreise gesorgt. Die Mäster haben die Bestände etwas verringert, die Exportnachfrage zieht an, und das Hochdruckwetter hat die Grillsaison spät aber energisch in Gang gebracht. In der Folge sind die Notierungen für Schlachtschweine Ende vergangener Woche auf 1,83 Euro je Kilogramm gestiegen. Auf exakt dem gleichen Niveau lagen die Erlöse für die Landwirte Anfang September 2008. Deutlich mehr Geld konnten die Mäster in den neunziger Jahren verdienen. So lagen die Notierungen Anfang 1992 sowie zum Herbstanfang 1996 und 1997 von DM in Euro umgerechnet jeweils leicht über der Marke von 1,90 Euro je Kilogramm. Und die Zwei-Euro-Marke wurde unter besonderen Marktverhältnissen kurzzeitig um die zehnte Kalenderwoche im Jahr 2001 geknackt. Damals verschmähten die Deutschen im Zuge der BSE-Krise Rindfleisch und bevorzugten Kotelett, Schnitzel oder Schweinebraten. Die damals in den Niederlanden grassierende Maul- und Klauenseuche verknappte den Markt und trieb die Preise nach oben, bei einer aus heutiger landwirtschaftlicher Sicht noch entspannten Kostensituation.
Jetzt hoffen auch die Sauenhalter dringend auf bessere Auszahlungspreise. Ihre Erlöse liegen nach der Nordwestnotierung mit 45 bis 47 Euro je Ferkel deutlich zu niedrig. Sie schreiben seit Jahren kaum bis keine Gewinne und benötigen dringend eine langfristige Phase zur Auffüllung ihrer betrieblichen Reserven. Dies gilt umso mehr, als viele kleinere Sauenhalter sich noch auf neue politische Rahmenbedingungen einstellen müssen. Höhere Tierschutzauflagen und die EU-Vorschriften zur Gruppenhaltung von Sauen erfordern auf vielen Höfen noch Inves­titionen in neue Stalleinrichtungen. In Niedersachsen gibt es etwa 11.000 Land­wirte mit Schweinemast und 3.800 Sauenhalter. Etwa jeder dritte Mäster hält mehr als 1.000 Schweine, in der Sauenhaltung stehen in jedem vierten Stall mehr als 200 Zuchtsauen.