Jugendliche torkeln „vollstramm“ durch Parcours

Ein Präventionsprojekt zum Thema „Alkoholmissbrauch“ stand jetzt in den Asklepios-Kliniken auf dem Programm.
 
Dank der sogenannnten „Rauschbrillen“ können Jugendliche...

Schüler von Jacobson-Gymnasium und Kooperationsklasse der Kurparkschule nehmen an Präventiv-Projekt teil

Seesen (bo). Alkohol ist in Deutschland allgegenwärtig, in nahezu jedem Bereich des Lebens gehört Alkoholkonsum dazu: auf Partys, Hochzeiten und Geburtstagen, beim Grillfest der Grundschule und der Weihnachtsfeier. Allerorten werden dem stets verharmlosten Rausch- und Suchtmittel Fähigkeiten zugeschrieben, die sich bereits bei flüchtiger Betrachtung als unhaltbar erweisen müssen: Alkohol soll Traurige lustig und Gestresste friedlich machen, Gemütlichkeit und Stimmung an den Tisch bringen, und dem Sieg des heimischen Fußballvereins erst wahre Größe verleihen. Wie auch immer die Situation, Alkohol scheint zu verbessern und zu „helfen“.
Als Folge konsumieren rund 9,5 Millionen Menschen Alkohol auf riskante Weise, davon sind 1,3 Millionen abhängig. Erschreckend sind diese Zahlen: Jeder zweite 15-jährige trinkt regelmäßig Alkohol. In Deutschland greifen schon Kinder zur Flasche. Die Zahl der Jugendlichen, die aufgrund akuten Alkoholmissbrauchs stationär im Krankenhaus behandelt werden, hat sich in Deutschland seit 2000 mehr als verdoppelt.
Mit seiner bundesweiten Kampagne zum Thema „Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen“, nimmt Asklepios seit 2008 den stetig ansteigenden Trend beim Alkoholkonsum von Jugendlichen auf, um ihm aktiv entgegenzuwirken.
Jetzt stand das Thema „Alkohol“ im Fokus der präventiven Arbeit. Gemeinsam mit ihrem Lehrer Holger Ritzke besuchte die 7. Klasse des Jacobson Gymnasiums Seesen und deren Kooperationsklasse der Kurpark-Schule, mit sieben Schülerinnen und den pädagogischen Fachkräften, Rowena Pannier und Stefan Röbbel, die Schildautalklinik.
„Alkoholmissbrauch“ war das Thema, mit denen sich die 13- bis 14-jährigen Schüler an diesem Tag intensiv auseinandersetzten.
Dr. Matthias Rohrberg, Chefarzt der Klinik für Neurologie, ging in seinem Fachvortrag auf das Trinkverhalten, insbesondere bei Jugendlichen, die Folgen der Sucht, deren Erkennung und Entwöhnung ausführlich ein. Allein die Werbung in den Medien und die Toleranz der Gesellschaft zeigt die Verharmlosung dieses Themas.
Im Anschluss hatten Mitarbeiterinnen der Ergotherapie einen Parcour aufgebaut, bei dem die Schülerinnen mit Rauschbrillen, die einen Alkoholgehalt von 0,8 bis 1,8 Promille simulieren, mit Roller oder gehend, verschiedene Aufgaben bewältigen mussten. Danach konnten „Dinge des täglichen Lebens“ praktisch erprobt werden – wie zum Beispiel Tür aufschließen, Geld zählen, Flüssigkeit in ein Glas einschenken.
Die Rauschbrillen überzeugen davon, wie Alkohol sich auf das Sehvermögen und damit auf die Fahrtüchtigkeit und Verkehrssicherheit auswirkt. Die Promille-Brille simuliert den Einfluss von Alkohol auf die Wahrnehmung und das Gehirn: Verzerrte und eingeschränkte Rundumsicht, Doppeltsehen, falsche Einschätzung von Nähe und Ferne, verzögerte Reaktion, das Gefühl von Verunsicherung und Entscheidungsschwäche sowie schlechtere Koordination.
Ein spannendes Alkoholquiz galt es zu lösen und am Ende wurden unter den Schülerinnen drei Gutscheine für die Sehusa-Therma ausgelost.
Zukünftig soll es für einen Jugendlichen kein Zeichen von Schwäche sein, zu sagen: „Alkohol? - Ohne mich!“