Kabarettist Uwe Steimle beim Seesener Kulturforum

Das Seesener Kulturforum hatte zu einer „Heimatstunde“ Ost in der Seesener Aula eingeladen und dazu den Dresdener Kabarettisten Uwe Steimle auf die Bühne geholt.

Fast genau 25 Jahre nach dem Mauerfall ist bei ihm Ostalgie angesagt. Er spricht nicht von „Wende“, sondern nennt es „Kehre“. Sein T-Shirt verkündet sächsische „Äh-moschen“, Kabarett also mit Gefühl. Sächsisch, scharfzüngig zwar, aber charmant und liebenswert beplaudert Steimle das Publikum. „Willkommen zu Seesen! Un sächssch verstehn Sie ooch noch. Allah ist groß und Seesen ooch.“

Der anfängliche Verweis auf den großen, Seesen nahen Wilhelm Busch gelingt ihm durch dessen Geschichte von „Fuchs und Igel“. Die fabel-hafte Moral vom „Frieden schaffen ohne Waffen“ bringt das Publikum auf Alt-DDR-Territorium, nach „Deutsch-Nahost“, aber auch hin zur aktuellen Ursula von der Leyen. „Vor Stalingrad waren die Kiga-Plätze knapp!“

Kam die Kriegswende durch Stalingrad oder nach der Landung der Alliierten in der Normandie? Steimle betont hier die Ostperspektive, springt auf 1989: „Vor 25 Jahren! – Dank. Dass wir nie aufeinander schießen mussten!“ Ein Wunder? Der Kabarettist wechselt zum „Blauen Wunder“ in Dresden: „Die Nieten halten die Brücke zusammen.“ Und wieder springt er in die Politik. Steimle ist 1963 geboren. „Ich wäre nie gegangen.“ Er will die Jugend an die deutsche Sprache heranführen. „Nu, sächssch is ooch deutsch.“ Und: „Dialekt ist Heimat“.
Das klingt alles wie spontane, „gemietliche“ Plauderei, voll Humor und Augenzwinkern. Das ist die Verpackung … und doch merkt man den absoluten Ernst. „Ich bin Obama dankbar, dass er Merkel abhört. – Erst durch das Dementi kann das Gehörte als gesichert gelten.“ (Inzwischen ist Steimle bei Bismarck angekommen.) … Die aktuellen Kriege und Kriegsbeteiligungen sind Thema: „Unsere Vorfahren wurden ja noch gefragt, wollt Ihr den totalen Krieg? – Uns fragt erst gar keiner!“ Es ändern sich die Systeme, nicht aber die Menschen. „Honecker kam aus dem Saarland und Mutti und Vati („Schmunzelmonster“) sind aus ´m Osten. Als Parodist hat Steimle dem Genossen Honecker sehr gut auf´s Maul geschaut.

Aber auch das ist Ostalgie: „Kennen Sie noch die Kurbrötchen? Seit der Kehre gibt es nur noch Luftbrötchen. Die heißen Wellness-Semmeln, cross, knusprisch mit Kworkmasse.“

Steimles Welt des Kabaretts geht gegen die Großen, aber auch gegen den miefigen oder verlogenen Nahbereich, er pendelt hin und her zwischen Politik, Historie und Lebensanekdoten. Für die Nähe heißt das: „Ich teile auch nach unten aus.“ Steimle ist ein überzeugter „Ossi“, wenngleich er auch sagt, nach 25 Jahren solle man endlich mit den Ossi-Wessi-Zuordnungen aufhören.
Irgendwann zwischendurch sagt der Kabarett-Gast auch „Dank dem Veranstaltungskollektiv. Ich fühle mich hier gut aufgehoben.“ Das Publikum beim Seesener Kulturforum nimmt es gern zur Kenntnis. Am Beginn des Abends stand Wilhelm Busch, den Abschluss setzt Uwe Steimle mit Schiller, nein: nach kräftigem und herzlichem Applaus gab es natürlich darüber hinaus auch noch Zugaben.

Joachim Frassl