Kabarett mit Andreas Rebers

 

„Rebers muss man mögen.“ So gab der Titel die Einschätzung des Kabarett-Programms mit Andreas Rebers beim Seesener Kulturforum vor.

Der Kabarettist lockte in Seesen eine große Zahl Mögender in die Aula im Schulzentrum. Aus dem Off heraus warnt vor Beginn eine Lautsprecherstimme: „Das folgende Programm könnte Spuren von Satire enthalten.“

Ruhig argumentierend, mit eingestreuten Denkpausen für das Publikum, entwickelt der Kabarettist seine Argument-Einwürfe: Über die herrschende sprachliche Verkommenheit, über moralische Selbstbefriedigung und über die Kanzlerinnen-Basis „gemeinsamer Werte“ im Gespräch an Trump. „Der Antifaschismus in diesem Land ist heruntergekommen wie nie!“ Und er stellt den „Herrenmenschen Erdogan“ u. a. neben Hitler, Stalin und Pol Pot.

Reverend Rebers predigt und entwickelt ein ätzendes Gesellschaftspanorama, christlich bis salafistisch: „Ich bin ein unbeschnittener Jude, ein ungetaufter Christ, … lass mich in Ruhe, Dschihadist! - Ich habe ein eigenes Gebet.“ Er predigt das Gemeinsame in der Mitte, aber losgelöst von religions-politischen Zwangsmustern. Seine Religion ist selbstbestimmt, geschichtsorientiert. Und so fungiert er auch als Leviten-Leser für Seesen. Sein Kabarett ist eine Kampfansage gegen Radikale und Dogmatiker.

Rebers Nachbarin, „Frau Hammer, geschiedene Sichel“ denkt grün und vegan und naiv und alleinerziehend an „Ingwer, Tee und Äste“. Sie ist immer wieder Zielobjekt seiner Lehren. Demgegenüber ist die „Frau Flüchtling“, die Reber bei sich aufgenommen hat, eine glasklar denkende Rationalistin. Zum Holocaust: „Welchen meinst du? Den der Mullas?“ Frau Flüchtling ist sehr schnell bayrisch-sprachlich angepasst und hat ihre Schimpfkanodaden von Gerhard Polt gelernt.

Andreas Rebers ist ein Vollblutmusiker, brillianter Klangerzeuger am E-Piano und zum Tanz mitreißend am Akkordeon. Im Kinderlied tönt er „Der Islamist, der arme Wicht, die gute Laune kennt er nicht.“ Die „schläsische“ Polka wird zum Totentanz um Selbstmordattentäter. Kemal Attatürk wird zitiert: „Jeder soll beten, wie er will, aber seinen Nachbarn dabei nicht stören.“
In den Welten des E-Pianos erschafft Rebers zur Pause hin ein klanggewaltiges Religionslied, ekstatisch wie in „Schlafes Bruder“, mit kurzem Orgelakkord beschlossen.

Rebers Predigten sind gegen Heuchelei und Verdummung gerichtet, gegen Phrasen und Hohlheiten und für ein vorurteilsfreies Denken. „Pegida und AfD sind hausgemacht!“ „Ich habe die Schnauze voll von billigen politischen Mustern!“ Am Ende predigt Rebers noch ein weiteres Mal und wendet sich an seine „Brüderinnen und Brüder“, Shopping und Billig-T-Shirts („Von Kindern für Kinder“) geißeln den billigen Konsum, „Social Peace bei Cappuccino“: „Vor 24 Monaten die vielen Menschen in Dresdens City! Die haben gar nichts gekauft! Das ist der eigentliche Skandal!“

„August der Schäfer hat Wölfe gehört...“ ist ein Lied, aus alter Zeit gesungen, und führt das Publikum beim Seesener Kulturforum zu „Väterchen Franz“ Degenhardt. Rebers sieht sich als „Kabarettist der radikalen Mitte“. Man muss Rebers mögen. Auch seine bitter heftigen Eruptionen. Was sagt er selbst dazu? „Angst macht mir, dass mir so etwas einfällt.“

Dr. Joachim Frassl