Juden diffamiert: Werner Mroz unter Beschuss

Steht nach einem antisemitischen facebook-Eintrag unter Beschuss: Werner Mroz

Eine Facebook-Entgleisung und ihre Folgen: CDU-Ratsherr nach Bericht in der Goslarschen Zeitung bundesweit Thema

Ein offenbar unbedachter Facebook-Eintrag hat heute in der deutschen Medienlandschaft eine Empörungs-Welle ungeahnten Ausmaßes ausgelöst. Im Mittelpunkt der Diskussion: Werner Mroz (62), Ratsherr der CDU Seesen und gleichzeitig Vorsitzender des Sportvereins SV Union Seesen 03. Er hatte bereits am 4. Juli einen Beitrag über die Tötung eines palästinensischen Jugendlichen mit den Worten „Juden sind scheiße“ kommentiert. Mroz bereut den Eintrag laut eigenen Aussagen, um weiteren Schaden von seiner Partei abzuwenden, trat er zurück. Mit dem Skandal, den er mit seiner Äußerung ausgelöst hat, hatten alle Beteiligten wohl nicht gerechnet.
Dem „Beobachter“ lagen die Information über die Einträge bereits seit einigen Tagen vor, nun hat ein Beitrag in der Goslarschen Zeitung ganz schnell dafür gesorgt, dass die zu erwartende mediale Lawine von einer Sekunde auf die nächste losgetreten wurde.
Am Mittwoch hatte der „Beobachter“ den Fraktionsvorsitzenden Rudolf Götz kontaktiert und um Stellungnahme gebeten. Dieser erklärte, dass Werner Mroz bereits schriftlich sein Mandat niedergelegt habe, und somit einem Parteiausschlussverfahren zuvor gekommen sei. Damit zog die CDU den Schlussstrich unter eine Affäre, die bereits seit Tagen im Stillen vor sich hin köchelte und jetzt öffentlich gemacht wurde.
Offenbar hatten alle Beteiligten die Tragweite des Eintrages zunächst unterschätzt. Werner Mroz, in Seesen besser bekannt als „Acky“, gilt als ein Kumpeltyp, der selten ein Blatt vor dem Mund nimmt und seine „Wahrheiten“ schneller herausposaunt, als ihm jetzt selbst lieb sein dürfte.
Als Antisemit ist er in Seesen bisher nicht in Erscheinung getreten. Das spielt aber keine Rolle mehr. Nun ist er über einen antisemitischen Beitrag auf facebook gestolpert, für den es in der breiten Öffentlichkeit einfach keine Entschuldigung gibt.
Der „Beobachter“ hatte bereits seit einigen Tagen von den Einträgen von Werner Mroz Kenntnis, und hatte ihn umgehend damit konfrontiert. In diesem Telefonat war der 62-jährige Fitnessstudio-Betreiber zunächst überrascht, drückte sein Bedauern über die Wortwahl aus, um alsbald seine Einträge zu entfernen. Das war dann gleichwohl zu spät. Dass Mroz nicht nur einen judenfeindlichen Beitrag geschrieben hatte, sondern auch bei anderen Themen nicht gerade zimperlich bei der Bewertung war, spielt nunmehr kaum eine Rolle. Denn allen voran der antisemtische Beitrag „Juden sind scheiße“ hat alle Diskussion über Bord geworfen.
Das sah auch Fraktionsvorsitzender Rudolf Götz so, den der „Beobachter“ mit den Vorwürfen konfontierte. Er, Götz, habe mit Werner Mroz bereits während der jüngsten Zusammenkunft der CDU/FDP-Fraktion über die Vorwürfe gesprochen. Mroz habe zwar sehr betroffen reagiert und sich für den Eintrag entschuldigt, einen Austritt aus der Partei zu diesem Zeitpunkt offenbar nicht für nötig gehalten. Nun sollte das Thema bei der nächsten Fraktionssitzung am kommenden Montag, 28. Juli, eigentlich auf den Tisch kommen. Zu spät. Durch den Artikel in der Goslarschen Zeitung gab es kein Halten mehr.
Landesweit gab es Empörung: Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: „Die Äußerung ist eine unglaubliche Entgleisung und nicht zu tolerieren, auch wenn es eine spontane Reaktion war.“ Seesens Bürgermeister Erik Homann sagte: „Die Äußerung ist unerträglich.“ In Seesen gebe es keinen Platz für Antisemitismus. Der zurückgetretene Ratsherr war für eine Stellungnahme zu diesem Zeitpunkt nicht zu erreichen, meldete sich erst später beim „Beobachter“.
Der niedersächsische CDU-Generalsekretär Ulf Thiele verurteilte die Aussage scharf: „Judenfeindlichkeit und Antisemitismus haben in unserer Gesellschaft keinen Platz“, sagte er. „In der CDU haben sie gar nichts zu suchen. Sie verstoßen gegen die Grundsätze unserer Partei. Wäre das ehemalige Mitglied nicht zurück- und aus der CDU ausgetreten, hätte die Partei ihn ausgeschlossen.“
Dem Bericht der „Goslarschen Zeitung“ zufolge bereut der zurückgetretene Kommunalpolitiker seinen Kommentar. Er sei kein Judenhasser. Seine Äußerung sei eine Reaktion auf die Eskalation im Nahen Osten gewesen. Der frühere Ratsherr habe gesagt, es tue ihm furchtbar leid, berichtete CDU-Kreis-Chef Götz. Eine Entschuldigung reiche aber nicht. „Was der Mann gemacht hat, geht absolut nicht.“
Innenminister Pistorius sagte, es spiele auch keine Rolle, ob man sich als Politiker oder als normaler Bürger äußere. „Die Kritik am aktuellen Vorgehen der israelischen Armee darf niemals in antisemitische Stimmung umschlagen.“ Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Jens Nacke, sagte, es sei ein großes Geschenk und alles andere als selbstverständlich, dass es nach den menschenverachtenden Gräueltaten der Nationalsozialisten wieder lebendige jüdische Gemeinden in Niedersachsen gebe. „Wir dürfen niemals zulassen, dass unter dem Deckmantel der Israel-Kritik antisemitische Vorurteile salonfähig werden.“
Werner Mroz kündigte heute noch an, Stellung beziehen zu wollen. „Ich bin kein Nazionalsozialist und auch kein Antisemit.“ Er will sich im „Beobachter“ zu den Vorfällen äußern.