Kabarett mit Sebastian Pufpaff beim Seesener Kulturforum

Kabarettist Sebastian Pufpaff zwischen Max & Moritz.
 

Das Seesener Kulturforum hat wieder einmal einen Veranstaltungsvolltreffer gelandet: Mit dem anarchisch scharfen Kabarettisten Sebastian Pufpaff haben die Veranstalter einen Vertreter der Extraklasse seiner Zunft auf die Seesener Bühne geholt.

Seine Jugendsünden als RTL-Tele-Shopper sind längst Vergangenheit, aber anthrazitfarbener Anzug, Exakt-Bügelfalte und Krawatte geben ihm den Anschein eines Verkäufers, wenn da nicht die Turnschuhe mit der sauber-weißen Gummisohle wären. Zwischen Geld- und Anschein bewegt er die Gesellschaftsanalysen; der Titel des Programms „Auf Anfang“ meint die Rückbesinnung des Kopfes auf die Zeit, in welcher der Heranwachsende nicht warenästhetisch geprägt und politisch verdummt war: Das Gehirn muss wie beim Smartphone zwecks besseren Empfangs auf „Werkseinstellung“ zurückgestellt werden. Eingangsszenario dafür ist sein Erlebnis „Romantikhotel – plüschig, puffig“ Das passt zu Pufpaff!

Sebastian Pufpaff sieht die voll besetzte Aula als „Stuhlkreis“ mitdenkender Schüler und sich selbst als „Kabarett-Dienstleister“. Die Zuschauer sollen das Programm mitgestalten, er will auf Zurufe reagieren. Da kommt zu Beginn nicht viel; das Publikum ist noch nicht ganz auf Satire-Temperatur. Das Reizwort „Asylanten“ erreicht die Bühne und der Kabarettist keult schlagfertig zurück: „Ich denke wir sind hier noch in Westdeutschland.“ - „Jetzt weiß man hier wenigstens, wo die AfD sitzt!“

Schwarz und bitterböse ist sein Kabarett, nicht nur in Bezug auf Trump, Seehofer und Putin. „Ich fahre mit der S-Klasse in das Armengetto von Hartz 4“. Bitterböses Funkeln in den Augen begleitet das Schauspiel. „Ich schubse auch alte Leute!“ - „Erwarten Sie nicht zu viel von mir: Ich bin als Kabarettist ein bezahlter Demagoge!“ Aber die Demagogen sitzen ganz wo anders, nicht nur bei der Verkaufsstrategie der Warenwelt: „Nimm 2, Mach 3, Dusch das!“

Sebastian Pufpaff ist Schnellsprecher und wortgewaltiger Begriffs-Umdenker: „Die meisten Bulimi-Kranken möchten gern mit der Familie brechen!“ Das sind keine billigen Kalauer-Dreher, denn hinter allem lauern die Paradoxa in verrückten Gesellschaftswelten. Seine Keulen treffen das Non-Sens-Gefasel der Medienoberflächlichkeiten als Entscheidungshilfen.

Der Kabarettist führt Gespräche mit dem Publikum um Haustiere, Hund oder Katze, Border Collies und „normale“ Katzen, dann um Goldhamster als Heizungs-Feudel, um Regenwürmer-Teilungen in Eierschneidern und um die technische Entwicklung des Toiletten-Handtuch-Angebots. „Wir sind nicht schlau! Aber einmal am Tag müssen wir wen haben, der dümmer ist!“ Und so gilt es immer wieder, Dumme zu finden. „Wie wird man eigentlich Terrorist?“ Der Kabarettist regt sich über die Situation in Dresden auf, jene Region, die mit nur 2% Ausländern in der Statistik steht, und beklagt den demagogischen „Irrsinn der Phantom-Ausländer“. Sein klares Fazit: „Es gibt keine Ausländer! Es gibt nur Arschlöcher oder Nicht-Archlöcher!“

Sebastian Pufpaff schließt am Ende den thematischen Kreis, als er wieder „Auf Anfang“ stellt und beim Romantikhotel landet. Zum Schluss lobt der Kabarettist das „intelligente“ Publikum beim Seesener Kulturforum. Pufpaffs „Zugabe“ ist dann noch ein beeindruckendes und sehr eindringliches politisches Statement gegen die Blindheiten der hassgeprägten Hirnlosigkeiten von Pegida und AfD.

Dr. Joachim Frassl