Joja Wendt beim Seesener Kulturforum

Joja Wendt war nicht zum ersten Mail beim Seesener Kulturforum zu Gast, wie er an den Unterschriften auf den Max & Moritz Figuren andeutet. (Foto: Thorsten Scheerer)

Joja Wendt, der Entertainer für begeisterndes Klavier-Virtuosentum, hatte für das Konzert beim Seesener Kulturforum seine eigene Werkbank mitgebracht: Zu „Joja´s Klaviermusik“ – so der Titel – gehörte auch sein spezieller JW-Steinway-Flügel.

Joja Wendt, der Entertainer für begeisterndes Klavier-Virtuosentum, hatte für das Konzert beim Seesener Kulturforum seine eigene Werkbank mitgebracht: Zu „Jojas Klaviermusik“ – so der Titel – gehörte auch sein spezieller JW-Steinway-Flügel.
Er wartete auf vollgestellter Bühne vorab geduldig und ruhig und scharrte noch nicht mit den kupfernen Füßen, bis Bühnennebel den Herrn und Rosselenker ankündigte.
Auf der großen Bildleinwand warnt Tagesschausprecher Jan Hofer vor dem Künstler und weist gleichzeitig „musikpolizeilich“ auf seine Gefährlichkeit hin. Joja Wendt beginnt mit einer Eigenkomposition („Panta Rhei“), die startet zart fließend fast wie im Liebestraum und steigert sich energisch hin zu kräftigen Bässen. Die Fingerfertigkeiten des Künstlers werden mittels Kamera und Projektion leinwandgroß nachvollziehbar; der offene Flügeldeckel spiegelt die Saitenlagen. Danach wird Rachmaninows cis-Moll-Prelude furios in Boogie-Woogie ausgerollt.
In einer Seesener „Uhraufführung“ präsentiert Wendt den legendären Großmeister des Jazz-Piano, Art Tatum, mit für ihn rhythisch eingestreuten „Drink-Pausen“. Eine den Seesener Kulturmachern zugeeignete Premiere ist der folgende „Seesener Kulturforum Boogie“. Zwischen accelerando und ritardando, auf kippelndem Hocker setzt er zwei Rhythmen nebeneinander, bis er schließlich am höchsten C des Steinway seine Grenzen findet.
Joja Wendt ist charmanter Plauderer, Zauberer, Animateur, Gaukler und Entertainer, auch ein faketastischer Schwindeler und Illusionist, so bei der schlitzohrig über Skype „live eingespielten“ Begleitung seiner Musik durch das Babelsberger Filmorchester. Beim „Regenlied“ ist das Publikum gefordert, dem musikalischen Film die Atmo-Geräusche hinzuzufügen.
Die Zuschauer werden oft einbezogen. Zur Performance des Titels „Das Geisterhaus“ holt Joja den zehnjährigen Niklas aus Mehrdorf auf die Bühne, der mit leuchtenden Skelettfingern dem Publikum das Gruseln nahe bringt und an einem Mini-Flügelchen, wie aus Peantuts World entsprungen, den Großmeister begleiten darf. Die schließlich vierhändige Session am Flügel durchschlingert der große Pegasus in wogendem Sturm.
Fließende Unendlichkeit vermittelt Wendts „Helix“-Komposition, wo sich 4/4tel- und ¾-Passagen ineinanderwinden. Aus engen Harmonien entwickelt sich ein alter Jazz Standard: „The Sheik Of Araby“. „I’m In Heaven“ fordert das Publikum zu kollektivem Karaoke-Gesang. Dann ist – presto presto – Vivaldis „Sommer“ Gegenstand des Tastentaumels. Und schließlich zündet Nikolai Rimski-Korsakows „Hummelflug“ die Begeisterung beim Seesener Kulturforums-Publikum und lässt den Flügel rauchen.
Es gibt natürlich Zugaben, standing ovations im Saal. Es war ein äußerst unterhaltsamer Abend.

Dr. Joachim Frassl