Kälber sind die "Mitarbeiter" von Morgen

Keine Frage: Milchkühe leisten anspruchsvolle Arbeit: Rund 8.700 Liter Milch gibt eine niedersächsische Kuh im Durchschnitt pro Jahr. Das zeigen die Ergebnisse der Milchkontrollen, bei denen die Mengen und Inhaltsstoffe überprüft werden. Wie bei jedem Mitarbeiter mit großem Potenzial können gute Leistungen allerdings nur in einem entsprechenden Arbeitsumfeld erbracht werden. Vor rund 15 Jahren rückte der Begriff „Kuhkomfort“ stärker ins Bewusstsein der Milchbauern und hat das Verständnis für die Kuh- und Kälberhaltung nachhaltig verändert. Was unter „Kuhkomfort“ verstanden wird, entwickelt sich ständig weiter. Denn auch die Wissenschaft beschäftigt sich ausführlich mit dem Befinden von Milchkühen und liefert immer neue Erkenntnisse. Futter, Wasser, Licht und Luft, die richtige Temperatur, Komfort beim Liegen, der passende Untergrund zum Laufen und das Management der Herde. All das will gut aufeinander abgestimmt sein, schreibt der Landvolk-Pressedienst. Durch ihren anspruchsvollen Stoffwechsel produzieren die Kühe zum Beispiel „Abwärme“ und haben es gerne kühl. Schon ab 17-18°C, wenn für uns gerade die T-Shirt-Zeit beginnt, sorgen in vielen Betrieben Ventilatoren für eine kuhgerechte Temperatur.
Bevor die Kühe Milch geben, also in die Laktation kommen, machen sie rund acht Wochen „Urlaub“. In dieser Zeit, in der sich die Kuh auf die Kalbung vorbereitet, bedarf es einer besonderen Pflege. Im Strohstall oder auf der Weide erholen sich die Kühe. Je stressfreier diese Phase verläuft, desto besser startet die Kuh in die nächste Laktation. Besonderen Wert legen die Landwirte auch auf den Nachwuchs, denn die Kuhkälber sollen einmal gesunde Milchkühe werden. Schon die Fütterung der Kuh in der Trächtigkeit wirkt sich auf die Gesundheit und die spätere Entwicklung des Kalbes aus. Landwirt Dirk Böschen aus Grasberg bei Bremen hat die Bedeutung der Kälberaufzucht früh erkannt. Er hat die gesamte Kälberaufzucht auf einen Partnerbetrieb verlagert. In den ersten drei Lebenswochen bekommen die Kälber dort so viel Milch, wie sie aufnehmen möchten. Das hat sich als Erfolgsfaktor erwiesen. „Die Kälber sind gesund und können ihr Potenzial als Kuh später voll ausschöpfen“, erklärt Böschen. Sein Betriebspartner sei mittlerweile ein echter Kälberprofi. Wissenschaftliche Erkenntnisse lassen die Landwirte in das Management einfließen. Mit Erfolg: Die Kühe sind gesund und gaben im vergangenen Jahr im Schnitt rund 10.500 Liter Milch. Als einer von 16 Betrieben gibt Böschen auf www.mykuhtube.de einen Einblick in seine Kuhhaltung. Er erklärt, wie die Klauen gepflegt werden, was beim Einfahren des Futters zu beachten ist und zeigt, wie Zwillinge für eine Überraschung im Abkalbestall sorgen.