(K)ein schöner Schwede

Komiker Kalle Pohl eröffnet die Theatersaison 2014/15 in Seesen / Viel gelacht und viel geklatscht

Vorhang auf und Bühne frei für die Theater-Saison 2014/15 in Seesen. Fernseh-Komiker Kalle Pohl überzeugte am Montagabend als falscher schöner Schwede in der Aula am Schulzentrum. Wer sich unterhalten lassen wollte, der wurde prächtig unterhalten, wenngleich es mitunter recht zotig wurde und auch hin und wieder unter die verbale Gürtellinie ging. Das gefiel nicht allen, aber den meisten Besuchern in der nahezu vollbesetzten Seesener Aula.
Der vielgespielte Komödienhit der französischen Schauspielerin und Autorin Laurence Jyl wurde von Kalle Pohl, bekannt aus der erfolgreichen RTL-Comedyshow „7 Tage, 7 Köpfe“, zu deren Stammbesetzung er bis 2005 gehörte, neu überarbeitet, von Dominik Paetz­holdt inszeniert und war in den vergangenen Monaten in mehreren deutschen Theaterhäusern auf Tour. Wie erhofft wurde auch bei der Vorführung bei dem Stück rund um Herrn Pohl als gemieteten Begleitservice viel gelacht und viel geklatscht.
„Einen Schweden – oder gar nichts!“ So bestellt die leicht chaotische Denise (Astrid Straßburger) bei einer Agentur, die Herren als Begleiter für allein-stehende Damen vermittelt, ihren Traummann, so glaubt sie.
Mit diesem Mann möchte Denise ihre Gäste am Abend ebenso beeindrucken, wie mit dem großzügigen Landhaus, das sie zu bewohnen vorgibt. Doch was dann kurz darauf an der Tür klingelt, hält dem Vergleich mit dem Björn-Borg-Verschnitt so überhaupt nicht stand. Die Agentur schickt Hermann, ganz offensichtlich den Ladenhüter im Sortiment, er hat nichts Mannhaftes und greift gar zur Stricknadel. Aber Hermann versichert vehement, Schwede zu sein.
Notgedrungen akzeptiert Denise den gemieteten „Supermann“, denn plötzlich steht statt der eingeladenen Gäste gänzlich unerwarteter Besuch vor der Tür. Beatrice, die eigentliche Hauseigentümerin (Sibylle Nicolai) und ihr attraktiver Begleiter Paul (Bálint Walter), ein Schwede, pardon ein Schweizer wie aus dem Bilderbuch, sind gleichermaßen überrascht wie beeindruckt von Denises Männerwahl und  spielen das Spielchen prompt mit. Es wäre in der Tat sehr peinlich für Denise, wenn herauskäme, dass nicht nur der „schöne Schwede“ eine Schwindelei ist.
Hermann alias Kalle Pohl mimt mit Hingabe den begehrenswerten Liebhaber und Beinahe-Hausherrn, analysiert die Liebesgewohnheiten der Besucher und mäkelt an Denises eleganter Wohnungseinrichtung herum.
Aber weil Denise nicht die einzige ist, die gute Miene zum bösen Spiel machen muss, heißt es schließlich „Bahn frei“ für den schönen Schweden, der der schönen Schwindlerin längst verfallen ist.
Wenn man miterlebt, wie Kalle Pohl zum begehrenswerten Liebhaber mutiert, der die Liebesgewohnheiten aller Anwesenden analysiert und das „abgrundtief hässliche“ Meißner Porzellan zerdeppert, wird klar, warum „Ein schöner Schwede“ zu den meistgespielten Stücken gehört. Und warum es so gut ankommt.
Kalle Pohl überzeugt in Seesen als falscher schöner Schwede. Die männliche Hauptrolle bewegt sich, wenn man den Vergleich wagen will, im irgendwo zwischen Heinz Erhardt und Mario Barth. Er weiß in Seesen durch Vielseitigkeit zu überzeugen.
Astrid Straßburger ist eine quirlige Denise, die erst mit ihrer attraktiven Fassade, dann mit chaotischem Seelenleben beeindruckt. Die schauspielerischen Leistungen waren sehr gut und konnten das manchmal teils einseitige Drehbuch kompensieren. In den hinteren Reihen konnte manch einer den Worten der Schauspieler allerdings nicht folgen. Dennoch: Wer sich unterhalten lassen wollte, bekam dazu ausreichend Gelegenheit. Es war ein insgesamt gelungener Auftakt in die neue Theatersaison in einer gut besuchten Aula am Schulzentrum.
Insbesondere die schauspielerischen Leistungen konnten das Publikum wie erwähnt vollauf überzeugen. Das Stück lebte vor allem vom verbalen Schlagabtausch beider Geschlechter, in dem die negativ besetzten Eigenschaften hervorgehoben und zu Lachsalven verarbeitet wurden.
Fazit: Der Auftakt bescherte leichte Theaterkost am Abend, die man auch ohne große Anstrengung genießen konnte.
Die Theatersaison in Seesen geht weiter. Am 18. November gastiert die Theater- und Kulturwerk gGmbH (ehemals Landesbühne Sachsen-Anhalt) mit dem Lessing-Klassiker „Minna von Barnhelm“ nach längerer Pause wieder einmal in Seesen.
Es folgt mit „Auf und davon“ am 31. Januar des kommenden Jahres eine der weltweit meist gespielten Komödien mit Max Tidof in der Hauptrolle.
Max Tidof ist bekannt aus zahllosen Fernsehproduktionen und aus Filmen wie „Vergesst Mozart“ oder „Die Comedian Harmonists“ – für seine Rolle in diesem Kino-Hit wurde er mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet.